Boxen: Klitschko fordert Tyson - DER SPIEGEL
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Boxen Klitschko fordert Tyson

Nach seinem Blitz-K.o. im Kampf gegen Orlin Norris will Witalij Klitschko jetzt endlich wieder einen ernst zu nehmenden Gegner.
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München - Der Becherhagel der Fans in der Münchner Rudi-Sedlmayer-Halle aus Protest über einen fragwürdigen Schwergewichtskampf um die Internationale WBA-Meisterschaft hatte längst geendet, da hatte K.o.-Sieger Witalij Klitschko den Glauben an sich und seine Leistungsfähigkeit wieder gefunden.

"Jetzt habe ich es den Kritikern in den USA gezeigt und hoffe, dass ich bald einen WM-Kampf bekomme." Und der 2,02-Meter-Mann aus der Ukraine hat eine ziemlich klare Vorstellung, wer ihm zum letzten noch fehlenden Quäntchen Reputation verhelfen könne. "Mike Tyson hat den größten Namen der Welt. Schon als Junge habe ich mir all seine Kämpfe angeschaut. Ihn will ich besiegen - noch in diesem Jahr."

Als die Hölle los brach

Am Samstagabend im Ring gegen Norris gab Klitschko sein Bestes, doch die Frage, ob dies auch gegen einen Tyson reichen würde, konnte nicht beantwortet werden, weil sein 35-jähriger Gegner die Bezeichnung Gegner einfach nicht verdient hatte. Nach 36 Sekunden war Ex-Champion Norris erstmals am Boden, nach 111 Sekunden dann das zweite und letzte Mal. Während Klitschko den Amerikaner aufforderte, weiter zu boxen, blieb der liegen, im sicheren Bewusstsein 250.000 Mark verdient zu haben. Witalij wurde zum K.o.-Sieger erklärt. Dann brach in der Halle die Hölle los.

"Norris hatte Angst"

Norris wurde von aufgebrachten Zuschauern, die bis zu 1000 Mark für eine Karte bezahlt haben, beschimpft und mit Bierbechern beworfen. Nachdem er unmittelbar nach dem Kampf von Magenproblemen gefaselt hatte, verließ er nach der Dopingkontrolle fluchtartig den Ort des Geschehens.

"Norris hatte Angst. Er wollte nicht weiter kämpfen und hat gekniffen. Leider konnte ich mich nicht präsentieren. Es tut mir leid für die Zuschauer", entschuldigte sich Klitschko. Sein Promoter Klaus-Peter Kohl wollte Norris "am liebsten wieder in den Ring zerren". Eine Chance, dem Amerikaner die Börse zu sperren, sah er nicht: "Sonst kommt keiner mehr nach Deutschland, weil es heißt: Wir werden getroffen und kriegen kein Geld."

Kovac will Naseem

Das boxerische Highlight erlebten die Zuschauer am Samstag ohnehin im WM-Kampf des Federgewicht (WBO-Version) zwischen dem für den Hamburger Boxstall Universum antretenden Ungar Istvan "Koko" Kovacs und Antonio Diaz (Dominikanische Republik). Kovac erfüllte sich seinen "Lebenstraum", schlug seinen Gegner durch technischen K.o. in der zwölften und letzten Runde und wurde damit erster ungarischer Profiweltmeister. Jetzt will der 30-Jährige gegen das größte Kleinkaliber der leichteren Klassen ran, gegen den Briten "Prince" Naseem Hamed. "Egal, wo - von mir aus auch in seinem Wohnzimmer", tönte Kovacs.