BMW Open John Daly kam, sah und siegte
München - Am Ende gingen Thomas Levet einfach die Löcher aus. Obwohl der Franzose auch am vierten Tag einen bravourösen Kampf hinlegte, um sich trotz minimaler Chancen noch für das europäische Ryder-Cup-Team zu qualifizieren, reichte es für ihn mit 268 Schlägen (70,66,64,68) nur zum dritten Rang bei den BMW Open. Um den letzten begehrten Platz im Team von Sam Torrance zu ergattern, hätte Levet bei der mit 1,8 Millionen Euro dotierten Veranstaltung im Norden Münchens gewinnen müssen. Sieger wurde auf dem Platz in Eichenried (Par 72) jedoch der Amerikaner John Daly mit 261 Schlägen (63,64,68,66), der sich in einer spannenden Schlussrunde ein Kopf-an-Kopf-Duell mit Padraig Harrington (Irland) (261-69,63,63,68) lieferte.
Daly nutzte Harringtons Missgeschick
Erst am letzten Loch (Par 5) konnte sich Daly durchsetzen, als Harrington seinen zweiten Schlag zum Grün mit seinem Holz drei nach rechts verzog und in einem Tümpel neben dem Grün landete. Statt der erhofften Chance zum Eagle musste sich der Ire mit einem Par begnügen. "Ich hatte einen schlechten Drive, es war wahrscheinlich mein schlechtester des ganzen Turniers, deshalb stand ich unter Druck", beschrieb Harrington sein Missgeschick enttäuscht. "Ich war zu weit weg vom Grün, musste voll draufhauen, deshalb habe ich mein Holz verzogen." Für Harrington, der am 17. Loch einen Riesenchance zum Birdie (Putt aus zwei Metern) ausgelassen hatte, war es bereits der sechste zweite Platz bei einem Turnier auf der European Tour in diesem Jahr.
Daly, der seit seinem Triumph bei den British Open in St. Andrews 1995 keinen Sieg mehr feiern durfte, betrachte Harringtons Fehlschlag, ohne eine Miene zu verziehen. Einzig seinem Caddie gab er ein kleines Zeichen, wechselte zu einem Eisen 4 und legte den Ball links neben das Grün. Der anschließende Chip landete tot neben der Fahne, so dass der Sieg für den Amerikaner war nur noch Formsache war. Mit 300.000 Euro Siegprämie fuhr der stämmige Kalifornier zurück nach Hause, ein wahrlich lohnender Ausflug. "Ich kann es kaum glauben", seufzte Daly anschließend erleichtert, der die Zusatzprämie in Form einer Magnum-Champagnerflasche an die Journalisten verschenkte. "Es ist einfach ein wundervolles Gefühl, hier gewonnen zu haben. Ich muss aber zugeben, dass ich am letzten Loch, als die Entscheidung fiel, auch sehr viel Glück hatte. Es waren sechs verdammt lange Jahre."
Happy End für Price, Garcia und Parnevik
Einer weiterer Gewinner des Turniers war Philip Price. Der Waliser hatte zwar am Freitag noch den Cut um einen Schlag verpasst und war völlig zerknirscht nach Hause gefahren, weil er sicher war, dass er seinen zehnten Platz in der Ryder-Cup-Qualifikation verlieren würde. Doch keiner seiner Konkurrenten konnte die Chance nutzen, was fast an ein Wunder grenzte. Einzig Thomas Levet und der Schotte Dean Robertson, er wurde mit 269 Schlägen (64,69,69,67) Vierter, kämpften wie die Löwen. Doch trotz ihrer guten Platzierungen konnten sie Price nicht mehr einholen. "Ich kann es gar nicht fassen, dass ich im Ryder-Cup-Team bin", ließ Price per Telefon ausrichten. "Es sind ein paar Freunde da, und wir feiern jetzt erst mal. In München bin ich weniger am Druck gescheitert, als an meiner Müdigkeit. Die letzten Monate waren sehr, sehr anstrengend, aber bis zum Ryder Cup bin ich wieder ausgeruht."
Nach dem Turnier verkündete der Ryder-Cup-Kapitän Europas, Sam Torrance, seine zwei Wildcards. Sie gingen an Sergio Garcia und Jesper Parnevik. Bei Garcia hatte sich Torrance schon früh festgelegt, bei Jesper Parnevik fiel die Entscheidung erst am Sonntag. "Bis zuletzt hatte ich überlegt, ob ich mich nicht doch für José Maria Olazabal entscheiden sollte", gab Torrance Einsicht in seine Gedankenspiele. Auch der junge Engländer Paul Casey, der letzte Woche die Scottish PGA Championships gewonnen hat und in München Siebter wurde, war nahe dran. "Für Olly tut es mir total leid", sagte Tarrance. "Es gibt wohl kaum einen Spieler aus Europa, der so leidenschaftlich kämpfen kann. Aber Jesper ist der bessere und kontrolliertere Driver, und dies ist beim Ryder Cup unheimlich wichtig." Die gute Kombination, die Garcia und Parnevik während des letzten Ryder Cup in Brookline bei den Vierern bildete, spielte gewiss ein Rolle.
Langer und Cejka überzeugen
Bester Deutscher war in Eichenried einmal mehr Bernhard Langer. Mit 273 Schlägen (67,69,69,68) belegte er den 16. Rang, einen Schlag vor Alexander Cejka (274-69,66,69,70), der auf Platz 21 im Clubhaus ankam. Unzufrieden war der Lokalmatador aber nicht. "Ich habe hier sehr solides Golf gespielt und das, obwohl mir der Platz nicht liegt", so Cejka. Sven Strüver indes blieb mit 289 Schlägen (71,69,76,73) und dem 78. Rang hinter den Erwartungen zurück.