Bundestrainer Hagen Stamm: Der Wasserball-Prediger - DER SPIEGEL
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Bundestrainer Hagen Stamm Der Wasserball-Prediger

Sein Sportlerleben lang kämpft er für die öffentliche Akzeptanz des Wasserballs, und ab Sonntag als Bundestrainer um eine gute Olympia-Platzierung. Helfen soll Hagen Stamm dabei sein Sohn Marko. Doch die Nominierung des 19-Jährigen ist nicht unumstritten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hagen Stamm ist eine deutsche Sportlegende. Vierzehn Mal in Folge Deutscher Meister, zwölf Pokalsiege, vier Triumphe im Europacup der Landesmeister mit Spandau 04, mit der deutschen Nationalmannschaft zweimal Europameister, WM-Dritter, Olympiadritter. Seit 2000 ist Stamm Bundestrainer und holte in Athen 2004 einen ziemlich beeindruckenden fünften Platz. Und nun unsere Quizfrage: In welcher Sportart eigentlich?

Wasserball-Familie: Sohn Marko schwimmt nicht weit vom Stamm

Wasserball-Familie: Sohn Marko schwimmt nicht weit vom Stamm

Foto: DPA

Es ist eine der angenehmen Begleiterscheinungen von Olympischen Spielen, dass Legenden wie Stamm wenigstens alle vier Jahre ins Licht der Öffentlichkeit treten können und so ausgeleuchtet werden, wie sie es verdienen. Die dann ein Podium bekommen, um entweder mit den Armen zu rudern und ganz laut zu rufen, dass auch anderswo als im Fußball oder Handball gute Arbeit geleistet wird. Oder um Witze zu reißen wie Hagen Stamm, der sich über die gute Stimmung bei seinen Spielern freut. Hagen Stamm ist übrigens Wasserball-Bundestrainer.

Seine Jungs sind seit Sonntag im Olympischen Dorf, selbstredend sei die Stimmung "seither entsprechend", berichtet Stamm, 48. Er sagt viele solche trockenen Sätze, die er alle mit einem verschmitzten Lächeln nachklingen lässt - und wenn die Pressekonferenzen aus dem Deutschen Haus live nach Deutschland übertragen würden wie die des DFB-Teams, dann wäre der Wasserball-Bundestrainer am nächsten Tag so was wie ein Star. Aber es werden keine Wasserball-Pressekonferenzen in ein Land übertragen, in dem nicht mal ein Wasserball-Spiel im Fernsehen gezeigt wird.

Im kleineren Kreis erzählt Stamm später von dem großen Potential seiner Sportart, er hat das in den vergangenen Jahren immer wieder getan, die Vision von tollen Unterwasserbildern, Rasanz, Kraft und Spannung an die Journalisten kostenlos verteilt wie Flugblätter, aber bei den Fernsehsendern hat sich niemand dafür erwärmt. Sie würden wohl selbst Fußballer beim Einkaufen zeigen als ein Wasserball-Europacupfinale. In Italien gebe es hingegen das Spiel der Woche. "Der Sportmoderator Harry Valerien hat mal gesagt, wenn Wasserballer über Wasser laufen könnten, dann wäre es eine tolle TV-Sportart", erzählt Stamm. In Athen vor vier Jahren hatte er den Spruch auch schon zitiert. Und geändert hat sich seither - nichts.

Aber es sind immerhin wieder Olympische Spiele, und der Mann, der Wasserball predigt, hat auch eine neue Geschichte mitgebracht. Die Geschichte heißt Marko, ist 19 Jahre alt und Hagen Stamms Sohn. Familiengeschichten gehen immer gut, fast so gut wie die mit Kindern oder Tieren. Schön ist sie aber nicht - denn Marko Stamm wurde nur nachnominiert, weil Steffen Dierolf, 32, kurz vor den Olympischen Spielen seine Karriere aufgrund eines Herzfehlers beenden musste. "Ein Schock", bekannte Stamm nach Bekanntwerden der Diagnose. Dierolf gilt wegen seiner 300 Länderspiele und der Position als Konterspieler gleichermaßen als unersetzlich.

Dass es Stamms Sohn traf, liegt daran, "dass Marko die Position von Dierolf am besten spielen kann, und ich musste ja positionsbezogen nominieren", sagt der Bundestrainer. Das soll wohl auch heißen, dass Marko Stamm nicht dabei ist, weil der Vater der Coach ist, sondern trotzdem. Wasserballer sind Fußballern sehr ähnlich, es gibt Befindlichkeiten wegen der Vereinszugehörigkeit, es gibt Lieblingsmitspieler. Und es gab, das kann als sicher gelten, auch Kritiker der Entscheidung des Vaters für den Sohn. Dass Marko für sein Alter ein "derart ausgeprägtes Selbstbewusstsein" habe, "so gut, unbedarft und frech" sei und einfach ins Wasser springe und spiele - das erwähnt Hagen Stamm in einem Nebensatz.

Am Sonntag startet die deutsche Wasserball-Nationalmannschaft gleich mit dem Spiel gegen Serbien in das olympische Turnier. Serbien ist einer der Top-Favoriten unter den zwölf Teilnehmern. Auch Ungarn und Kroatien zählt Stamm zu diesem Kreis. Unter die besten Acht zu kommen, wäre da schon ein großer Erfolg, aber Hagen Stamm träumt davon, den fünften Platz von Athen zu verteidigen. Sein Sohn, der noch zu Hause wohnt und im Olympischen Dorf im Nebenzimmer ("er steht unter höchster Kontrolle"), soll "in dem einen oder anderen Spiel helfen".

Marko ist noch jung, seine Zeit wird kommen. Vielleicht schon jetzt, vielleicht später. "Immerhin hat kein anderer Wasserballer auf der Welt diesen Vorteil: Keiner weiß wie sein Vater, welches Potential er noch hat", sagt Stamm. Und behält Genaueres für sich.