Biathlon-Gold: Ruhm ohne Gewähr - DER SPIEGEL
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Biathlon-Gold Ruhm ohne Gewähr

Mit der Goldmedaille in der Staffel haben Deutschlands Biathlon-Damen ihre überragenden Leistungen in Salt Lake City gekrönt. Die zweifache Olympiasiegerin Kati Wilhelm hofft, dass sie künftig vom Boom der telegenen Sportart profitieren kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Soldier Hollow - IOC-Vizepräsident Thomas Bach aus Deutschland schlug entsetzt die Hände vors Gesicht. Nur drei Meter entfernt stand die Schlussläuferin der deutschen Biathlon-Staffel und hatte beim letzten Schießen gerade zweimal daneben gezielt.

Doch Kati Wilhelm behielt in den folgenden Sekunden die Nerven, lud nach und traf. Die Goldmedaille für Katrin Apel, Uschi Disl, Andrea Henkel und Kati Wilhelm vor Norwegen und Russland war damit zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel quasi sicher. Olympia-Funktionär Bach durfte in seiner goldenen Winterjacke die Arme in die Höhe reißen.

Schon in den drei Wettbewerben zuvor hatten die deutschen Biathletinnen den Medaillenzählern immense Freude bereitet. Mit insgesamt dreimal Gold und zweimal Silber sind sie bislang die erfolgreichsten deutschen Sportler in Salt Lake City.

"Wir haben in Kanada zwar sehr gut trainiert. Aber vor Olympia wussten wir nicht, wo wir stehen. Die Ergebnisse in den ersten Wettkämpfen hier haben uns wohl motiviert", versuchte sich die frühere Langläuferin Wilhelm, die erst seit drei Jahren das Gewehr schultert, an einer Erklärung für die herausragende Medaillenausbeute.

Von den deutschen Skijägerinnen hat die 25-Jährige aus Steinbach-Hallenberg am ehesten das Zeug, von der wachsenden Popularität der Randsportart Biathlon zu profitieren. Nicht nur weil die mit zweimal Gold und einmal Silber dekorierte Thüringerin gute Chancen hat, als erfolgreichste Olympionikin Deutschlands von den Winterspielen 2002 heimzukehren.

Die Sportsoldatin, die nebenher für ein Fernstudium Elektrotechnik paukt, ist nicht auf den Mund gefallen ("Vielleicht rede ich manchmal zu viel"). Wenn sie über sich selbst urteilt ("Ich glaube, mich und meine gute Laune können viele Leute gut leiden") nimmt man ihr das ohne weiteres ab.

Als Kati Wilhelm vergangenen Mittwoch im 7,5-Kilometer-Sprint Gold gewann, hatte sie eine bessere Einschaltquote als die deutsche Fußball-Nationalelf, die zur selben Zeit im WM-Test gegen Israel kickte. "Bis zum Schluss ist die Entscheidung offen. Noch beim letzten Schießen kann das ganze Teilnehmerfeld durcheinander gewirbelt werden, und der TV-Zuschauer sieht jede Scheibe", zählt die zweifache Olympiasiegerin die Vorteile ihrer fernsehgerechten Beschäftigung auf und fasst zusammen: "Biathlon ist eine interessante Sportart."

In Salt Lake City ist zumindest Kati Wilhelm eine Biathletin, die Interesse weckt. Zeitungs- und Rundfunkjournalisten stehen derzeit Schlange. Doch wird ihr Ruhm Olympia überdauern? "Ich glaube schon, dass man sich an mich erinnert", ist Wilhelm auf Grund ihrer Erfahrungen nach dem überraschenden WM-Titel 2001 optimistisch. "Weit nach der Weltmeisterschaft bin ich im Einkaufszentrum von Erfurt erkannt worden, obwohl ich gar nicht meine Skiklamotten anhatte. Das war wahnsinnig."

Doch obwohl schon ein bekannter Manager der Branche ("Den Namen verrate ich nicht") an sie herangetreten ist, kann sie mit Skilaufen und Schießen nicht ihren Unterhalt finanzieren: "An Profisport ist nicht zu denken. Die Bundeswehr ist mein Arbeitgeber, ohne sie kann ich nicht überleben."

1968 hatte die Bundesregierung im Hinblick auf die Heimspiele in München 1972 und den Erfolg der DDR-Diplomaten im Trainingsanzug die Förderung von Spitzenathleten in der Bundeswehr beschlossen. In der Gold-Staffel von Soldier Hollow standen neben der Bundesgrenzschützerin Disl mit Apel, Henkel und Wilhelm drei Sportsoldatinnen auf dem Podium.

Oberfeldwebel Wilhelm liebäugelt mit den Werbeverträgen der Stars im Skispringen und alpinen Skisport, wenn sie sagt: "Man wünscht sich, mit anderen Sportarten gleichgestellt zu werden. Der Erfolg ist ja da. Mit Biathlon mein Geld zu verdienen, wäre schon in Ordnung."

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