Davenport: "Überrascht, wie einfach alles war" - DER SPIEGEL
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Davenport "Überrascht, wie einfach alles war"

Lindsay Davenport hat bei den Australian Open überraschend klar die stolze Serie von Martina Hingis beendet und erstmals das Grand-Slam-Turnier in Melbourne gewonnen.
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Melbourne - In der Stunde der bitteren Niederlage zeigte sich Martina Hingis endlich einmal als gute Verliererin. Als Lindsay Davenport am Samstag in einem einseitigen Finale der Australian Open ihren Matchball zum 6:1, 7:5 verwandelt hatte, lief die kleine Schweizerin ans Netz und gratulierte der langen Amerikanerin artig. "Sie ist eine großartige Spielerin und eine großartige Persönlichkeit. Ich habe großen Respekt vor ihr", sagte sie später, und ihre Stimme zitterte leicht.

Mit erstaunlicher Souveränität verarbeitete die 19-Jährige das Ende ihrer dreijährigen Siegesserie in Melbourne. "Als Verlierin gegen eine gute Lindsay Davenport vom Platz zu gehen - das gibt es halt, so ist das Leben", erklärte sie. Selbst ihre 23-jährige Gegnerin, die in ihrem dritten Grand-Slam-Finale zum dritten Mal die Oberhand behielt, war beeindruckt: "Martina war einfach großartig."

Dabei war die Schweizerin noch am Vortag ihrem Ruf gerecht geworden, nachdem sie im Doppel-Finale an der Seite von Mary Pierce die Generalprobe verpatzt hatte. Sie spreche stets nur darüber, wie schlecht sie gespielt habe und zeige keinerlei Respekt vor der Leistung der anderen, schimpfte die Australierin Rennae Stubbs, die mit Lisa Raymond (USA) den Favoritinnen ein Bein gestellt hatte.

Martina Hingis, die in Melbourne auch den Doppel-Titel drei Mal in Folge gewonnen hatte, gab nach ihrer Einzel-Niederlage zu, "sauer und frustriert" gewesen zu sein. Ähnlich war es vor einem neun Monaten, als sie in Paris nach der Niederlage im French-Open-Finale gegen Steffi Graf sogar vom Platz flüchtete. "Ich weiß, ich habe in der Vergangenheit Fehler gemacht", gab sie sich geläutert.

Und so lächelte die Weltranglisten-Erste, obwohl sie in dem nur 65 Minuten dauernden Finale vor 15.413 Zuschauern in der Rod-Laver-Arena von der Weltranglisten-Zweiten über weite Strecken regelrecht vorgeführt worden war. "Ich war selbst überrascht, wie gut ich gespielt habe, wie einfach alles war", meinte Lindsay Davenport. In nur 19 Minuten hatte sie den ersten Satz mit 6:1 gewonnen hatte. Wenig später stand es auch im zweiten Durchgang 5:1 - und der aufschlagstarken Amerikanerin fehlten nur noch zwei Punkte.

"Ich habe auf die Uhr gesehen und mir gedacht, oh Gott. Die Leute haben viel Geld bezahlt, um das Match zwischen der Nummer eins und der Nummer zwei der Welt zu sehen. Und dann so etwas", schilderte Martina Hingis später ihre Stimmung und die Angst vor der totalen Blamage. Doch die Schweizerin holte auf, schaffte sogar das 5:5.

Lindsay Davenport jedoch, die 1998 in New York mit einem Finalsieg über Martina Hingis ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen hatte und im Vorjahr im Wimbledon-Endspiel Steffi Graf besiegte, feierte sich und ihren zehnten Erfolg über die Weltranglisten-Erste überschwänglich: "Ein Traum ist wahr geworden."

717.000 Dollar Preisgeld waren der Lohn. Der Schweizerin blieben nur 385.000 Dollar. "Wenn es gegen Lindsay geht, habe ich ein bisschen zu viel Respekt", meinte die Verliererin. "Nervös und auch gehetzt" habe sie sich auf dem Platz gefühlt. Auch, weil Lindsay Davenport trotz eines Verbandes am Oberschenkel furios aufspielte. Doch die Amerikanerin, die sich am Ende der vergangenen Saison auch im Masters-Finale gegen Martina Hingis durchgesetzt hatte, fühlt sie sich nicht als die wahre Nummer eins: "Der Computer lügt nicht. Martina hat einfach die konstanteren Ergebnisse."