Boxen: Klitschko kämpft ums Niveau - DER SPIEGEL
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Boxen Klitschko kämpft ums Niveau

"Dr. Steelhammer" will das Jubiläum schaffen: Zwei Wochen nach dem Skandal-Kampf seines Bruders Vitali steigt nun Wladimir Klitschko in den Ring. Gegen Herausforderer Jean-Marc Mormeck aus Frankreich ist der 35-Jährige nun um mehr Niveau bemüht - und um seinen 50. K.o.-Sieg.
Wladimir Klitschko (l.), Mormeck (r.): Schafft der Champion seinen 50. K.o.-Sieg?
Wladimir Klitschko (l.), Mormeck (r.): Schafft der Champion seinen 50. K.o.-Sieg?

Wladimir Klitschko (l.), Mormeck (r.): Schafft der Champion seinen 50. K.o.-Sieg?

Foto: Martin Meissner/ AP
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Hamburg - Keine Ohrfeigen, keine Spuckattacken - das offizielle Wiegen vor dem Kampf von Wladimir Klitschko gegen Jean-Marc Mormeck war fast schon langweilig, verglichen mit den Skandalauftritten rund um den Kampf von Wladimirs Bruder Vitali Klitschko gegen Dereck Chisora vor zwei Wochen.

"Mormeck ist nicht aus demselben Holz geschnitzt wie Chisora oder Haye", sagte Wladimir Klitschko vor seinem WM-Kampf gegen den Franzosen am Samstag (23 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in der Düsseldorfer Arena. Die Äußerung ist durchaus als Lob zu verstehen. Denn in München hatte der Brite Chisora zunächst Vitali geohrfeigt, dann Wladimir Klitschko ins Gesicht gespuckt und sich später mit Ex-Champion David Haye geprügelt.

"Wir wollen für Niveau sorgen", verspricht der mit 35 Jahren jüngere Klitschko den 50.000 Zuschauern in der ausverkauften Fußball-Arena. So ganz friedlich soll es aber nicht zugehen. Immerhin hat Mormeck gedroht, er werde Klitschko "das Gesicht zerschmettern".

Mormeck: "Ich bin ein Krieger im Ring"

Klitschko, Champion der Verbände WBO, IBF und WBA, arbeitet gleich drei Jubiläen am Stück ab: 60. Profi-Kampf, 20. WM-Duell - und möglichst den 50. K.o.-Sieg. Dass er seine Gürtelsammlung verlieren könnte, ist unwahrscheinlich. Viele Experten erwarten einen schnellen Sieg Klitschkos. Mormeck ist vier Jahre älter als der Ukrainer, 17 Zentimeter kleiner und rund 13 Kilogramm leichter. Lediglich drei Kämpfe absolvierte der frühere Cruisergewichts-Champion im Schwergewicht. 2007 hatte er schon mit dem Boxen aufgehört, 2009 war er wieder da, nur schwerer. Insgesamt kommt er auf 36 Siege in 40 Profi-Kämpfen, bei WBA und WBC ist er die Nummer zehn der beiden Weltranglisten.

Mormeck brennt darauf, erster Schwergewichts-Champion seines Landes zu werden. "Ich habe die Kraft, es zu schaffen, denn ich bin ein Krieger im Ring", sagt der im französischen Überseedépartement Guadeloupe Geborene. Und Klitschko selbst weiß: "Es ist schwerer, einen kleineren Gegner zu treffen als einen großen."

Auch Box-Funktionär und Experte Jean-Marcel Nartz traut dem Herausforderer zu, dem großen Favoriten zumindest zu Beginn Probleme zu bereiten. "Mormeck beherrscht den Nahkampf. Das ist ein wunder Punkt bei den Klitschkos", so Nartz, Vorstandsmitglied des Europäischen Verbands EBU. Eine echte Chance räumt er Mormeck aber nicht ein: "Es wird sich die größere Physis von Wladimir durchsetzen."

Seit 15 Monaten stand der schnelle Franzose nicht mehr im Ring. Ob er dennoch mithalten kann ist fraglich. Immerhin schaffte er, was Klitschko versagt geblieben ist: Er schickte einst Haye kurzzeitig auf die Bretter. Verloren hat er den Kampf dennoch - durch K.o.

luk/dpa