Chaos bei Coast: Ullrich vor Teamwechsel - DER SPIEGEL
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Chaos bei Coast Ullrich vor Teamwechsel

Nachdem dem Essener Radrennstall Coast zum zweiten Mal in dieser Saison die Lizenz verweigert worden ist, wächst die Kritik an Teamchef Günter Dahms. Der Weltverband UCI denkt sogar darüber nach, Coast das Startrecht für die Tour de France zu entziehen. Ein kurzfristiger Wechsel von Kapitän Jan Ullrich wird immer wahrscheinlicher.
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Hamburg - "Ich bin sehr enttäuscht von Herrn Dahms. Ich empfinde die ganze Situation als sehr schade", ließ Ullrich aus seiner Schweizer Wahlheimat Scherzingen verlauten, wo er an seinem Formaufbau arbeitet. Deutlichere Worte fand Ullrichs Manager Wolfgang Strohband: "Herr Dahms ist eine einzige Enttäuschung. Das ist vom Kopf her nicht nachvollziehbar, dass er sich nicht helfen lassen will."

Hintergrund dieser Aussage ist ein Vertrag mit Co-Sponsor Bianchi, den Dahms angeblich platzen ließ. Die Folge war, dass die Fahrer im April keine Gehälter ausgezahlt bekamen. Der Mode-Millionär gibt dem italienischen Ausrüster die Schuld dafür, weil er seine Versprechungen nicht eingehalten habe. Dem entgegnet der Sportliche Leiter Rudy Pevenage, der in die Verhandlungen mit Bianchi involviert war: "Herr Dahms soll keinen Quatsch erzählen. Wir haben gestern einen Rettungsplan vorgelegt, diesen hat er abgelehnt."

Coasts Zukunft soll am kommenden Montag entschieden werden. Das gab Coast-Chef Günther Dahms über seine Medienagentur bekannt. Über das Wochenende will er mit seinen Anwälten die finanzielle Situation klären und die weitere Vorgehensweise besprechen. Auch eine Übernahme des Rennstalls durch Bianchi ist im Gespräch.

Die UCI entzog Coast zum zweiten Mal in diesem Jahr die Lizenz. "Wir wollen von Coast nicht mehr Bankgarantien für den laufenden Monat, sondern für das ganze Jahr. Kann Dahms dies nicht vorlegen, bleibt das Team gesperrt. Das ist jetzt nicht mehr unser Problem. Wir haben drei Monate lang nur Arbeit wegen Coast gehabt. Das machen wir nicht mehr mit", sagte der UCI-Lizenzbeauftragter Alain Rumpf verärgert und ergänzte: "Ob Coast das Startrecht für die Tour verliert, ist noch nicht entschieden. Wir warten erst einmal ab, was Coast nun vorlegt." Von der derzeit laufenden Friedensfahrt bleiben die Coast-Fahrer ausgeschlossen.

Die finanziellen Schwierigkeiten bei Coast bleiben undurchsichtig. Das Duisburger Amtsgericht führt eine Insolvenzprüfung gegen die Betreibergesellschaft des Teams durch. Dort geht es um die ungeklärte Streitfrage zwischen dem Rennstall und einigen spanischen Fahrern über ausstehende Steuerabgaben.

Unterdessen erhöht Pevenage, der mit Ullrich im Paket zu Coast gewechselt war, den Druck und droht mit Abschied: "Wenn sich nichts mehr tut, haben wir keine andere Wahl, als uns ein neues Team zu suchen." Manager Strohband wollte vom Teamwechsel noch nicht sprechen, sagte aber: "Die Karriere von Ullrich geht weiter. Wir werden nicht tatenlos in der Ecke sitzen."

Fraglich ist, bei welchem Team Ullrich kurzfristig unterkommen kann und will. Sein alter Arbeitgeber Telekom hält zwar die Tür offen, doch eine Zusammenarbeit mit Pevenage schließt Teamchef Walter Godefroot kategorisch aus. Interesse bekundete auch Bjarne Riis als CSC-Teamchef, allerdings könnte der dänische Rennstall kaum Ullrichs derzeitiges Gehalt von zwei Millionen Euro pro Jahr aufbringen. Und einen Wechsel nach Spanien oder Italien hatte Ullrich bereits im Winter ausgeschlossen.

Verloren hat bei dem ganzen Gerangel aber nicht nur Ullrich, sondern das komplette Team. "Die restlichen Fahrer sind viel mehr von einer möglichen Pleite betroffen, denn sie finden im Gegensatz zu Ullrich so schnell keinen Rennstall", so Riis.