Box-WM Witalij rächt seinen Bruder
Los Angeles - Anfangs schien es, als wollten sich die beiden Boxer nur die Hände reichen - beide hatten mächtig Respekt voreinander. Aus Klitschkos Sicht zunächst auch zu Recht, denn Ende der ersten Runde traf ihn eine hammerharte Linke des blitzschnellen Südafrikaners am Kinn, die ihn ordentlich durchrüttelte.
Die gut 17.000 Zuschauer im Staples Center in Los Angeles fühlten sich schon an den Kampf von Wladimir Klitschko gegen Sanders vor 13 Monaten in Hannover erinnert. Eben solch eine Aktion war der Anfang vom Ende von Witalij Klitschkos jüngerem Bruder Wladimir, der damals kurz nach dem ersten Treffer endgültig ausgeknockt wurde.
Doch "Doktor Faustus" machte es besser, er floh, klammerte, hielt und rettet sich über die Runde. Anschließend kam Klitschko immer besser in Schwung, wich Sanders' gefährlichen Kontern aus, traf selbst immer wieder und ließ sich gelegentlich auf einen offenen Schlagabtausch ein. Mit jeder Runde wurde Sanders, der Polizist aus Südafrika und passionierte Golfspieler, müder, ohne aber auf seine überfallartigen Attacken zu verzichten.
Dennoch musste er schwere Treffer einstecken, blutete aus Nase, Mund, wankte durch den Ring, bis er in einen Hagel von Schlägen Klitschkos geriet. Ringrichter Jon Schorle machte dem Kampf nach 2:46 Minuten der 8. Runde ein Ende. Witalij Klitschko ist nun Weltmeister der WBC, dem anerkanntesten der vier Boxverbände. Von Juni 1999 bis März 2000 war er bereits WBO-Champion.
"Ich habe ihn etwas unterschätzt", gestand Klitschko nach seinem 34. Sieg im 36. Profikampf. "Er ist wirklich ungewöhnlich schnell und hat so viel eingesteckt." Sanders musste zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht werden und konnte nicht an der nach Kämpfen üblichen Pressekonferenz teilnehmen.
Sein nächster Gegner, so wünscht sich Klitschko, soll Ex-Weltmeister Lennox Lewis sein, dem er am 21. Juni vergangenen Jahres in einem legendären Fight unterlegen war. "Ich hoffe, Lennox Lewis macht ein Comeback", sagte Klitschko. Lewis habe ihm den Kampf vor zehn Monaten versprochen. "Und Lennox Lewis ist ein Gentleman", so der Kämpfer des Hamburger Universum-Boxstalls.
Der 32-Jährige vergaß im Triumph aber auch nicht seinen jüngeren Bruder Wladimir, der vor zwei Wochen in seinem Titelfight gegen den Amerikaner Lamon Brewster jämmerlich gescheitert war. "Es ist ein Traum für mich und meinem Bruder", sagte Witalij Klitschko, "ich bin mir sicher, Wladimir wird auch Weltmeister."