Biathlon-WM Deutsche brechen ein
Pokljuka - Kreidebleich taumelte der Altenberger am Sonntag den Anstieg zu den "Kamelbuckeln" hinauf, stürzte mehrfach in den Schnee und schleppte sich doch noch in die Wechselzone. Das deutsche Team war geschockt, Morgenstern wurde sofort ärztlich behandelt. Nach der ersten Diagnose von Mannschaftsarzt Klaus-Jürgen Marquardt wird er keine bleibenden Schäden davon tragen. "Der Blutdruck ist nach einer Infusion wieder stabil. Ihm geht es ganz gut.
"Das hat sich nicht angekündigt. Auf den ersten zwei Runden habe ich mich gut gefühlt. Erst beim Rauslaufen auf die letzte Schleife stellten sich Probleme ein, wurde es mir schlagartig schwarz vor den Augen", erinnerte sich der 28-jährige Morgenstern, der über sechs Minuten auf die Spitze verlor. Den Titel über 4x7,5 Kilometer gewann zum ersten Mal in der WM-Geschichte Frankreich vor Weißrussland und Norwegen. Mitfavorit Deutschland mit den weiteren Startern Sven Fischer, Frank Luck (beide Oberhof) und Ricco Groß (Ruhpolding) landete nach Morgensterns Kollaps auf dem zwölften Platz.
"Wichtiger ist, dass Marco wieder okay ist"
Die drei anderen deutschen Männer kämpften trotz des Rückstands von Morgenstern (6:13 Minuten) bravourös. Fischer lief Rundenbestzeit, Luck war Vierter und Groß Dritter in seiner Runde. Das Ziel erreichten sie 4:09,6 Minuten hinter Frankreich. "Da sieht man, was heute möglich gewesen wäre", ärgerte sich Bundestrainer Frank Ullrich. "Wichtiger als die verlorene Medaille ist aber, dass Marco wieder okay ist", relativierte er nach dem "so noch nie erlebten Drama".
Die drei anderen deutschen Staffel-Starter kritisierten die Entscheidung, Morgenstern durchlaufen zu lassen, nachdem sie die Fernsehbilder gesehen hatten. "Man hätte ihn wohl besser stoppen sollen", sagte Groß. Luck zeigte sich "schockiert, tief betroffen". Sven Fischer meinte: "Das hätte ja lebensgefährlich werden können." Allerdings hatte während des Rennens keiner des deutschen Teams die Bilder des wankenden Sachsen live gesehen.
Die Frauenstaffel holte Silber
Am Samstag hatten die vier Staffel-Frauen Uschi Disl (Moosham), Katrin Apel, Andrea Henkel (beide Oberhof) und Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) mit 25,5 Sekunden Rückstand hinter dem alten und neuen Weltmeister Russland den zweiten Platz belegt und die deutsche Bilanz bei der WM auf einen Titel, drei zweite und zwei dritte Plätze geschraubt. Das Team verfehlte zwar die Vorjahres- Ausbeute (1/3/3) knapp, sammelte aber nach Norwegen (1/2/4) die meisten Medaillen.
Bundestrainer Uwe Müßiggang lobte seine Frauen. "Alle fahren mit mindestens einer Medaille nach Hause. Kati Wilhelm wurde bei ihrem WM-Einstand sogar als erst dritte deutsche Biathletin Weltmeisterin in einem Einzelrennen. Wir hatte zwei Medaillen als Ziel, vier sind es geworden", bilanzierte er.
Kati Wilhelm war dritterfolgreichste WM-Teilnehmerin
Kati Wilhelm war mit je einmal Gold und Silber die dritterfolgreichste aller WM-Starterinnen hinter der Schwedin Magdalena Forsberg (2/0/1) und der Norwegerin Liv Grete Skjelbreid- Poiree (1/1/2). "Für mich war das eine sehr schöne und erfolgreiche Woche", jubelte Wilhelm.