Crashpilot McNish: "Waschmaschine im Schleudergang" - DER SPIEGEL
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Crashpilot McNish "Waschmaschine im Schleudergang"

Der Crash beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans war spektakulär, zum Glück passierte Fahrer Allan McNish nicht viel. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der 42-Jährige über langsame Autos, zu große Startfelder und überforderte Amateurpiloten.
Unfallfahrzeug McNishs: "Das kann lebensgefährlich für uns werden"
Unfallfahrzeug McNishs: "Das kann lebensgefährlich für uns werden"

Unfallfahrzeug McNishs: "Das kann lebensgefährlich für uns werden"

Foto: Vincent MICHEL/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Herr McNish, Ihr Unfall vor zwei Wochen beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans sah schlimm aus. Haben Sie sich schon erholt?

McNish: Ja, ich habe schon wieder im Rennwagen trainiert. Ich hatte nicht einmal Prellungen an Armen und Beinen.

SPIEGEL ONLINE: Da hatten Sie viel Glück.

McNish: Ja, allerdings habe ich mental ein paar Tage gebraucht, um die Balance wieder zu finden. Denn mit Tempo 300 in einen Reifenstapel zu krachen, das fühlt sich an, als ob man in der Waschmaschine im Schleudergang durchgeschüttelt wird.

SPIEGEL ONLINE: Wer trägt Schuld am Crash?

McNish: Einer meiner Teamkollegen zögerte, einen langsamen Ferrari in der Kurve zu überrunden. Ich wollte diese Chance ausnutzen und in Führung gehen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist dabei schiefgegangen?

McNish: Meinen Kollegen hatte ich bereits überholt. Als ich jedoch am zweiten Wagen vorbeiziehen wollte, war der Ferrari-Pilot auf dem Weg zurück auf die Ideallinie.

SPIEGEL ONLINE: Er hat Sie übersehen?

McNish: Ja. Der Ferrarri-Pilot war übrigens auch ein Profi, also kein Hobbypilot - aber er steuerte ein deutlich langsameres Auto, das in einer seriennahen Klasse eingestuft war.

SPIEGEL ONLINE: Ist die unterschiedlich hohe Geschwindigkeit der Autos ein grundsätzliches Problem?

McNish: Es gibt immer wieder Fahrer, die dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Das kann lebensgefährlich für uns werden.

SPIEGEL ONLINE: Auch Ihr Teamkollege Mike Rockenfeller, 27, verunglückte in Le Mans. Ihn touchierte ein unaufmerksamer Freizeitpilot. Sollte die Teilnahme von Hobbyfahrern verboten werden?

McNish: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

McNish: Diese Rennen leben traditionell von der Vielfalt der Teilnehmer. Bei so vielen Fahrern - insgesamt 165 - ist es unmöglich, dass alle auf dem nahezu gleichen fahrerischen Niveau sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie machen den Organisatoren keine Vorwürfe?

McNish: Es ist für die Veranstalter extrem schwer, für eine ausgeglichene Fahrerqualität im Teilnehmerfeld zu sorgen.

Das Interview führte Cathrin Gilbert

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