Boxen: "Einfach riesig, fantastisch, toll" - DER SPIEGEL
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Boxen "Einfach riesig, fantastisch, toll"

Weltergewichtler Shane Mosley hat sich den WBC-Weltmeistertitel erkämpft. Der 28-Jährige Amerikaner entthronte in einem großen Kampf Titelverteidiger Oscar de la Hoya über zwölf Runden durch einen 2:1-Punktrichterentscheid.
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Los Angeles - Große Showstars, noch größerer Kampf: Vor den Augen unzähliger Hollywood-Prominenz und von Muhammad Ali lieferten sich Titelverteidiger Oscar de La Hoya und Shane Mosley in ihrer Heimatstadt Los Angeles einen Weltmeisterschaftskampf, der die Beobachter noch lange bewegen wird. Das Duell der weltbesten Weltergewichtler bot in der Nacht zum Sonntag vor 21.000 Zuschauern im Staples Center über zwölf Runden alles, was den Boxsport so faszinierend macht. Mit "Sugar" Shane Mosley wurde dabei ein neuer Champion des World Boxing Council (WBC) inthronisiert, der sich zu recht mit diesem Titel schmücken darf, auch wenn die Entscheidung der Punktrichter - 116:112 und 115:113 für Mosley, 115:113 für de la Hoya - nicht einstimmig ausfiel.

"Das war ein Kampf, wie man ihn leider nur ganz selten erlebt. Er war einfach riesig, fantastisch, toll, und mit Mosley hat der richtige gewonnen", schwärmte Halbschwergewichts-Weltmeister Dariusz Michalczewski, der sich gegenwärtig zu Verhandlungen zum avisierten WM-Kampf gegen Roy Jones jr. in Kalifornien aufhält. Die Herzen der Leinwandhelden wie Michelle Pfeifer, Pam Anderson, Dustin Hoffman, Sylvester Stallone oder Mel Gibson oder der Sportheroen wie Magic Johnson oder Marc McGuire oder aber auch das von Verona Feldbusch schlugen für den "Golden Boy" de la Hoya. Doch sie alle anerkannten trotz ihrer Enttäuschung, das der sechs Zentimeter kleinere Herausforderer verdient den WM-Gürtel tragen darf. Vor allem auch wegen seiner begeisternden Schlussrunde, in der Mosley 45 schwere Schläge landete, de la Hoya dagegen nur 18.

"Er hat mich überrascht. Er ist ein großer Fighter. Er ist ein wahrer Champion", räumte 2:1-Favorit de la Hoya ehrlich ein. Der Olympiasieger von 1992 versuchte wie angekündigt vom ersten Gongschlag an, seinen farbigen Kontrahenten, mit dem er seit langem befreundet ist, unter Druck zu setzen. Mosley wich aber durch seine beeindruckende Beweglichkeit und Schnelligkeit dem Schlagwirbel zumeist geschickt aus. Durch blitzartige Konterattacken - entweder als linker Jab oder rechte Gerade/Haken - landete der 28-Jährige selbst viele Treffer, die dem 15 Monate jüngeren Ex-Weltmeister in der zweiten Hälfte des Fights den Schneid abkauften. Der Linksausleger verwirrte zudem mit oftmaligem Wechsel seiner Fürhand.

"Es war ein sehr enger Kampf. Wir suchten unsere Seelen und zeigten, dass wir große Krieger sind, zwei große Krieger aus L.A.", sagte Mosley. Dem in 35 Kämpfen ungeschlagenen "Angelino" gelang es als drittem Profi in der Boxgeschichte, als Weltmeister direkt vom Leicht- ins Weltergewicht aufzusteigen. Im September hatte er nach acht Titelverteidigungen den Gürtel des Weltverbandes IBF niederlegt, um zwei Kategorien höher gegen den Stadtrivalen antreten zu können. Als sie elf und zwölf Jahre alt waren, hatten sie sich erstmals im Ring gegenüber gestanden, wobei Mosley gewann. 1992 sparrten sie noch einmal etwa 60 Runden. Die Quälerei lohnte sich, denn de la Hoya wurde in Barcelona Olympiasieger im Leichtgewicht.

Auf dem Papier ist das Rematch bereits paraphiert. Laut Vertrag muss Mosley, der mit 4,5 Millionen Dollar die höchste Börse seiner Karriere kassierte, bei einem Sieg sofort noch einmal gegen de la Hoya antreten. Geplant sei der Fight für November. Doch ob sich der Verlierer darauf einlässt ober aber seine Laufbahn beendet, sei offen. "Die Chancen stehen 50:50", sagte de la Hoya-Manager Bob Arum, dessen Klient vor neun Monaten gegen Felix Trinidad (Puerto Rico) im 33. Kampf die erste Niederlage hinnehmen musste. Als Trost für die zweite Niederlage bleiben ihm 15 Millionen Dollar als Arbeitslohn.