Box-Karriere Der "Tiger" verlässt die Manege
Hamburg - "Mir ist seit einigen Tagen klar, dass ich eine neue Laufbahn starten werde", erklärte Michalczewski heute auf einer Pressekonferenz in Hamburg, "meine Zeit als Profiboxer ist damit vorbei." Künftig möchte er junge Boxtalente europaweit entdecken und fördern. Trainer Fritz Sdunek wird ihm dabei als Berater zur Seite stehen. "Wir suchen den Young Tiger. Und wir brauchen Typen mit Herz, die sich nicht verbiegen lassen. So wie ich einer war", sagte Michalczewski.
Vor 96 Tagen hatte Michalczewski, der seit 2002 wieder in Polen lebt, bei seinem Comebackkampf gegen den französischen WBA-Weltmeister Fabrice Tiozzo eine K.o.-Niederlage kassiert. "Wenn nicht mehr alles stimmt, muss man gehen. Das tue ich heute ohne Tränen", sagte der Halbschwergewichtler.
Der gelernte Tischler und Polsterer bestritt seit September 1991 genau 50 Kämpfe, von denen er nur die letzten beiden verlor. Er war vom 10. September 1994 bis zur Punktniederlage gegen Julio Cesar Gonzalez am 18. Oktober 2003 Weltmeister der WBO.
Michalczewski-Karriere: Herz ohne Heimat
39 seiner 48 Siege feierte der stets spektakulär boxende Danziger vorzeitig. Direkt nach dem verlorenen Kampf gegen Tiozzo hatte Michalczewski keine Entscheidung über ein Ende seiner aktiven Laufbahn treffen wollen. Freunde und Trainer hatten ihm zum Aufhören geraten. "Ich wusste natürlich genau, dass sie alle mich nicht mehr leiden sehen wollten", sagte Michalczewski, "aber die Entscheidung war nicht einfach. Es ist jetzt ein Stück weg von mir nach 25 Jahren im Boxring."
Michalczewski zog ein positives Fazit seiner Karriere: "Ich habe in meinem Leben alles richtig gemacht. Und für meine Fehler habe ich mit meinem eigenen Geld teuer bezahlt." Promotor Klaus-Peter Kohl, für dessen Boxstall Michalczewski alle seine Kämpfe bestritt, hofft, "dass er jetzt die Konsequenz hat und nicht wieder in den Ring steigt - auch nicht für viel Geld."