Box-WM: David Tua gegen "Goliath" Lewis - DER SPIEGEL
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Box-WM David Tua gegen "Goliath" Lewis

Wegen seiner extravaganten Haarpracht verspotten ihn einige als Sohn von Don King. Andere sehen in dem bulligen Schwergewichtler ein Tyson-Double. Für seine Landsleute ist David Tua in jedem Fall ein Volksheld. Egal, ob er gegen Lennox Lewis gewinnt oder verliert.
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Las Vegas - Sein Konterfei ziert seit Wochen die Titelseiten der nationalen Magazine und Tageszeitungen. In Überlebensgröße prangt es auch auf zahlreichen Linienbussen. Wenn der im neuseeländischen Auckland lebende Samoaner in der Nacht zum Sonntag (4.00 MEZ) in Las Vegas im "Mandalay Bay Casino" den britischen Titelverteidiger Lennox Lewis zum Duell um die Kronen der Box-Weltverbände IBF und WBC herausfordert, werden auf den Pazifikinseln die TV-Quoten neue Rekorddimensionen erreichen. Der Premierminister aus Tuas Geburtsland, wo der Kampftag zum Feiertag erklärt wurde, sitzt jedoch wie WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko am Ring, um die Fäuste des populärsten Sohnes seiner 185.000 Einwohner zählenden Staates aus nächster Nähe fliegen zu sehen.

"Sie lieben ihn alle. In Samoa und Neuseeland steht während der Übertragung alles still. Jeder will live am Fernseher dabei sein", erzählte Kevin Barry, Tuas Manager, zwei Tage vor dem als "David gegen Goliath" titulierten Fight. Der vor 27 Jahren als Mafaufau Tavita Lio Mafaufau Senerivi Talimatasi geborene Tua ist mit seinen 1,77 Metern zwanzig Zentimeter kleiner als der derzeit beste Boxer der Welt, der seinerseits mit 112,9 um 1,8 Kilogramm schwerer war, als der selbstbewusste WM-Debütant. "Ich weiß, wie ich an Lewis' gefährlicher Führhand vorbei zum Infight komme, um ihn auszuknocken", behauptete der wie Lewis bislang erst einmal unterlegene Tua, der die IBF- und WBC-Rangliste anführt. Beide können auch jeweils 37 Siege vorweisen, wobei die des Champions selbstredend höher einzustufen sind. Der als 3,5:1-Favorit geltende Lewis bestreitet bereits seinen 14. WM-Kampf und zweifelt natürlich nicht an seiner Titelverteidigung.

"Tua hat Qualitäten, dennoch ist er in allen Belangen unterlegen", meinte der Rasta-Mann gelassen. Trainer Emanuel Steward sieht der Auseinandersetzung nicht ganz so unbekümmert entgegen: "Lennox muss enorm auf der Hut sein. Tua besitzt einen Punch, der tödlich sein kann." Mit seinem gefürchteten linken Haken, den er als kleiner Junge durch ständiges Grasmähen mit einer Machete entwickelte, hat der tiefgläubige Außenseiter immerhin 32 seiner 38 Gegner vorzeitig auf die Bretter geschickt. Ehrfurchtsvoll bezeichnet Steward deshalb den Haudrauf, der nach seinem dritten Rang bei den Olympischen Spielen 1992 zu den Profis wechselte, auch als "neuen Mike Tyson". Der Ex-Weltmeister vermutet derweil, das Tua unterschätzt wird. "Tut Lewis das, erlebt er sein blaues Wunder", prophezeit Tyson.

Sollte Lewis, der eine Börse von zehn Millionen Dollar kassiert, tatsächlich entthront werden, wäre das eine kleine Sensation - was allerdings Tua, der vier Millionen Dollar einstreicht, anders sieht. Für den seit dem siebten Lebensjahr boxenden Fleischberg gibt es klare Erfolgsgründe: "Lennox ist ein netter Bursche und ein guter Fighter. Doch nun ist meine Zeit gekommen. Es ist mein Schicksal und es wird sich erfüllen. Ich bin über sieben Jahre jünger, ich bin ein besserer Kämpfer, als alle anderen, gegen die er antrat, und ich bin mehr auf den Sieg fixiert. Ich bin einfach hungriger."

Ein Triumph des 27-jährigen, der sich in Las Vegas auf den "Kampf seines Lebens" vorbereitete, wäre "ein Segen" für das skandalträchtige Profiboxen, betonte dessen Promotor Dan Goossen. "Denn das Geschäft braucht einen frischen Atem. Mit seiner Persönlichkeit wäre David der perfekte Heilsbringer." Wie das Management von Lewis hat auch Goossen über den WM-Vergleich hinaus noch nichts Konkretes geplant. "Wenn wir gewinnen, steht uns ohnehin die Welt offen", frohlockt der umtriebige Amerikaner.