Boxen Klitschko ist Weltmeister
Mannheim - Der 30-Jährige Klitschko bot ein taktisch ausgezeichnetes Gefecht und ließ dem Weltmeister des am höchsten angesehenen Boxverbandes IBF vor 14.000 Zuschauern in der ausverkauften Halle in Mannheim keine Chance. Bereits in der fünften Runde hatte er Byrd am Boden, gegen den er im Oktober 2000 nach einem Punktsieg in Köln WBO-Weltmeister geworden war.
Bestenfalls die erste Runde war ausgeglichen, danach beherrschte der einen halben Kopf größere Klitschko den Kampf. Mit der Linken hielt er den Amerikaner aus Las Vegas auf Abstand, mit der Rechten suchte er die Lücken in der Verteidigung des Weltmeisters. Die fand Klitschko immer häufiger, je länger der Kampf dauerte. In der fünften Runde schickte er Byrd, der mit der ganzen Familie nach Deutschland gereist war, zu Boden. Der 35-Jährige kam noch mal auf die Beine und überstand ein wahres Trommelfeuer an Schlägen des Ukrainers. Byrds kleiner Sohn am Ringrand brach in Tränen aus.
Doch in der siebten Runde traf ihn erneut eine krachende Rechte. Zwar kam der blutende Champion noch einmal hoch, der Ringrichter brach das Gefecht ab.
"Das ist der Tag der Tage in meiner sportlichen Karriere. Ich bin sehr stolz", jubelte der neue Weltmeister Klitschko nach dem Kampf. Ab der dritten Runde "habe ich gewusst, dass ich den Kampf für mich entscheiden werde", sagte der 2 Meter große und 109,3 Kilo schwere Herausforderer. "Ich habe nie in den Fight hineingefunden", ärgerte sich Byrd. "Klitschko hat alles richtig gemacht."
Klitschko blieb damit zum 46. Mal in seinem 49. Profikampf siegreich. Der Olympiasieger von 1996 hatte seinen WBO-Gürtel am 8. März 2003 in Hannover durch eine schwere K.o.-Niederlage gegen Corrie Sanders (Südafrika) verloren. Er war auch bei seinem Versuch gescheitert, sich den Titel am 10. April 2004 gegen Lamon Brewster zurückzuholen, als er ebenfalls vorzeitig verlor. Der Ruf des "kleinen Klitschko", dessen Bruder Witalij als Weltmeister der WBC wegen einer schweren Knieverletzung zurücktreten musste, hatte durch die beiden Niederlagen sehr gelitten. Nun gilt er angesichts der schwachen Konkurrenz als stärkster Weltmeister im Schwergewicht.
Byrd hatte den IBF-Titel durch einen Punktsieg gegen Evander Holyfield im Dezember 2002 errungen und seitdem viermal erfolgreich verteidigt. Der 35 Jahre alte Rechtsausleger aus Las Vegas konnte aber in seinen letzten beiden Kämpfen nicht mehr überzeugen. Er musste gegen Klitschko die dritte Niederlage seiner Laufbahn hinnehmen, einmal boxte er Unentschieden und gewann 39 Mal.
Byrd kassierte für den Kampf in Mannheim seine Rekordbörse von 4,5 Millionen Dollar. Klitschko musste sich mit 1,5 Millionen zufrieden geben. Das wird sich bei den nächsten Kämpfen ändern.
rüd/sid/dpa