Biathlon "Hochachtung den Mädchen"
Antholz - Die deutschen Skijäger sind in WM-Form. Zum Abschluss des begeisternden Weltcup-Wochenendes in Antholz gewannen die Frauen am Sonntag bei schwierigen Windbedingungen das Staffelrennen über 4 Mal 7,5 Kilometer und sind nun fünf Weltcups hintereinander ungeschlagen. Die Männer mussten sich nur den überragend schießenden Russen geschlagen bekennen. "Hochachtung den Mädchen", lautete das Fazit von Frauen-Bundestrainer Uwe Müßiggang, während Männer-Chef Frank Ullrich die Leistungen des Wochenendes als "sehr zufrieden stellend" bewertete.
Für die Vorentscheidung in der Frauen-Staffel, die mit Andrea Henkel (Oberhof), erstmals Martina Glagow (Mittenwald), Katrin Apel (Oberhof) und Martina Zellner (Hammer) lief, sorgte Katrin Apel, die über die Staffel-Aufstellung gescherzt hatte: "Da laufen erst die Jungen Wilden, dann die alten Klapprigen." Sie brachte das Quartett vom dritten Platz mit 49,5 Sekunden Vorsprung an die Spitze, obwohl sie einmal in die Strafrunde musste.
"Der Wind war tückisch. Trotzdem hat mich das schon gewurmt, doch als die neben mir schießende Russin und die Ukrainerin gleich zwei Runden drehen mussten, hat mich das wieder aufgebaut", erklärte die Staffel-Weltmeisterin. Henkel hatte als Zweite gewechselt, Glagow als Dritte übergeben. Martina Zellner lief den Sieg mit fehlerfreiem Schießen nach Hause und konnte als zusätzliche Belohnung 15.000 Mark als Siegerin der ORA-Trophy mit den zehn Rennen dieses Jahres in Oberhof, Ruhpolding und Antholz kassieren.
Zuvor hatten die russischen Männer bei ihrem ersten Staffel-Erfolg dieses Winters "Biathlon zelebriert", wie es der Ruhpoldinger Ricco Groß formulierte. Dem war die deutsche Staffel mit Frank Luck, Neuling Alexander Wolf (beide Oberhof), Groß und Sven Fischer (Oberhof) diesmal nicht gewachsen. Die Russen benötigten fünf Reserveschüsse, die Deutschen drei mehr und kassierten dadurch exakt die Hälfte ihres Gesamtrückstandes von 1:11,6 Minuten.
Am Samstag hatte Andrea Henkel mit ihrem Erfolg im Jagdrennen dafür gesorgt, dass die Weltcup-Siegesserie anhielt. Die 22 Jahre alte Thüringerin setzte sich mit dem letzten Schießen an die Spitze und lief nach 35:59,8 Minuten (einschließlich drei Strafrunden) - die deutsche Fahne schwenkend - ins Ziel. Zweite wurde mit 6,7 Sekunden Rückstand die Russin Galin Kuklewa vor Weltcup-Spitzenreiterin Magdalena Forsberg (Schweden/7,1). Zellner als Sechste und Sprint-Siegerin Glagow auf dem achten Platz rundeten den Erfolg ab. "Die zehn Rennen in 18 Tagen haben Substanz gekostet. Drei Schießfehler sind normalerweise zu viel, doch wenn ich damit noch gewinne, kann ich gut damit leben", sagte Henkel nach ihre zweiten Weltcup-Sieg.
In der Verfolgung baute Ole Einar Björndalen mit dem Sieg in 36:38,0 Minuten (drei Strafrunden) vor seinem norwegischen Landsmann Frode Andresen (22,2 Sekunden zurück) die Weltcup-Führung aus und strich die 15.000 Mark Siegprämie in der ORA-Trophy ein. Als Dritter war der Oberhofer Sven Fischer über den Zielstrich gelaufen, anschließend aber von der Jury auf den vierten Platz gesetzt worden, weil der Franzose Raphael Poiree 21,2 Sekunden Zeitgutschrift für eine zu viel gelaufene Strafrunde erhielt und so vor Fischer landete. Ricco Groß wurde Achter in der Verfolgung und für den zweiten Rang in der Tournee-Wertung mit 10.000 Mark belohnt.