Nach Absage von Alexander Zverev Boris Becker kritisiert Davis-Cup-Format
Boris Becker
Foto: DANIEL ROLAND/ AFPBoris Becker hält den Davis Cup im traditionellen Format für "nicht immer zeitgemäß". Das sagte der dreimalige Wimbledonsieger, seit Kurzem als "Head of Men's Tennis" im Deutschen Tennis Bund (DTB) tätig, am Rande der US Open bei Eurosport.
"Man versucht seit geraumer Zeit, Veränderungen herbeizuführen: vielleicht nur alle zwei Jahre, vielleicht in Turnierform über zehn Tage", sagte Becker. Zudem sei es für die Spieler schwierig, "auf einem Belag zu spielen, den man die Woche davor oder die Woche danach nicht spielt".
Anfang August waren Kernpunkte einer Reform des traditionsreichen Mannschaftswettbewerbs beim Kongress des Tennis-Weltverbandes ITF in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam gescheitert.
Nach dem Votum der Mitgliedsverbände werden die Partien im Davis Cup auch in Zukunft über drei Gewinnsätze ausgetragen. Bereits im Vorfeld war die Idee abgelehnt worden, Davis-Cup- und Fed-Cup-Endspiele auf neutralem Boden auszutragen.
"Er wollte spielen"
Deutschland spielt im Match um den Klassenerhalt in der Weltgruppe vom 15. bis zum 17. September in Portugal. Die Partie in Estoril wird auf Sand ausgetragen, auf der ATP-Tour finden die Turniere im Herbst dagegen auf Hartplatz statt.
Die deutschen Topspieler Alexander und Mischa Zverev sowie Philipp Kohlschreiber werden nicht dabei sein. Im Fall von Alexander Zverev haben laut Becker die Berater des Tennisprofis zur Absage geraten: "Er wollte spielen, er hat uns das auch noch mal glasklar versichert, aber sein Management hat ihm davon abgeraten."
Mischa Zverev habe hingegen gemeinsam mit Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann entschieden, dass er nicht spiele, sagte Becker. Sand ist nicht der beste Belag des 30-Jährigen, zudem klagte der Linkshänder über Probleme am Nacken.
"Ich weiß, wie viele Menschen an einem rumzerren."
Kohlschreiber hatte schon vor der offiziellen Verbandsmitteilung angedeutet, wegen mehrerer Blessuren auf einen Einsatz im prestigeträchtigen Mannschaftswettbewerb zu verzichten. "Ich muss auch auf meinen Körper hören", sagte der 33-Jährige.
Becker zeigte sich vor allem von der Absage des jüngeren Zverev-Bruders enttäuscht: "Das ist schade, er ist ein Idol von Millionen von Menschen. Das wäre eine große Chance gewesen, etwas für sein Image zu tun." Er äußerte aber auch Verständnis: "Ich weiß, wie viele Menschen an einem rumzerren. Das ist nicht immer einfach für einen 20-Jährigen."
Beim Davis Cup sollen es jetzt Jan-Lennard Struff, Cedrik-Marcel Stebe sowie die Debütanten Yannick Hanfmann und Tim Pütz richten. "Es ist die Chance für diese Jungs, aus dem Schatten der großen drei herauszutreten", sagte Becker.