BMW Open Geplatzte Träume und eiskalte Putter
München - Während der Australier Adam Scott nach seiner 64er-Runde vor gerade mal vier Journalisten im Pressezelt bereitwillig Auskunft über seinen zweiten Arbeitstag bei den BMW Open gab, der ihn vorübergehend an die Spitze des Leaderboards katapultierte, bildete sich neben dem 18. Grün auf der Anlage von Eichenried (Par 72) ein Schwarm von Medienleuten. Dort stand mit bleichen Gesicht der bedauernswerte Phillip Price, der soeben eine Scorekarte mit 70 Schlägen bei der Turnierleitung abgegeben hatte und sich nun den britischen Medienvertretern stellen musste.
Ausgelaugt und müde
Mit einem Gesamtergebnis von -3 nach zwei Runden balanciert Price
gefährlich nahe am Cut entlang. Sollte der sympathische Waliser zu den
Unglücklichen gehören, die vor den letzten beiden Runden die Koffer
packen müssen, wäre das gleichzeitig das Ende seiner Ryder-Cup-Träume,
denn die Konkurrenten im Kampf um den zehnten Platz, mit dem man sich
direkt für das Team von Sam Torrance qualifiziert, würden quasi kampflos
am 34-Jährigen vorbeiziehen. Am vorletzten Loch leistete sich Price noch
ein Bogey, eine bittere Enttäuschung.
"War der Druck zu groß?" wurde Price immer wieder gefragt, doch der
Mann, der manchmal wie ein zerstreuter Professor wirkt und dem die
nervenaufreibenden Strapazen der letzten Wochen deutlich anzumerken
sind, winkte nur ab. "Ich bin so ausgelaugt und müde, dass ich überhaupt
keinen Druck mehr spüre", sagte er zerknirscht. "Ich wünschte, ich hätte
den Druck bemerkt, dann wäre ich vielleicht aufgewacht." Die letzten
fünf Wochen habe er so schlecht gespielt, dass er am liebsten die
Schläger über den Platz geschleudert hätte, gab Price unumwunden zu.
Doch als Golfer gilt es, Haltung zu bewahren, auch in Niederlagen. Den
Freitagnachmittag musste Price ("Am liebsten würde ich jetzt in einen
Pub gehen!") abseits des Geschehens verbringen und hoffen, dass er noch
irgendwie den Cut schafft, der auf vier Schläge unter Par prognostiziert
wurde.
Gut gelaunt: Langer und Cejka
Dagegen war die Stimmung im deutschen Lager weitaus besser. Bernhard Langer ließ auf seine 67er-Auftaktrunde einen
Arbeitstag mit 69 Schlägen folgen und dies, "obwohl mein Putter heute
eiskalt war", wie Langer hinterher zugab. In der Tat ließ der
44-Jährige, der gestern Abend und heute Morgen wegen seines
strapazierten Rückens wieder Zusatzschichten beim Physiotherapeuten der
European Tour schieben musste ("Am besten sollte ich dort übernachten"),
ungewöhnlich viele Birdie-Chancen ungenutzt.
Dennoch versprüht Langer
vor den letzten beiden Runden Optimismus: "Ich habe schon Turniere
gewonnen, bei denen ich vor den letzten 18 Löchern mit sieben Schlägen
Rückstand angetreten bin." Mit acht unter Par liegt er fünf Schläge
hinter dem nach den Vormittagsrunden am Freitag führenden Scott, zudem
ist Langers Ryder-Cup-Teilnahme mit Erreichen des Cuts endgültig
gesichert.
Sogar einen Schlag besser als Langer liegt Alexander Cejka, der bei den
BMW Open seinen seit den British Open anhaltenden Aufwärtstrend
bestätigte. "Eigentlich liegt mir der Platz in Eichenried überhaupt
nicht", hatte Cejka am Vortag noch geunkt, nach seiner 66er-Runde am
Freitag und insgesamt neun unter Par darf er sich nun auf einmal
Siegchancen ausrechnen. Auch Sven Strüver konnte sich nach einer 71 zum
Auftakt mit 69 Schlägen am zweiten Tag steigern. Marcel Siem überzeugte
in Runde zwei mit einer 68er-Runde, mit insgesamt eins unter Par
scheiterte der Challenge-Tour-Spieler aber ebenso am Cut wie der
hoffnungsvoll in die Veranstaltung gegangene Tobias Dier (71, 71).
Auch Jiménez muss zittern
Von den Ryder-Cup-Kandidaten, die Price vom zehnten Rang verdrängen wollen,
überzeugte einmal mehr der, dem man am wenigsten Chancen zugetraut
hätte: Dean Robertson aus Schottland ließ nach seinem überzeugenden
Auftakt von 64 Schlägen am Freitag mit 69 Schlägen ein weiteres
Ausrufezeichen folgen. Mit insgesamt elf unter Par liegt er im
Windschatten von Adam Scott. Dagegen wird Miguel Angel Jiménez aus
Spanien nach Runden von 67 und 74 ebenso so zittern wie Phillip Price,
um den Cut zu schaffen.
Aus dem Geschäft ist der Schwede Mathias Grönberg (74, 70). Dagegen dürfen sich Andrew Coltart (69, 71) und Robert Karlsson (70, 68) noch Hoffnungen machen. Ian Poulter, José Maria Olazábal, Sergio Garcia, Ian Woosnam, Andrew Oldcorn und Thomas Levet
waren erst am Freitagnachmittag im Einsatz wie der Führende des ersten
Tages, John Daly aus den USA.