Biathlon: Wildwest am Schießstand - DER SPIEGEL
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Biathlon Wildwest am Schießstand

Das 15-Kilometer-Rennen der Damen war aus deutscher Sicht eine große Enttäuschung. Trotz hervorragender Laufleistungen versagten den Skijägerinnen die Nerven, als sie zum Gewehr griffen. Am Schießstand ging es zuweilen zu wie in einem Spaghetti-Western.
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Oslo - Die deutschen Skijägerinnen haben am Dienstag bei der Biathlon-Weltmeisterschaften in Oslo ihr Pulver regelrecht am Schießstand verschossen. Im 15-Kilometer-Rennen imponierten sie zwar durchweg mit starken Lauf-Leistungen, doch am Schießstand versagten ihnen die Nerven. Die Oberhoferin Katrin Apel als Sechste und Uschi Disl (Moosham) auf dem achten Rang waren mit jeweils drei Strafminuten am Ende die Bestplatzierten des deutschen Quartetts, wobei sich die bayerische "Team-Älteste" durch einen Anfänger-Fehler um die mögliche Bronzemedaille brachte, als sie beim zweiten Liegendschießen auf eine Scheibe ihres Nachbar-Standes zielte, die auch fiel, aber regelkonform als Fehler gewertet wurde. "Ich war blind, habe die große Schießbahn-Nummer über den Scheiben leider nicht gesehen", schimpfte die WM-Zweite in der Verfolgung.

Fünf Jahre nach ihrem ersten WM-Titel gewann die fehlerfrei schießende 27-jährige Französin Corinne Niogret in 45:30,9 Minuten überlegen zum zweiten Male WM-Gold auf der längsten Frauen-Strecke. Zweite wurde mit 53,3 Sekunden Rückstand die 22 Jahre alte Olympia-Fünfte Shumei Yu aus China, die seit ihrem Titelgewinn bei den Sommer-Weltmeisterschaften 1996 zum erweiterten Kreis der Weltelite gehört. Die Bronzemedaille gewann die routinierte Schwedin Magdalena Forsberg (1:16,9 Minuten zurück). Sie verfehlte zwei der 20 Scheiben, nachdem sich die Verfolgungsweltmeisterin vom Sonntag unter Anleitung des Ruhpoldinger Trainers Wolfgang Pichler in den zwei Trainingswochen vor der WM lediglich zwei Fehlschüsse geleistet hatte.

"So wörtlich hätte ich das mit dem Drei-Fehler-Club auch nicht nehmen müssen", schimpfte im Ziel Katrin Apel. "Zweimal Null nach drei Minuten in den beiden ersten Anschlägen zeigen, dass ich das Schießen ja kann. Mit einem Fehler weniger wäre ich Zweite geworden", ärgerte sie sich. Den "Club" hatten sie und Martina Zellner, die Platz 19 belegte, nach unbefriedigenden Schieß-Resultaten zu Beginn der Saison gegründet. Uschi Disl haderte mit sich selbst. "Ich könnte mich ohrfeigen. So etwas ist mir bisher erst ein Mal passiert. Nach dem Zielen auf die falsche Scheibe war ich so aufgeregt, dass ich anschließend noch einen Schuss aus dem Lauf repetiert habe. Das war einfach ein verkorkstes Schießen. Ändern kann ich es aber leider auch nicht mehr. Nun wird eben beim nächsten Rennen wieder angegriffen", sagte sie wenige Minuten nach dem Rennen schon wieder etwas gefasst.

Dagegen musste Andrea Henkel nach ihrem 40. Rang und drei "Fahrkarten" beim letzten Schießen mit den Tränen kämpfen. "Das war eine Fehlleistung", suchte sie nicht nach einer Entschuldigung, während Martina Zellner nach den drei Fehlern beim ersten Stehend-Anschlag über "wackelige Knie" klagte.

Bundestrainer Uwe Müßiggang führte das Schieß-Fiasko seiner Frauen mit insgesamt 16 Fehlern bei 80 Schuss auf zu große Nervosität zurück. "Einen Schuss auf eine falsche Scheibe habe ich bei Uschi lange nicht mehr erlebt. Martina schließlich verfiel wieder in einen alten Fehler, den wir schon abgestellt glaubten. Sie hat nicht sauber zurückgezogen und das Schloss beim Repetieren zu schnell wieder geschlossen, so dass sich die leere Patrone verklemmte", erklärte er die Zellnerschen Probleme, die ihr stehend drei Minuten einbrachten. "Heute sind meine Haare noch ein bissel grauer geworden", meinte er.