College-Basketball: Das Ende der "March Madness" - DER SPIEGEL
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College-Basketball Das Ende der "March Madness"

Die Endrunde der College-Basketballmeisterschaften ist die nach dem Super Bowl meistbeachtete Sportveranstaltung in den USA. Fernsehstationen zahlen Milliarden für die Senderechte des spannenden Wettstreits um Stolz und Tradition. Im Finale standen sich jetzt die Spartans aus Michigan und die Florida Gators gegenüber.
Von Dominique Gradenwitz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Indianapolis - Es war ein Finale, wie es Basketball-Amerika liebt. Mit den favorisierten Spartans von Michigan State, die im Vorjahr erst im Halbfinale an der Wundertruppe aus Duke gescheitert waren, und den jungen Florida Gators standen sich zwei Teams gegenüber, die im bisherigen Turnierverlauf der nationalen College-Meisterschaft begeisternden Basketball geboten hatten.

Der RCA-Dome in Indianapolis war mit 43.116 Zuschauern ausverkauft. Auf den Rängen überwog das Grün der Spartans aus dem näher gelegenen Michigan, doch auch die Spieler aus Florida wurden von zahlreichen üblichen Verdächtigen unterstützt: Fans, rassigen Cheerleadern und einer eigenen Big-Band. Oben den Rängen gab es Hamburger, Sangeseinlagen und jede Menge Stimmung, unten auf dem Parkett tolle Kombinationen, 3-Punkte-Treffer serienweise, ein erbittertes Kampfspiel und einen Starspieler, der verletzt vom Platz humpeln musste, doch bald darauf beifallumtost wieder aufs Spielfeld zurückkehrte.

Nur eines gab es nicht: Spannung. Das revolutionäre Konzept der Gators, zehn nahezu ebenbürtige Spieler fast gleichberechtigt einzusetzen, höchst aggressiv zu pressen, dadurch viele Ballverluste zu erzwingen und den weitaus weniger ausgeglichen besetzten Gegner schließlich müde zu spielen, funktionierte gegen die routinierten Spartans nicht.

Fast mühelos konnten Spielmacher Matleen Cleaves und Morris Peterson ihren Gegenspielern entwischen, und nach zehn Minuten hatten sie einen vorentscheidenden Zehn-Punkte-Vorsprung herausgespielt. Der geriet nur noch einmal in Gefahr, als sich Cleaves 15 Minuten vor Schluss den Knöchel verstauchte und längere Zeit behandelt werden musste. Doch gerade in dieser Phase zeigten die Spartans ihrem Gegner, wo der Korb hängt, und bauten den auf sechs Punkte geschmolzenen Vorsprung schnell wieder auf 18 Zähler aus. Endstand: 89:76, der erste Titelgewinn für Michigan State seit 1979, seit dem Triumph des Teams um Earvin "Magic" Johnson.

Die jungen Gators mit dem erfolgreichsten Werfer des Abends, Center Udonis Haslem (27 Punkte), waren letztlich zu unerfahren: sieben ihrer zehn Spieler sind erst im ersten oder zweiten von vier College-Jahren. Damit gehören sie aber zu den ganz großen Favoriten der nächsten beiden Spielzeiten, in einem Turnier, das zu einem herausragenden Ereignis im US-Sport gehört. Obwohl es sich nur um College-Sport handelt. Oder, wie viele meinen, gerade deshalb.

Zwar ist der im Januar stattfindende Super Bowl im Football nach wie vor die unbestrittene Nummer eins. Doch direkt danach kommt die "March Madness", der "März-Wahnsinn", wie die Amerikaner die Basketball-Endrunde der 64 besten College-Teams liebevoll nennen. Die Gründe: Spannung und Gefühl.

Eine normale NBA-Saison hat 82 Spieltage, bevor es in die Endrunde geht, die Baseballer spielen gar 162 Begegnungen vor den Playoffs - da fehlt bei vielen Spielen einfach der richtige Thrill. Bei der College-Meisterschaft ist das anders. Wie im Tennis lautet da das Motto ab der ersten Minute: siegen, oder fliegen. Überraschungen sind an der Tagesordnung, die Spiele oft packend bis zur letzten Sekunde.

Im ersten Spiel der Endrunde etwa lagen die Gators sieben Sekunden vor Schluss zurück, der Gegner aus Butler erhielt zwei Freiwürfe, vergab sie jedoch. Und drei Zehntelsekunden vor der Sirene sicherte Mike Miller den Ein-Punkte-Erfolg seines Teams, das dann ins Finale stürmen sollte. Solche Dramatik ist es, die den Fernsehsender CBS gerade erst wieder dazu veranlasst hat, sich die Turnierrechte für die nächsten elf Jahre zu sichern. Umgerechnet 12,2 Milliarden Mark zahlt der TV-Gigant dafür, über 1 Milliarde pro Jahr. Dagegen nehmen sich die Kosten für die TV-Rechte an der deutschen Fußballbundesliga mit 330 Millionen Mark pro Saison nahezu bescheiden aus.

Viele Zuschauer lieben aber nicht nur die Spannung, sondern erinnern sich auch der guten alten Zeiten, als sie selber noch auf jene Lehranstalten gingen, denen sie meist ihr Leben lang verbunden bleiben. Ehrensache, dass um die Truppe der alten Fakultät gezittert wird. Hier kämpfen keine satten "Millionarios", sondern junge, hungrige Sportler, die um die Ehre spielen und vom reichlichen Geldsegen für den Verband NCAA und die beteiligten Colleges keinen Cent erhalten.

Anders als bei den hartgesottenen Profis des US-Sports fließen deshalb bisweilen noch Tränen. Und solche Momente sind es, die einem der dämlichsten Standards des Sportjournalismus zu einem kaum mehr für möglich gehaltenen, sinnhaften Comeback verhelfen. Keiner der geschlagenen Florida Gators verweigerte sich nach der "March Madness 2000" der Reporterfrage: "Wie fühlen sie sich jetzt?"