Daviscup-Kommentar Das Problem heißt Kiefer
Auch in der beschaulichen niederländischen Kleinstadt 's-Hertogenbosch konnte Nicolas Kiefer im Jahr seines Comebacks keinen Frieden mit dem Daviscup schließen. Im Gegenteil: Die deutschen Fans enttäuschte der 23-Jährige mit seiner blamablen Niederlage gegen den Weltranglisten-85. Jan Siemerink, die das DTB-Team auf die Verliererstraße führte.
Seine Mannschaftskameraden vergrätzte der störrische Niedersachse mit öffentlicher Kritik ("fehlende Unterstützung von der Bank"). Die Öffentlichkeit nervte er, indem er ohne Selbstkritik seine schlechte Leistung schönredete ("Mir fehlte nur das Glück"). "Trotzig, rotzig, erfolglos" schlagzeilte die "Süddeutsche Zeitung".
Schnoddrige Arroganz
Nur drei von neun Einzeln hat Kiefer, der Anfang 2000 noch auf Weltranglistenplatz vier notiert war, im Daviscup für sich entscheiden können. Die miserable sportliche Bilanz verstärkt die Isolation des öffentlichkeitsscheuen Einzelkämpfers im von ihm ungeliebten Mannschaftsgefüge. Auch der Rücktritt des von Kiefer wenig geschätzten Teamchefs Boris Becker vor 15 Monaten heilte die Daviscup-Allergie des Tennis-Twens nicht: Das Problem ist Kiefer selbst.
Allzu häufig kaschiert er seine Unsicherheit durch übersteigertes Selbstbewusstsein, das als schnoddrige Arroganz übel aufstößt. Als Tennisritter der traurigen Gestalt begab er sich nach dem 0:3, das dem finanziell angeschlagenen DTB ein lukratives Halbfinalheimspiel vermasselte, auf Wiedergutmachungstour und entschuldigte sich bei den Fans dafür, "dass der Funke nicht richtig übergesprungen war" - die gut gemeinte Geste kam so linkisch rüber, dass sie nicht wirklich versöhnte, sondern nur hilflos wirkte.
Schwer zu beraten
Als der schwer enttäuschte DTB-Präsident Georg von Waldenfels seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, die jungen deutschen Spieler seien "noch beratungsfähig", hatte er besonders Nicolas Kiefer im Blick, der in den letzten zwei Jahren eine Handvoll Berater und Manager feuerte und stattdessen weiterhin von seinen Eltern Wolfgang und Nicole betreut wird.
"Ich bin noch jung, ich kann noch viel lernen", fasste der Abiturient seinen zum wiederholten Male missratenen Daviscup-Auftritt zusammen. Optimistisch klang das allerdings nicht.