Bob-EM Lange löst Langen ab
Cortina d'Ampezzo - Andre Lange hat mit seinem ersten Europameister-Titel die Konkurrenz verblüfft. Der Oberhofer, der mit seinem Anschieber Rene Hoppe im vergangenen Jahr noch Junioren-Weltmeister im Vierer war, rauschte in zwei sauberen Läufen durch die "Pista Olimpica" und ließ in der Gesamtfahrzeit von 1:46,52 Minuten (52,98/53,54) die hoch gehandelte Konkurrenz hinter sich. Damit ist Lange der WM-Nominierung nicht mehr streitig zu machen.
Den Weltmeistern Günther Huber/Ubaldo Ranzi brachte selbst der Heimvorteil nichts ein. Trotz des im ersten Lauf um 11/100 Sekunden verbesserten Bahnrekords (52,96) mussten sich die Favoriten mit der Silbermedaille begnügen. Christoph Langen/Markus Zimmermann komplettierten mit Rang drei in 1:46,73 Minuten den deutschen Erfolg. Bob-Bundestrainer Raimund Bethge feierte mit den internationalen Medaillen Nummer 50 und 51 unter seiner Regie ein stolzes Jubiläum.
"Das ist der Hammer", jubelte Lange im Ziel. "Dass ich Huber auf seiner Hausbahn schlage, ist für mich ein kleines Wunder." Der 26-Jährige, der schon seit 1993 als Pilot an den Lenkseilen sitzt, heimste für sein unbekümmertes Rennen im schwer zu fahrenden Eiskanal von Cortina von allen Seiten Komplimente ein. Auch der 37-jährige Routinier und Mitfavorit Langen zog symbolisch den Hut: "Er ist fast zwölf Jahre jünger als ich. Es wird langsam Zeit, dass ich abgelöst werde."
Bereits bei den deutschen Vierer-Meisterschaften in Altenberg hatte Lange Langen den Titel weggeschnappt. Von einer Wachablösung will der ehemalige Rodler, der bereits als Nachfolger des achtfachen Weltmeisters Wolfgang Hoppe gehandelt wird, aber noch nichts wissen. "Wir haben in Oberhof ein schweres Erbe angetreten, doch wir wollen unseren eigenen Weg finden."
So wie Langen, der in Cortina mit einem beschädigten Schlitten an den Start ging. Über Nacht hatte sich der Spezialkleber an seiner Bob-Haube gelöst. Langen befestigte die Verkleidung mit drei Schrauben und machte das Gerät so auf die Schnelle wieder startklar. Der wiederum beste Starter im Feld büßte durch grobe Fehler unterwegs eine bessere Platzierung ein. Seinen Lenk-Stil beurteilte Langen drastisch: "Ich bin zwei Mal beschissen gefahren."
Ähnlich fühlten sich die Schweizer. In dem gleichzeitig als Weltcup gewerteten Rennen verloren Titelverteidiger Reto Götschi als 14. und der Weltcup-Führende Christian Reich als Elfter wertvollen Boden. Reich hat nach fünf von sieben Rennen mit 154 Punkten nur noch zwei Zähler Vorsprung vor dem Kanadier Pierre Lueders. Marcel Rohner rangiert nach Platz fünf in Cortina auf dem dritten Rang (143). Der Weltcup garantiert der siegreichen Nation einen dritten Startplatz bei der Weltmeisterschaft in Altenberg (2. bis 13. Februar).