British Open Sensation durch Ben Curtis
Sandwich - "Das ist für mich ein Traum, niemals habe ich mit so etwas gerechnet. Unfassbar", sagte Last-Minute-Qualifikant Ben Curtis nach seinem sensationellen Triumph im englischen Sandwich. Der 26-jährige US-Amerikaner aus Columbus/Ohio, der sich erst vor zwei Wochen mit Platz 13 bei der Western Open in Lemont/Illinois für das älteste Turnier der Welt qualifiziert hatte, holte sich mit 283 Schlägen die begehrte "Claret Jug", die silberne Rotweinkanne für den Sieger.
1991 hatten der Australier Ian Baker-Finch bei der British Open sowie der US-Amerikaner John Daly als neunter Ersatzstarter bei der US-PGA-Champion als krasse Außenseiter gewonnen. Für seinen Sieg mit einem Schlag Vorsprung vor dem Duo Thomas Björn (Dänemark) und Vijay Singh (Fidschi) erhält Curtis einen Scheck in Höhe von 1,01 Millionen Euro, rund 1,13 Millionen Dollar. In diesem Jahr war er zuvor mit 195.689 Dollar nur die Nummer 142 der US-Geldrangliste und hat insgesamt seit 2000 erst 15 Turniere auf der US-Tour gespielt. Gemeinsame Vierte wurden die US-Amerikaner Tiger Woods und Davis Love III mit jeweils 285 Schlägen.
Ben Curtis nutzte im Royal St. Georges Golf Club die Gunst der Stunde, denn auf der mit Spannung erwarteten Schlussrunde mir einem Showdown der Großen des Sports zeigten die Favoriten Schwächen. Aber auch er selbst schien einer der großen Verlierer zu werden. Zwischenzeitlich lag er mit zwei Schlägen in Führung, doch dann ließen ihn vier Bogeys an den letzten sieben Löchern scheinbar aussichtslos zurückfallen.
Zu denen, die den möglichen Sieg aus der Hand gaben, zählte auch Tiger Woods. Der Weltranglistenerste, der seine zweite "Open" nach dem Triumph 2000 im schottischen St. Andrews anpeilte, startete hoffnungsvoll mit drei Birdies, büßte aber postwendend wieder zwei Schläge ein. Seine letzte Chance büßte er am 17. Loch ein, an dem er erneut einen Schlagverlust hinnehmen musste. Damit wartet Woods seit den US Open 2002 auf seinen insgesamt neunten Major-Sieg.
Zu einem der tragischen Helden wurde auch Thomas Björn, der bis zum 15. Loch wie der sichere Sieger aussah. Doch mit einem Doppel-Bogey an der 16 sowie einem weiteren Bogey an der 17 fiel der 32 Jahre alte Ryder-Cup-Spieler wieder hinter Ben Curtis zurück, der das Geschehen in der Zwischenzeit im Clubhaus verfolgte, ehe er sich auf der Driving Range für ein eventuelles Stechen vorbereitete.
Der einzige deutsche Teilnehmer, der Anhausener Bernhard Langer, war am Freitag um zwei Schläge am Cut gescheitert. Damit musste der 45-Jährige bei seiner 26. Teilnahme an der "Open" zum fünften Mal vorzeitig abreisen.