Daviscup: Das Maximale ist das Mindeste - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Daviscup Das Maximale ist das Mindeste

Beim bitteren Viertelfinal-Aus in Holland fand sich das deutsche Daviscup-Team zum Krisengespräch zusammen. Die Ergebnisse waren äußerst trivial.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

's-Hertogenbosch - Nachdem David Prinosil und Jens Knippschild am Samstag mit der 3:6, 4:6, 6:4, 2:6-Niederlage gegen das holländische Duo Paul Haarhuis/Sjeng Schalken das Ausscheiden des deutschen Tennis-Teams im Daviscup-Viertelfinale vorzeitig perfekt gemacht hatten, begossen die Gastgeber vor 9500 begeisterten Oranje-Fans in der Brabanthalle ihren ersten Halbfinaleinzug in der 102-jährigen Daviscup-Historie ausgelassen mit Heineken aus Magnumflaschen.

Minimum statt Maximum


Katerstimmung herrschte dagegen bei den Deutschen, die sich ohne den am Fuß verletzten und darüber hinaus stark erkälteten Tommy Haas gegen den Außenseiter schwer blamierten. "Es gibt nichts zu beschönigen. Wir haben verdient verloren", gab Georg von Waldenfels, Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), zu Protokoll. Vielleicht animierten die äußerst schwachen Leistungen seiner Schützlinge Kapitän Charly Steeb dazu, zumindest verbal mit Superlativen um sich zu werfen: "Wir haben nicht unser Bestes gezeigt. Gegen die Holländer, die hier am Limit gespielt haben, wäre das Maximale das Mindeste gewesen."

Wie das Maximale herauszuholen sei, diskutierten Deutschlands beste Tennisspieler am Freitagabend im Hotel. Da lag das DTB-Team schon fast aussichtslos mit 0:2 zurück, und Nicolas Kiefer hatte öffentlich seinen Kapitän kritisiert. "Jeder von uns hat gemerkt, dass etwas gefehlt hat", nannte Steeb als Anlass für die Krisenrunde. Das Resultat beschreibt das Dilemma der deutschen Mannschaft: "Wir müssen beweisen, dass wir ein kompaktes Team sein können."

Ohne Teamgeist

Diesen Beweis bleiben die Nachfolger von Boris Becker und Michael Stich allerdings seit Jahren schuldig. Permanent wird ein Teamgeist beschworen, der einfach nicht vorhanden ist. Die Jungstars Haas und Kiefer würdigen sich kaum eines Blickes, von gegenseitigem Anfeuern ganz zu schweigen. Eine Wand zwischen Kiefer und Steeb verortet Ex-Becker-Trainer Günther Bosch. "Kiefer müsste sich auf dem Platz was sagen lassen von Charly. Aber wenn Kiefer nicht zuhören will, dann kann auch der beste Coach der Welt nicht helfen."

Das sieht auch DTB-Präsident Waldenfels so, der Steeb trotz der Pleite von 's-Hertogenbosch für die "richtige Wahl" hält und für die im Januar 2002 beginnende nächste Daviscup-Saison auf den Lerneffekt einer Niederlage setzt. Zum Beispiel, dass die Stimmung in der Halle die Heimmannschaft zu großen Leistungen stimulieren kann und dass man sich dagegen wehren muss. "Diese Reaktion müsste eigentlich automatisch sein", so Steeb, "aber wir mussten erst darüber reden."