Boxerin Ina Menzer: Rückkehr in den Ring
Boxerin Menzer Die letzte Chance
26 Siege in 26 Profikämpfen, dazu drei Weltmeistertitel: Die Bilanz von Ina Menzer war bis zum 3. Juli 2010 perfekt. Doch dieser Abend änderte für die damals 29-Jährige sportlich alles: Menzer verlor nicht nur den Kampf gegen die Kanadierin Jeannine Garside eindeutig nach Punkten, sondern auch ihre Weltmeistertitel im Federgewicht der Verbände WIBF, WBC und WBO. Es war der Knick in der Box-Karriere der Ina Menzer.
"Ich hatte mental lange damit zu kämpfen", sagt die 1,68 Meter große Boxerin, die am Freitag nach drei Aufbaukämpfen erstmals wieder um einen Titel kämpft. "Darauf habe ich 18 Monate hingearbeitet", blickt sie mit Vorfreude auf den Fight um die WBO-Europameisterschaft gegen die Ungarin Renata Domsodi in Hamburg.
Die 31-Jährige ist bereit, noch einmal anzugreifen, auch wenn es vorerst nur um einen EM-Titel geht. "Wenn ich dort gewinne, kann ich vielleicht bald schon wieder um eine Weltmeisterschaft kämpfen." Für Menzer ist es die letzte Chance, noch einmal die Spitze des Frauen-Boxens zu attackieren. Im Falle eines Sieges gegen Domsodi müsste sie zunächst auf einen WM-Kampf hoffen. Diesen zu bekommen und dann auch noch zu gewinnen, wären die nächsten beiden Schritte.
Nach ihrer einzigen Niederlage als Profiboxerin war von Menzer in der Öffentlichkeit fast zwei Jahre lang kaum noch etwas zu hören oder zu sehen. Dies hätte aber weniger sportliche, als viel mehr organisatorische Gründe gehabt: "Der Vertrag mit unserem TV-Partner lief aus, deshalb habe ich mir den schlechtesten Zeitpunkt zum Verlieren ausgesucht", sagt Menzer. "Man braucht einen großen Partner für die großen Kämpfe. Bei Regina Halmich war das alles noch ein wenig anders. Sie war praktisch eine Box-Pionierin."
Umstellung durch Trainerwechsel
Auch Menzers EM-Kampf am Freitag wird ohne einen großen Fernsehpartner auskommen müssen. Er wird auf dem regionalen Fernsehsender Hamburg1 und im Live-Stream des Boxportals "www.figosport.de" zu sehen sein. Dennoch blickt Menzer mit Vorfreude auf das Duell: "Ich habe mich sehr gut vorbereitet. Jetzt muss ich noch im Kampf einen kühlen Kopf bewahren." Vor allem die Erfahrung spricht dabei für die Deutsche: In Menzers Kampfrekord stehen 30 Kämpfe (29 Siege), Domsodi stand als Profi-Boxerin bislang elfmal im Ring (neun Siege), verlor aber auch bereits zweimal.
Die Vorbereitung auf den Kampf verlief für Menzer allerdings "anders als die Male zuvor". Ihr neuer Trainer Anthony Brooks lege "sehr viel Wert auf körperliche Fitness und Kondition, nicht so sehr auf die Boxstrategie und Taktik", sagt die Boxerin, die mit ihrem neuen Coach direkt zu Beginn aneinander geriet: "Er wollte alles umstellen. Ich sollte jeden Tag acht Stunden trainieren - da bin ich auf die Barrikaden gegangen", sagt Menzer, die beim Universum-Boxstall unter Vertrag steht. "Es war gut, dass diese Eskalation direkt am Anfang passiert ist. Jetzt verstehen wir uns deutlich besser, auch wenn es schon eine große Umstellung war." Zuvor trainierte Menzer jahrelang unter Michael Thimm, der den kriselnden Universum-Boxstall aber aus sportlichen Gründen verlassen hatte.
"Und heute lache ich"
Am Freitag wird sich zeigen, wie sehr die Chemie zwischen neuem Trainer und Boxerin stimmt. Neben ihrer Mutter werden dann auch ihre Brüder wieder beim Kampf dabei sein. Die Zwillinge hatten großen Einfluss auf Menzers Box-Karriere: "Ich habe mich zwar schon immer für Kampfsport interessiert, aber erst als meine Brüder mich zum Boxen mitgenommen haben, wusste ich, dass genau das der richtige Sport für mich ist."
Für Menzer war es als Frau vor allem am Anfang ihrer Box-Karriere dabei nicht immer einfach war. "Ich wurde teilweise ausgelacht. Nicht von anderen Boxern, die haben mich immer ernst genommen, aber von anderen Menschen aus meinem Umfeld". Diese Stimmen ließ Menzer allerdings schnell verstummen: "Wer zuletzt lacht, lacht am besten - und heute lache ich", sagt sie. Hoffentlich kann sie das nach dem Kampf am Freitag auch noch behaupten.