Fotostrecke: Mit der Holzhucker-Methode
Huck-Sieg im Cruisergewicht Genugtuung für Mister Größenwahn
Einmal Experte, immer Experte - und dann bitteschön auch für alle Sportarten. Sechs Runden hatte der "Fußball-Guru" im derzeitigen Ruhestand, Felix Magath, dabei zugesehen, wie sich Marco Huck und Firat Arslan bearbeiteten, bis Huck die Angelegenheit durch technischen K.o. beendete. Magaths Urteil konnten sich in der Halle wohl alle anschließen: Der Richtige hat gewonnen.
"Ich freue mich für meinen Freund Ulli Wegner, dass Marco so stark geboxt hat", sagte der Fußballtrainer SPIEGEL ONLINE. "Auch wenn er technisch nicht der Beste ist, hat er einen starken Fight geliefert und verdient gesiegt."
In der Tat machte "Mr. Größenwahn" Huck einen der besten Kämpfe seiner bisherigen Karriere. Faulheit, Arroganz, die Lust am Dolce Vita - von all dem, was man ihm zuweilen nachsagt, war in dieser Nacht von Stuttgart im Ring nicht viel zu spüren. Hochkonzentriert und perfekt von Wegner eingestellt zeigte er dem "Koloss aus Schwaben" Arslan die Grenzen auf.
Ein Schlag, der alles beendet
Schnell war klar: Das zurückliegende Weihnachten und Neujahr hat dieser Mann nicht auf der faulen Haut verbracht, top-austrainiert und motiviert wirkte der Cruisergewichts-Champion, der seinen Gürtel bereits zum 12. Mal in Serie verteidigte.
Arslan, der sich im ersten Kampf der beiden 2012 von den Ringrichtern betrogen gefühlt hatte, kam diesmal nie richtig in den Kampf hinein. Das Duell "Gut gegen Böse" blieb zum größten Teil einseitig, auch wenn die 11.000 Zuschauer die ausverkaufte Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle zu einem Hexenkessel machten und ihren Liebling Arslan immer wieder nach vorne peitschten. Das Ende kam in Form eine brutalen Schwingers von Huck, den Arslan "einfach nicht hat kommen sehen". Es war die berühmte eine Sekunde im Boxen, die Arslan die wohl letzte Chance auf eine große Karriere verbaute.
Es war spät in der Nacht geworden, als in den Katakomben der Arena ein gutgelaunter und nahezu dellenfreier Huck im gestärkten Designerhemd das Wort ergriff. "Dieser Kampf wird in die Geschichte eingehen", schwadronierte er da schon wieder in gewohnter "Ich bin ein Star"-Manier. Zwei Meter neben ihm saß der sichtlich ramponierte Arslan und man musste fast befürchten, dass Hucks Worte bei ihm einen zweiten K.o. auslösen. "Es kann nur einen geben" - "Highlander" Huck präsentierte sich auch nach dem Kampf in großer Form. Von "Hass und Liebe" sprach er da, und bei diesen Worten kamen seinem Coach Wegner daneben fast die Tränen.
"Am besten trainiert man mit ihm alleine"
Der wusste nur zu genau, dass dieses Revancheduell auch anders hätte enden können. "Das war heute etwas ganz Besonderes", so Wegner. Er hatte im Vorfeld mal wieder jede Menge Arbeit, seinem Schützling die nötige Konzentration zu verordnen. "Am besten man trainiert mit ihm alleine" - die Erfolgsformel Wegners.
Glücklich waren natürlich auch die Vermarkter im Hintergrund. Promoter Kalle Sauerland sah in Huck an diesem Abend einen "Krieger". "Wenn Marco einmal losgelassen ist, stoppt ihn niemand", so Sauerland. Eine "große Zukunft" warte jetzt auf ihn. Fragt sich nur, wo? Huck jedenfalls hat seinem Trainer kurzerhand schon einmal ein Versprechen abgegeben: "Ich werde Schwergewichts-Weltmeister!"
Und auch Wegner selbst wagte sich ungewöhnlich weit nach vorne. Bis Anfang nächsten Jahres soll Huck den Titel in der "Königsklasse des Boxsports" innehaben. Einen Versuch hatte Huck schon unternommen. Gegen den Russen Alexander Powetkin scheiterte er nur knapp. Huck bleibt Huck - er wird es noch einmal versuchen.
Und Arslan? Dessen Karriereende naht. "Als Freund rate ich Firat aufzuhören", sagte Veranstalter Wilfried Sauerland zum Abschluss. Arslan litt. An einem Abend, der eigentlich zu seinem hätte werden sollen.