Dallas Mavericks: Stereo im Spind - DER SPIEGEL
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Dallas Mavericks Stereo im Spind

Der Milliardär Mark Cuban machte die Dallas Mavericks zu einem der besten Teams der US-Profiliga NBA. Sein Liebling ist der Deutsche Dirk Nowitzki.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Telefon klingelt ununterbrochen im Büro von Mark Cuban in Dallas. Es sind ausschließlich wichtige Menschen, die ihn sprechen wollen.

Neulich erst riefen die Redakteure der "Oprah Winfrey Show" an, ob er nicht als Talkgast in die Sendung kommen wolle. "Zur Hölle, ja!", hat Cuban da geantwortet. Vorher hatte er schon bei "What's My Line" zugesagt, und gegen eine kleine Rolle in der Actionserie "Walker, Texas Ranger" war auch nichts einzuwenden. Nur die Einladung von Prinz Charles, der fand, Cuban solle bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Buckingham Palast vorbeischauen, landete im Papierkorb.

Am schönsten war es, als zuletzt Michael Jordan in der Leitung war. Der beste Basketballspieler aller Zeiten ist inzwischen Sportdirektor bei den Washington Wizards, und er hatte da ein kleines Problem. "MJ!", rief Cuban in die Muschel. "Du bist auf der Suche nach einem kräftigen Kerl? Kann ich dir irgendwie helfen? Kann ich dir helfen?"

Der Verkauf von Broadcast.com brachte 5,7 Milliarden Dollar

Es kommt nicht oft vor, dass sich Mark Cuban, 42, freiwillig klein macht. Mit 24 gründete er seine erste Software-Firma, mit 31 bot er sie zum Kauf an und bekam dafür fünf Millionen Dollar. Dann gründete er eine neue Firma, mit der es ihm gelang, erstmals Radio im Internet zu übertragen. Durch den Verkauf von Broadcast.com an Yahoo im vergangenen Jahr hatte Cuban plötzlich 5,7 Milliarden zusätzlich auf dem Konto.

Dann wurde ihm das Leben langweilig. Schon als Kind träumte er davon, "einen Proficlub zu besitzen". Im Januar hob er 280 Millionen Dollar ab und kaufte sich die Dallas Mavericks, eine Mannschaft der nordamerikanischen Profiliga, in der auch der Deutsche Dirk Nowitzki sein Geld verdient.

Er tat das nicht, weil er in bessere Kreise aufsteigen wollte. Er war schon oben. Er wollte auch kein Geld damit verdienen. Er war schon reich. Er wollte nur eine neue Beschäftigung; und weil er damit auch noch Erfolg hat, gehört er in Amerika derzeit zu den meistbewunderten Männern des Landes.

Mit seinen Methoden ist es dem Turnschuhträger gelungen, aus den Mavericks, einem bislang lausigen Team, einen aussichtsreichen Kandidaten für die Playoffs zu formen.

Profis behandelt er, als wären sie seine eigenen Kinder

Cuban hat einen sehr eigenen Blick auf die Welt des Sports. Aber die Schlüsse, die er daraus zieht, könnten dem Sport die Richtung weisen. Profis, nach gängiger Meinung verhätschelt und überbezahlt, behandelt er, als wären sie seine eigenen Kinder. Wer bei Mister Cuban angestellt ist, hat keine Sorgen mehr.

Wenn zum Beispiel seine Spieler ihren Spind öffnen, finden sie dort nicht bloß einen frischen Satz Trikots, ein Paar Socken und Schuhwerk. In jedem Schrank ist eine Stereoanlage installiert, ein Monitor, ein DVD-Player und eine Sony Playstation. Cuban findet es wichtig, dass seine Leute Freude beim Umziehen haben.

Unvergessen auch der Tag im vergangenen Winter, an dem es in Dallas kräftig zu hageln begann: Der Präsident schickte jedem Spieler eine Limousine nach Hause, damit sie trocken und warm in die Arena gelangen konnten.

Cuban macht keinen Unterschied zwischen Star und Anfänger. Die drei Nachwuchskräfte, die er bei der so genannten Draft verpflichtete, ließ er im privaten Gulfstream-Jet einschweben. Und Dennis Rodman, dem merkwürdigsten Darsteller der Branche, der auf Partys gern in Röckchen und BH auftaucht, sagte Cuban, dass er ruhig splitternackt durch die Gegend spazieren könne ­ Hauptsache, er gewinnt möglichst viele Rebounds, die Kämpfe unter dem Korb.

"Keine Entschuldigungen mehr für Niederlagen"

Cuban geht es nur um eins: "Die Spieler dürfen keine Entschuldigungen mehr für Niederlagen haben." Die Herren klagen über malade Muskeln? Zu jedem Auswärtsspiel fahren neuerdings ein paar Masseurinnen mit. Vergammelte Mannschaftsdusche? Cuban möchte für jeden eine separate Nasszelle bauen lassen.

Eine entsprechende Halle fehlt noch, aber daran bastelt Cuban auch schon. Zusammen mit Tom Hicks, dem Besitzer der Dallas Stars, will er einen Basketball- und Eishockeytempel bauen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. 340 Millionen Dollar soll die Kathedrale kosten, in der jeder Sitz mit einem Computer ausstaffiert wird, damit die Fans Statistiken und Spielszenen abrufen können oder die Höhepunkte des Spiels.

Die Konkurrenz zeigt sich beeindruckt von Cubans Expansionskurs. "Er hat sein Team in jeder Hinsicht verbessert", sagt Jerry Reynolds, Sportdirektor der Sacramento Kings. Andere haben ihm vorgerechnet, dass er das Unternehmen Basketball mit Verlust abschließen wird, wenn er so weitermacht. Muss ihn das kümmern? "Wenn ich die Wahl hätte zwischen Profit und Meisterschaft, gebt mir die Meisterschaft", sagt er nur.

Im Kühlschrank nur vorgekochte Hühnchenbrust und Limo

Cuban, der aus einer russisch-jüdischen Immigrantenfamilie stammt, hat ein recht eigentümliches Verhältnis zum Geld. Er besitzt eine monströse Villa, die in Dallas so bekannt ist wie die Southfork-Ranch, aber im Kühlschrank liegen nur vorgekochte Hühnchenbrust und Dosenlimonade. Er hat eine Haushälterin, aber fährt einen alten Wagen der Marke Lexus. Seiner Freundin Tiffany schenkte er letztes Jahr zu Weihnachten einen Tennisschläger, einen Korb mit Badeaccessoires und eine Küchenmaschine. Für sich kaufte er einen Learjet, für 40 Millionen Dollar.

In seinem spärlich eingerichteten Palast fährt er gern Rollschuh. Das einzige Zimmer, das wirklich vollständig möbliert ist, ist Cubans Büro. An einem von fünf Computern, zwischen Bergen von Papier, verschickt er manchmal 400 E-Mails am Tag. Briefe schreiben findet er archaisch, und persönliche Kommunikation hält er aus Prinzip für Zeitverschwendung.

Dirk Nowitzki hat es ihm besonders angetan

Lebensfreude keimt immer nur dann, wenn seine Jungs in der Nähe sind. Wann immer es seine Zeit erlaubt, geht er in die Sporthalle und sieht nach dem Rechten. Der Deutsche Dirk Nowitzki hat es ihm offenbar besonders angetan, ihn fordert der Patron gern zum Duell eins gegen eins.

Nichts, sagt er, habe ihm bislang in seinem Milliardärsleben mehr Spaß gemacht als der Wettkampf mit dem Würzburger, den er für einen "duften Kerl mit ausgesprochen guten Manieren" hält.

Wenn es um Meisterschaftspunkte geht, kippt Cubans Stimmung. Anders als sein Vorgänger Ross Perot Junior, Sohn des vormaligen Präsidentschaftskandidaten, sitzt Cuban während des Spiels beim Trainer auf der Bank. Vor eigenem Publikum steigt Cuban schon mal auf seinen Stuhl und peitscht die Menge an.

"Er ist halt ein kleiner Hitzkopf"

Das hat jedoch zuletzt die Sittenwächter des US-Sports in Stellung gebracht. In Sacramento musste Cuban wegen grober Schiedsrichterbeleidigung 5000 Dollar Strafe bezahlen. Drei Abende später in Phoenix: 15.000 Dollar. "Ich habe mich schlecht benommen", sagte Cuban, "das kommt nicht wieder vor." Sechs Tage später beim Heimspiel gegen Seattle wurde er erneut ausfallend. Das Ergebnis: 25.000 Dollar Bußgeld. "Er ist halt ein kleiner Hitzkopf, wenn es um sein Team geht", erklärt der ehemalige Mavericks-Profi Erick Strickland.

Cuban kann nicht anders. Und er will auch gar nicht. "Ich hätte kein Problem damit", sagt er, "wenn ich der erste Clubbesitzer sein sollte, der aus der Halle geworfen wird."