BMW Open: Fuchsjagd auf den Waliser - DER SPIEGEL
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BMW Open Fuchsjagd auf den Waliser

Die BMW Open im Golf sind die letzte Möglichkeit, sich für das europäische Ryder-Cup-Team zu qualifizieren. Bis auf einen Platz steht die Mannschaft von Sam Torrance. Um das letzte Ticket kämpfen rund ein dutzend Cracks.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Phillip Price ist in diesen Tagen nicht gerade zu beneiden. Zwar genießt der Waliser wie die meisten das derzeit angenehme Wetter im Süden Deutschlands, doch während der BMW Open, die ab Donnerstag auf dem Golfplatz in Eichenried im Norden Münchens stattfinden, wird Price wenig Zeit zum Sonnenbad haben. Denn der 34-Jährige wird sich der Angriffe eines guten Dutzends Kollegen erwehren müssen, die ihm in den nächsten Tagen ans Leder wollen.

Zwölf Mann kämpfen um das letzte Ryder-Cup-Ticket


Der Grund für das Gerangel ist ein einfacher. Price liegt derzeit mit 858.944 Punkten auf dem zehnten Platz der europäischen Ryder-Cup-Wertung und wäre damit automatisch für den Kontinental-Vergleich mit den zwölf besten amerikanischen Golfern qualifiziert, der vom 28. Bis 30. September in der Nähe von Birmingham, England stattfindet. Der alle zwei Jahre stattfindende Ryder Cup ist das Golfereignis in dieser Saison, und wer wäre bei dieser traditionellen wie legendären Veranstaltung nicht gerne dabei. Weil die BMW Open nach elf Monaten und 44 Turnieren die letzte Möglichkeit sind, Punkte für Birmingham zu sammeln, wetzen rund ein dutzend Spieler derzeit kräftig die Messer, um Price diesen begehrten Platz wegzuschnappen.

"Ich möchte nicht in Phillips Haut stecken", hatte Paul McGinley letzte Woche sein Mitleid bekundet. Der Ire hat gut reden, denn als Achter ist er bereits für das europäische Team qualifiziert und muss sich in München nur um die Konservierung seiner Form sorgen. "Normalerweise wird der Zehnte immer noch beim letzten Turnier abgefangen. Das ist wie eine Fuchsjagd", so McGinley. Bei den PGA Championships vor 14 Tagen, der letzten Qualifikationsmöglichkeit für das US-Team, wurde Tom Lehman aus dem Team gekegelt, der als Zehnter ins Turnier gestartet war und nach Verpassen des Cuts auf Rang elf abgerutscht war. US-Kapitän Curtis Strange bedachte Lehman anschließend auch nicht bei seinen Wildcards, die er stattdessen an Paul Azinger und Scott Verplank verteilte.

Parnevik und Garcia heißeste Wildcard-Kandidaten


Vor zwei Jahren, ebenfalls bei den BMW Open, war der Schwede Robert Karlsson der Unglückrabe auf europäischer Seite, der in letzter Sekunde noch von Pedraig Harrington abgefangen wurde und auch der damaligen Kapitän Mark "Jesse" James übersah den Schweden bei der Wildcard-Vergabe für den Ryder Cup 1999 in Brookline. Auch in diesem Jahr wird man als Elfter kaum eine Chance bekommen, zu den zwei picks des Kapitäns zu gehören, denn Torrance hat schon früh in der Saison angedeutet, dass er am liebsten dem Schweden Jesper Parnevik und dem Spanier Sergio Garcia die Wildcards geben würde. Beide spielen in diesem Jahr bevorzugt auf der US-Tour, wo sie keine Punkte für die europäische Wertung machen können. Am Sonntag um 18.30 Uhr wird Torrance, der in Eichenried selbst die Schläger schwingt und die ersten beiden Runden mit Paul Lawrie und Thomas Gögele in einem Flight spielt, seine Wahl verkünden.

300.000 Punkte (pro verdienten Euro Preisgeld einen Punkt) erhält der Sieger in Eichenried für die Ryder-Cup-Wertung, sogar der Schotte Dean Robertson als 23. mit 564.511 Punkten hat noch theoretische Chancen, sich ins europäische Team zu spielen. Klangvolle Namen wie Miguel Angel Jiménez, Mathias Grönberg, Andrew Coltart, Ian Woosnam, Sergio Garcia, José Maria Olazábal, Robert Karlsson oder Paul Lawrie sind unter den Kandidaten. Es wird also ein zähes Ringen um diesen letzten Platz geben.

Langer nur noch theoretisch zu verdrängen


Einer, der einigermaßen erleichtert ins Turnier gehen kann, ist Bernhard Langer. Zwar hat Deutschlands einziger Golfer von Weltformat, der am Montag 44 Jahre alt wurde, diese Veranstaltung noch nie gewinnen können, doch als Neunter besteht nur noch eine theoretische Möglichkeit, ihn aus dem Ryder-Cup-Team zu kegeln. Dazu müsste Langer den Cut nach zwei Runden verpassen und Miguel Angel Jiménez siegen und Ian Poulter Zweiter werden. So beständig und erfolgreich wie der Anhausener in dieser Saison bislang gespielt hat, ist davon eigentlich nicht auszugehen.