Chaos bei Coast Ullrich-Team erneut suspendiert
Hamburg - "Retten kann die Situation nur Herr Dahms, der wohl leider der UCI nicht die Wahrheit gesagt hat", sagte Coast-Teamleiter Wolfram Lindner. Auch Rudy Pevenage, Ullrich-Freund und sportlicher Leiter bei Coast, sieht den Chef des Rennstalls in der Pflicht: "Das Ganze ist das Problem von Günther Dahms. Ich bin so enttäuscht, dass ich zur weiteren Entwicklung vorerst nichts sagen kann."
Am Donnerstagnachmittag hatte das Team Coast von der UCI ein Fax mit folgendem Wortlaut erhalten: "Wir informieren Sie davon, dass das Trace Team Coast mit sofortiger Wirkung suspendiert ist. Es geht um nicht bezahlte Gehälter im April." In einer UCI-Pressmitteilung vom Donnerstagabend hieß es: "Diese Lage beweist leider, dass die Strukturprobleme des Teams sehr ernst sind, ungeachtet der Maßnahmen, die die UCI bereits ergriffen hat, um die Interessen der Fahrer zu schützen."
Ursprünglich wollte der Essener Rennstall ohne Jan Ullrich ab Freitag an der Friedensfahrt teilnehmen. Coast-Chef Günther Dahms war am Donnerstag zu keiner Stellungnahme bereit.
"Das macht langsam keinen Spaß mehr"
Pevenage hatte schon nach der ersten Suspendierung
von Coast durch die UCI kurz vor Beginn der Saison ausdrücklich
gewarnt, falls das Hickhack kein schnelles Ende findet: "Dann
werden wir uns nach einem anderen Rennstall umsehen müssen. Wir
können Jans Ruf nicht länger beschädigen lassen."
Dahms hatte offenbar bereits Anfang der Woche das Unheil
geahnt, ohne allerdings mit dem schnellen Handeln der UCI gerechnet
zu haben. "Das alles macht langsam keinen Spaß mehr, aber der
Rennbetrieb geht weiter", sagte der Unternehmer der Tageszeitung
"Die Welt".
Wegen des lückenhaften Nachweises von Gehaltszahlungen hatte
die UCI dem Essener Radrennstall die Lizenzerteilung vor Beginn der
Saison schon einmal verweigert und erst kurz vor dem
Weltcup-Auftakt bei Mailand-San Remo wieder aufgehoben. Ullrich
hatte während seiner Doping-Sperre Mitte Januar bei Coast einen
Dreijahresvertrag bis 2005 unterzeichnet. Der Tour-Sieger von 1997
soll angeblich zwei Millionen Euro pro Jahr erhalten.
Immer wieder Gerüchte um Zahlungsunfähigkeit
Doch auch
Ullrichs Sieg bei "Rund um Köln", seinem ersten Auftritt in
Deutschland nach Ablauf der Sperre, wurde von immer neuen Gerüchten
um die angebliche Zahlungsunfähigkeit des Rennstalls überschattet.
"Die Fahrer tun mir sehr Leid. Das Ganze ist ein schwerer
Schaden für den deutschen Radsport", sagte Olaf Ludwig, Ex-Profi
und Sprecher von Ullrichs ehemaligem Arbeitgeber Team Telekom.
Ein geplantes Engagement des Ausrüsters Bianchi, das dem
Unternehmen finanziell auf die Beine helfen würde, ist bislang noch
nicht perfekt. Seit Monaten steht Bianchi laut Dahms "in den
Startlöchern", er fühle sich von dem Ausrüster allerdings "nicht
fair behandelt".