BMW Open Fuchsjagd auf den Waliser
München - Phillip Price ist in diesen Tagen nicht gerade zu beneiden. Zwar genießt der Waliser wie die meisten das derzeit angenehme Wetter im Süden Deutschlands, doch während der BMW Open, die ab Donnerstag auf dem Golfplatz in Eichenried im Norden Münchens stattfinden, wird Price wenig Zeit zum Sonnenbad haben. Denn der 34-Jährige wird sich der Angriffe eines guten Dutzends Kollegen erwehren müssen, die ihm in den nächsten Tagen ans Leder wollen.
Zwölf Mann kämpfen um das letzte Ryder-Cup-Ticket
Der Grund für das Gerangel ist ein einfacher. Price liegt derzeit mit
858.944 Punkten auf dem zehnten Platz der europäischen Ryder-Cup-Wertung
und wäre damit automatisch für den Kontinental-Vergleich mit den zwölf
besten amerikanischen Golfern qualifiziert, der vom 28. Bis 30. September in
der Nähe von Birmingham, England stattfindet. Der alle zwei Jahre
stattfindende Ryder Cup ist das Golfereignis in dieser Saison, und
wer wäre bei dieser traditionellen wie legendären Veranstaltung nicht
gerne dabei. Weil die BMW Open nach elf Monaten und 44 Turnieren die
letzte Möglichkeit sind, Punkte für Birmingham zu sammeln, wetzen rund
ein dutzend Spieler derzeit kräftig die Messer, um Price diesen
begehrten Platz wegzuschnappen.
"Ich möchte nicht in Phillips Haut stecken", hatte Paul McGinley letzte
Woche sein Mitleid bekundet. Der Ire hat gut reden, denn als Achter ist
er bereits für das europäische Team qualifiziert und muss sich in München nur um die Konservierung seiner Form sorgen. "Normalerweise
wird der Zehnte immer noch beim letzten Turnier abgefangen. Das ist wie
eine Fuchsjagd", so McGinley. Bei den PGA Championships vor 14 Tagen,
der letzten Qualifikationsmöglichkeit für das US-Team, wurde Tom Lehman
aus dem Team gekegelt, der als Zehnter ins Turnier gestartet war und
nach Verpassen des Cuts auf Rang elf abgerutscht war. US-Kapitän Curtis
Strange bedachte Lehman anschließend auch nicht bei seinen Wildcards,
die er stattdessen an Paul Azinger und Scott Verplank verteilte.
Parnevik und Garcia heißeste Wildcard-Kandidaten
Vor zwei Jahren, ebenfalls bei den BMW Open, war der Schwede Robert
Karlsson der Unglückrabe auf europäischer Seite, der in letzter Sekunde
noch von Pedraig Harrington abgefangen wurde und auch der damaligen
Kapitän Mark "Jesse" James übersah den Schweden bei der Wildcard-Vergabe
für den Ryder Cup 1999 in Brookline. Auch in diesem Jahr wird man als
Elfter kaum eine Chance bekommen, zu den zwei picks des Kapitäns
zu gehören, denn Torrance hat schon früh in der Saison angedeutet, dass
er am liebsten dem Schweden Jesper Parnevik und dem Spanier Sergio Garcia die Wildcards geben würde. Beide spielen in diesem Jahr bevorzugt auf der US-Tour, wo sie keine Punkte für die europäische Wertung machen können. Am Sonntag um 18.30 Uhr wird Torrance, der in Eichenried selbst die Schläger schwingt und die ersten beiden Runden mit Paul Lawrie und Thomas Gögele in einem Flight spielt, seine Wahl
verkünden.
300.000 Punkte (pro verdienten Euro Preisgeld einen Punkt) erhält der Sieger in Eichenried für die Ryder-Cup-Wertung, sogar der Schotte Dean Robertson als 23. mit 564.511 Punkten hat noch theoretische Chancen, sich ins europäische Team zu spielen. Klangvolle Namen wie Miguel Angel Jiménez, Mathias Grönberg, Andrew Coltart, Ian Woosnam, Sergio Garcia, José Maria Olazábal, Robert Karlsson oder Paul Lawrie sind unter den Kandidaten. Es wird also ein zähes Ringen um
diesen letzten Platz geben.
Langer nur noch theoretisch zu verdrängen
Einer, der einigermaßen erleichtert ins Turnier gehen kann, ist Bernhard Langer. Zwar hat Deutschlands einziger Golfer von Weltformat, der am Montag 44 Jahre alt wurde, diese Veranstaltung noch nie gewinnen können, doch als Neunter besteht nur noch eine theoretische Möglichkeit, ihn aus dem Ryder-Cup-Team zu kegeln. Dazu müsste Langer
den Cut nach zwei Runden verpassen und Miguel Angel Jiménez siegen und Ian Poulter Zweiter werden. So beständig und erfolgreich wie der Anhausener in dieser Saison bislang gespielt hat, ist davon eigentlich nicht auszugehen.