Boxen: Sturm bejubelt Comeback-Triumph - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Box-Comeback: Showdown im "Wohnzimmer"

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Boxen Sturm bejubelt Comeback-Triumph

Furioses Comeback nach 14 Monaten Auszeit: Boxer Felix Sturm hat gegen Giovanni Lorenzo seinen WBA-Weltmeistertitel verteidigt und dabei eine starke taktische Leistung gezeigt. Nach dem einstimmigen Punktsieg erklärte er die Kölner Arena kurzerhand zu seinem "neuen Wohnzimmer".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Um kurz vor Mitternacht wussten die 13.000 Zuschauer in der Kölner Arena, dass Felix Sturm auch das Jubeln nicht verlernt hat. Beide Fäuste stemmte er in den Konfettiregen, kurz darauf schnappte er sich das Mikrofon und plauderte drauflos: "Ich träume seit zehn Jahren von einem Kampf in Köln. Besser geht es nicht. Das ist mein neues Wohnzimmer."

Dass Sturm trotz 14-monatiger Ring-Auszeit nichts von seinen Fähigkeiten als Boxer eingebüßt hat, hatten zuvor die zwölf Runden des Weltmeisterkampfs im Mittelgewicht nach Version der WBA gezeigt. Sturm verteidigte seinen Titel gegen Giovanni Lorenzo souverän, lieferte eine taktisch starke Leistung - und brachte den selbst als K.o.-König bekannten Gegner mehrfach an den Rand des Knockouts. Am Ende siegte er einstimmig nach Punkten (117:111, 117:111, 118:111).

"Felix ist ein großer Champion. Ich musste viele Prügel einstecken", sagte Lorenzo nach dem Kampf, in dem er erst die dritte Niederlage seiner Karriere hinnehmen musste.

Dabei hatte Sturm den ersten Ring-Einsatz unter Wettbewerbsbedingungen seit dem 11. Juli 2009 eher verhalten begonnen. In Runde eins beschränkte sich der Gastgeber, ebenso wie sein zunächst äußerst flinker Kontrahent, auf aggressives Abtasten. Besonders in den letzten Sekunden konnte sich Sturm jedoch leichte Vorteile erarbeiten.

Die folgenden Runden zeigten, dass Sturm trotz der langen Pause wenig von seiner taktischen Finesse eingebüßt zu haben scheint. Immer wieder ließ er den Gegner zwar kommen, wich dessen Schlagversuchen aber gekonnt aus. Selbst konnte Sturm in der vierten Runde eine Rechte ins Ziel bringen, Lorenzo war nicht schnell genug abgetaucht. Schon zu diesem Zeitpunkt schwankte der Boxer aus der Dominikanischen Republik leicht.

Topform trotz der langen Pause

Alles Sorgen um Sturms körperliche Verfassung vor dem Kampf erwiesen sich als unbegründet, dieser zeigte sich im Ring fit und austrainiert. Und mit einer Extraportion Selbstvertrauen ausgestattet: "Im Sport gibt es das Wort unbesiegbar nicht. Aber ich glaube, ich bin nahe dran", hatte er noch vor dem Kampf getönt. Die Topform sei vor allem Resultat der Arbeit mit dem neuen Trainer Fritz Sdunek.

Vom K.o.-Sieg, den er im Vorfeld für die sechste Runde versprochen hatte, war Lorenzo zu diesem Zeitpunkt weit entfernt. Stattdessen war es wieder Sturm, der nach der Hälfte der Kampfdistanz mit guten Treffern punkten konnte. Wie schon mehrfach zuvor zeigte er auch hier kurz vor dem Rundenende seine besten Aktionen.

Die Zuschauer forderten nun lautstark den Niederschlag des Gegners. Doch obwohl Sturm immer wieder nachsetzte und Lorenzo nun deutlich gezeichnet war, gingen beide Boxer über die volle Distanz.

Erster Auftritt als Promoter und Hauptattraktion

Mit der guten Leistung gegen Lorenzo startet Sturm erfolgreich in seine neue Karriere als Boxvermarkter und Hauptattraktion in Personalunion. Nach seiner auf gerichtlichem Wege durchgesetzten Trennung von Universum Box Promotion bewirbt sich Sturm selbst und tritt auch als sein eigener Veranstalter auf. Mit einem ähnlichen Geschäftsmodell operieren die Schwergewichtsweltmeister Vitali und Wladimir Klitschko seit Jahren sehr erfolgreich.

Die erstrittene Freiheit war für Sturm jedoch nicht billig, eine knappe Million Euro soll die Einigung mit Universum gekostet haben. "Das ist der wichtigste Kampf meines Lebens. Eins ist klar: Jetzt kämpfe ich für mich und für meine Familie", so Sturm im Vorfeld des Duells.

jok

Mehr lesen über