Boris Becker: "Hier bin ich richtig" - DER SPIEGEL
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Boris Becker "Hier bin ich richtig"

In Cincinnati gibt Boris Becker dieser Tage einen Blitzauftritt auf der ATP-Tour. Der 33-jährige Freizeitprofi fühlt sich dabei so, als wäre er nie weg gewesen.
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Cincinnati - Am Tag vor dem mit Spannung erwarteten Comeback von Boris Becker gab es für David Prinosil bei den Cincinnati Masters nichts zu holen. Prinosil verlor in der Nacht zum Dienstag bei der mit 2,95 Millionen Dollar dotierten Veranstaltung sein Auftaktmatch gegen den Briten Greg Rusedski mit 6:3, 6:7 (6:8), 1:6 und schied als erster Deutscher aus.

Zu den Gescheiterten der ersten Runde zählte auch Andre Agassi. Der Weltranglisten-Zweite unterlag als erster gesetzter Profi bei Treibhaus-Temperaturen der Nummer 56, Gaston Gaudio (Argentinien), mit 4:6, 6:7 (3:7). Vor einer Woche beim Masters in Montreal hatte der Lebensgefährte von Steffi Graf in der Nummer 58, Ivan Ljubicic (Kroatien), seinen Erst-Runden-Bezwinger gefunden.

"Er hat sich sehr gut bewegt und spielte eine starke Vor- als auch Rückhand. Ich machte zu viele Fehler", bilanzierte Agassi nach der zweiten Pleite in Folge frustriert. Gaudio konnte sein Glück kaum fassen. "Das war mein bestes Match und mein größter Sieg", jubelte der 22-Jährige, der in Spielerkreise "Termite" gerufen wird. "Alle wichtigen Bälle habe ich super returniert. Das machte ihn verrückt."

"Es ist wunderschön"


Das Thema des Tages in der Zwei-Millionen-Metropole am Ohio war aber der berühmte Rotschopf aus Germany, Mr. Boris Becker. Zusammen mit Wimbledon-Sieger Goran Ivanisevic wird er im Doppel antreten. Bei seiner Ankunft auf der 40 Kilometer vom Stadtzentrum Cincinnatis entfernten Tennis-Anlage wirkte es zuweilen so, als hätte Becker die letzten Jahre nicht auf Partys oder in Gerichtssälen verbracht, sondern wäre nie weggewesen.

"Es ist wunderschön, zurück zu sein. Die meisten Spieler lassen mich spüren, dass ich noch immer dazugehöre. Ich fühle, dass ich hier richtig bin", sagte der 33-Jährige. Sein ATP-Tour-Comeback dient ihm als Vorbereitung auf seine drei Schaukämpfe in Graz (ab 15. August), bei den US Open in New York gegen John McEnroe (8. September) und am 15. sowie 16. September in Verona. Am 7. Juli 1999 hatte der einstige Weltranglisten-Erste in Wimbledon sein bisher letztes Profi-Match bestritten.

"Einerseits scheint es, als liegt es 20 Jahre zurück, seit ich hier spielte. Anderseits wirkt es so, als wäre ich erst gestern hier gewesen", sagte Becker zu seinem Empfinden. In Cincinnati hatte er 1985 mit 17 Jahren als noch immer jüngster Spieler aller Zeiten das Turnier gewonnen. Becker, der mit Ivanisevic auf die an Nummer eins gesetzte Kombination Jonas Bjorkman/Todd Woodbridge (Schweden/Australien) trifft, trainiert erst seit zehn Wochen.

"Das schaffe ich schon"


In den zwei Jahren Tennispause habe er, so Becker, "so gut wie keinen Schläger angefasst. Niemand geht arbeiten, wenn er frei hat. Der Tennisplatz war früher mein Büro, und wenn man Urlaub hat, geht man nicht ins Büro". Dennoch spürt Becker dieser Tage wieder ein wenig Feuer in sich, wenn er in die Nähe eines Tennisplatzes kommt.

"Ich bin 33 Jahre alt, also gehöre ich noch nicht ins Altersheim", sagte Becker. "Wenn der Ball in meine Richtung geschlagen wird, geht es mir gut. Das Problem wird sein, wenn ich nach links oder rechts laufen muss. Da habe ich wirklich Schwierigkeiten. Im Doppel muss ich nur einen halben Platz kontrollieren, das schaffe ich schon."