Bernhard Langer: Trostpflaster Ryder Cup - DER SPIEGEL
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Bernhard Langer Trostpflaster Ryder Cup

Nach dem vorzeitigen Aus bei der 132. Open der Profigolfer muss sich Bernhard Langer mit der Tatsache abfinden, dass seine Zeit als Spitzenspieler möglicherweise vorüber ist. Doch Deutschlands Vorzeigegolfer hat neue Pläne. Die Chancen, im nächsten Jahr als Ryder-Cup-Kapitän das europäische Team zu führen, sind gut.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sandwich - Eine der faszinierendsten deutschen Sportlerkarrieren verändert langsam ihre Ausrichtung. Bernhard Langer, 45, im letzten Vierteljahrhundert der Inbegriff des deutschen Weltklassegolfers, will vor dem Wechsel ins Senioren-Lager noch einmal als Ryder-Cup-Kapitän für Schlagzeilen sorgen. Der Anhausener, der seit Jahren mit seiner Familie im US-Staat Florida lebt, entschied bereits vor seinem frühzeitigen Scheitern bei der 132. British Open in Sandwich/England, sich um das Kapitänsamt im europäischen Ryder-Cup-Team zu bewerben. Im Herbst 2004 in Detroit wäre er nach zehn Starts als Spieler wohl die Idealbesetzung als Kapitän. Viele Spieler möchten den disziplinierten Deutschen gerne in diesem Amt sehen, und auch die britische "Times" macht sich derzeit für Langer stark.

"Ich wusste, dass ich irgendwann mal gerne dieses Amt übernehmen würde. Ich wohne und spiele in den USA und kenne mich auf der Tour gut aus", erklärte Langer. In der kommenden Woche berät das Ryder-Cup-Komitee über die drei zur Verfügung stehenden Kandidaten Langer, Ian Woosnam (Wales) und Sandy Lyle (Schottland). Langer hatte sich lange die Option offen gehalten, sich ein elftes Mal als Aktiver für das Team zu qualifizieren, doch die aktuelle Form entschied gegen den Ehrgeiz und für die Vernunft.

Nachdem er im vergangenen Jahr noch glänzend aufspielte und zum siegreichen Europa-Team im englischen "The Belfry" gehörte, hat Langer in dieser Saison schwer zu kämpfen. "Es ist doch nicht schlecht, unter den ersten Hundert der Weltrangliste geführt zu werden", verteidigt sich Langer zu Recht. Doch aus dem Mund des Mannes, der einst als erster Spieler diese Rangliste anführte und zweimal das US-Masters gewann, klang es ein wenig nach Abschied. In den verbleibenden Monaten des Jahres muss er in den USA sogar um seine Spielberechtigung für die kommende Saison bangen. Derzeit stehen 288.000 Dollar und Platz 121 in der Rangliste auf dem Konto.

Da nur die 125 besten Spieler am Ende des Jahres die Tourkarte behalten, will Langer deshalb auch verstärkt in den USA spielen. "Etwa 600.000 Dollar muss man schon verdienen, um sicher dabei zu sein", erklärte er. Ohne die Karte blieben ihm etwa 15 Turniere, die er dank Sponsoren-Einladungen wahrnehmen könnte. Doch ob er als Ryder-Cup-Kapitän selbst für einen so limitierten Turnierkalender Zeit haben würde, scheint fraglich: "Ich werde weiterhin spielen. Aber es ist ein zeitintensives Amt."

Die Zunahme der Verpflichtungen außerhalb des Platzes, die starke Konzentration auf die Turniere in Übersee und vielleicht auch ausbleibenden Einnahmen haben auch Langers treuesten Begleiter dazu verleitet, neue Wege einzuschlagen. "Ich will mir in meinem Alter diese Fliegerei nicht mehr antun. Da war es das Richtige, sich zu trennen", sagte Caddie Peter Coleman, der bei der Open in Sandwich ein vorläufig letztes Mal die Schläger für Langer trägt. Rund 22 Jahre lang trug der heute 62-Jährige die Tasche seines Chefs, in Zukunft wird er seinen Landsmann Lee Westwood betreuen. Neuer Caddie bei Langer wird der 40-jährige Amerikaner Russ Holden sein.

Eine Partnerschaft mit einer lukrativen Zukunft, denn Langer will nach dem Ryder-Cup-Stress spätestens ab dem 27. August 2007, seinem 50. Geburtstag, wieder vorne mitspielen. "Was die Zukunft bringt, weiß man natürlich nicht, aber mental bereite ich mich durchaus auf die Champions Tour (Senioren-Tour in den USA, d.Red.) vor", gab der vierfache Familienvater zu. Auch wenn Form derzeit anderes verspricht, das Feuer im Golfer Bernhard Langer ist längst noch nicht erloschen.