Daviscup: Der Schatten des "roten Barons" - DER SPIEGEL
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Daviscup Der Schatten des "roten Barons"

Die Auslosung bescherte dem neuen Teamchef Carl-Uwe Steeb Glück, doch vor der Partie gegen die Holländer sorgte einer für das meiste Aufsehen, der im Daviscup-Team eigentlich nicht mehr das Sagen hat: Boris Becker.
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Leipzig - Tommy Haas eröffnet als Hoffnungsträger des um einen neuen Vertrag kämpfenden Chefs Carl-Uwe Steeb das Daviscup-Zeitalter nach Boris Becker. Der als Teamchef zurückgetretene "rote Baron" stand bei der Auslosung für das erste Daviscup-Spiel in Ostdeutschland seit 67 Jahren gegen die Niederlande zwar nur vor der Tür, aber trotzdem wie wohl in allen Tagen von Leipzig im Mittelpunkt.

"Ich fiebere wahnsinnig mit und bin der größte Fan des deutschen Teams. Ich werde das ganze Wochenende auf der Tribüne sitzen und die Jungs unterstützen. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir gewinnen. Wir werden das schaffen, wenn Tommy gleich ein starker Auftritt gelingt", erklärte der am Donnerstag angereiste Becker im Blitzlichtgewitter. Topspieler Haas trifft zum Auftakt am Freitag (ab 11.45 Uhr, live in der ARD) auf John van Lottum. Anschließend muss Rainer Schüttler im zweiten Einzel gegen Hollands Nummer eins Sjeng Schalken ran.

"Ich bin froh, dass ich gleich zu Beginn spielen kann und freue mich, dass Boris auf der Tribüne sitzt. Er ist sehr wichtig, es ist nur schade, dass er nicht mehr Teamchef ist", meinte Haas. Zu dem geplanten Beratervertrag mit Becker wollte die deutsche Nummer zwei hinter "Verweigerer" Nicolas Kiefer nichts sagen: "Hier geht es um den Daviscup. Das klären wir danach ab."

Haas meint, Boris könne ihm "bestimmt mehr Tipps geben" als der neue Chef Steeb: "Wie, muss ich ja nicht verraten." Trotz derlei Sticheleien ist ausgerechnet Haas der große Hoffnungsträger für Beckers "Schattenmann" Steeb im Kampf um einen neuen Vertrag.

"Wir wollen nach dem Daviscup eine Lösung finden. Charly Steeb macht seinen Job sehr gut und ist der richtige Mann", erklärte der neue DTB-Sportart Walter Knapper. Der Abschluss des neuen Kontrakts ist angeblich "nicht vom Ergebnis abhängig" - allerdings rechnet jeder im sechsten Duell gegen die Niederlande mit dem sechsten Sieg. Steeb soll einen "leistungsbezogenen Zweijahresvertrag mit Option erhalten oder von mir aus auch drei Jahre" verpflichtet werden. Möglicherweise muss er aber Abstriche von seinem bisherigen 300.000-Mark-Gehalt hinnehmen. Knapper: "Das bleibt Familiengeheimnis."

Auch Steeb bestätigte die nach dem Match anstehenden Verhandlungen: "Aber viel wichtiger ist jetzt, dass wir irgendwie die drei Punkte holen. Dass wird eine ganz enge Partie." Die Anspannung als neuer Chef sei "fast größer wie als Spieler": "Aber ich fühle mich wohl, wie es derzeit ist und dass Boris hier ist. Ich will mit meiner Arbeit das Team zum Sieg führen und freue mich, dass alle Spieler fit sind."

Somit kann er im Doppel am Samstag (ab 15.30 Uhr live in der ARD) den wieder genesenen David Prinosil an der Seite von Marc Goellner gegen die favorisierten Paul Haarhuis/Jan Siemerink einsetzen. Am Sonntag (ab 13.15 Uhr, live im ZDF) eröffnet Haas den Schlusstag im Duell der Topspieler gegen Schalken. Anschließend spielt Schüttler gegen van Lottum. "Mir ist es egal, wann ich spiele. Und ich verstehe auch die ganze Aufregung um Boris nicht. Die Stimmung ist so gut wie beim Abstiegsspiel im Rumänien, weil sich alle gut verstehen", sagt Schüttler. Dass er bei seinem bisher einzigen Daviscup-Einzel in Bukarest versagt hat, belastet ihn genauso wenig wie Haas seine "Holland-Psychose". Haas, der von neun Daviscup-Einzeln sieben gewinnen konnte: "Ich habe die einzigen Spiele gegen van Lottum und Schalken verloren. Da ist noch eine Rechnung offen."