Daviscup: Der Glaube an den olympischen Geist - DER SPIEGEL
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Daviscup Der Glaube an den olympischen Geist

Beim Daviscup-Comeback von Nicolas Kiefer gegen Rumänien soll der "Geist von Sydney" der deutschen Zweckgemeinschaft Teamgeist einflößen.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Braunschweig - Vor 21 Monaten fand Nicolas Kiefer klare Worte zum Thema Tennis-Nationalmannschaft. "Charly Steeb erzählt nur Sachen, die nicht wahr sind." Oder: "Es gibt keine Kommunikation." Und: "Wir sind kein Team." Vor dem Daviscup-Abstiegsspiel 1999 in Rumänien teilte Kiefer Teamchef Carl-Uwe Steeb dann mit, nicht mehr für Deutschland spielen zu wollen. Dieser nannte das eine Absage "aus atmosphärischen Gründen."


Wie die Schulbuben


Am Donnerstagmittag saßen Kiefer und Steeb bei der Auslosung zur Daviscup-Erstrundenbegegnung 2001 gegen Rumänien in der neuen Braunschweiger Volkswagenhalle ganz dicht nebeneinander. Während Rumäniens Verbandspräsident Dumitru Haradau nach warmen Dankesworten für die Gastgeber suchte, tuschelten und kicherten "Kiwi" und "Charly" wie Schulbuben, die seit der ersten Klasse Banknachbarn sind. Ob Steeb dabei nur wahre Geschichten geflüstert hat, ist nicht bekannt. Immerhin: Irgendwie wird wieder kommuniziert - und Tommy Haas, Kiefer und Steeb bilden neuerlich ein Team. Wirklich?

"Die Stimmung ist gut, alles bestens", versicherte Haas. Hört sich gut an. Doch der 22-jährige Wahl-Amerikaner hat sich als Meister der oberflächlichen Konversation einen Namen gemacht. Auch der störrische Kiefer, den die Medien zum "Racket-Rebellen" stilisierten und der Haas vor Jahresfrist noch den Handschlag verweigerte, spielt das Harmoniespiel mit: "Wir verstehen uns sehr gut, es herrscht eine super Stimmung." Der Grund ist simpel. "Die Olympischen Spiele in Sydney waren der Wendepunkt. Wir haben da auf nur 50 Quadratmetern zusammengelebt. Das war sehr wichtig für alle. Hier wollen wir daran anknüpfen."


Kiefers Einsicht: "Daviscup ist wichtig"


Wie als Beweis dafür, dass der olympische Geist die Einzelkämpfer zumindest für das verlängerte Daviscup-Wochenende in Mannschaftsspieler verwandelt hat, tragen Kiefer & Co. Daviscup-Sticker an der Trainingsjacke. Der 23-jährige Kiefer ist zur Erkenntnis gekommen: "Der Daviscup ist wichtig." Deshalb habe er 2001 seinen Turnierplan auch danach ausgerichtet.

Locker und entspannt wirkt der sonst so verschlossene Niedersachse, holt plötzlich kleine Broschüren aus der Jackentasche und verteilt sie an die Journalisten. "Bed by Night" heißt das Projekt für Straßenkinder in Hannover, für das Kiefer sich stark macht. Wenn er über sein soziales Engagement redet, öffnet sich der misstrauische Tennisprofi und gibt die notorische Verteidigungshaltung auf.

Doch als die Reporter dann doch einmal nachhaken, auf das vormals zerrüttete Verhältnis zu Steeb und Haas ansprechen, geht Kiefer wieder in Deckung. Er stemmt die Hände in die Hüften und teilt trotzig mit: "Darüber möchte ich nicht mehr sprechen. Das ist Vergangenheit." Was die Zukunft bringt, zeigt sich morgen. Auch für Kiefer gilt: Die Wahrheit liegt auf dem Court.