Daviscup Kopfzerbrechen nach der Haas-Absage
München - Deutschland muss beim Daviscup-Viertelfinale am kommenden Wochenende in Adelaide gegen Australien auch ohne seinen zweiten Topspieler auskommen. Nachdem Nicolas Kiefer (Holzminden) schon vor der Auftaktbegegnung seinen Daviscup-Verzicht für dieses Jahr erklärt hatte, musste auch Thomas Haas passen. Der 21-Jährige, der in den vergangenen Wochen zudem an einer Bronchitis litt und seiner Form hinterher lief, teilte Teamchef Carl-Uwe Steeb den definitiven Verzicht am Samstag mit. Für die Einzel nominierte Steeb Rainer Schüttler (Bad Homburg) und David Prinosil (Amberg).
"Leider sind die Schmerzen so stark, dass es keinen Sinn hat, nach Adelaide zu reisen. Ich hätte gerne für Deutschland gespielt. Wenn wir die nächste Runde erreichen, bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei", erklärte Haas, der bislang eine Daviscup-Bilanz von 9:1 Siegen aufweist. Bis zuletzt hatte Physiotherapeut Waldemar Kliesing in Florida versucht, den Münchner fit zu bekommen.
"Tommys Fehlen ist natürlich ein harter Schlag. Unsere Chancen sind rapide gesunken, aber wir müssen trotzdem frohen Mutes an die Sache herangehen", sagte Steeb. Der 32 Jahre alte Schwabe schloss nicht kategorisch aus, aufgrund der misslichen Personalsituation an Daviscup-"Boykotteur" Nicolas Kiefer heranzutreten, um ihn zu einem Einsatz zu überreden.
"Bislang ist es aber reine Spekulation. Ich muss mir erst Gedanken über die Situation machen", so Steeb, der das Team offiziell erst bis zur Auslosung am Donnerstag nominieren muss. Allerdings befindet sich derzeit auch der 22 Jahre alte Kiefer in einem Formtief. Der Niedersachse, der eine negative Daviscup-Bilanz von vier Niederlagen in fünf Spielen aufweist, hatte zuletzt seine Auftaktmatches in Key Biscayne und Indian Wells sang- und klanglos verloren.
Trotzdem hatte Steeb bereits in den vergangenen Tagen die Bedeutung einer Rückkehr Kiefers für die kommende Daviscup-Saison betont: "Ein Kiefer kann uns immer helfen. Wir sind mit ihm ein anderes Team. Ich bin zuversichtlich, dass Nicolas im nächsten Jahr wieder für Deutschland spielt", so Steeb.
Ohne seine beiden Topspieler Haas und Kiefer droht Deutschland auf dem Rasencourt des Memorial Drive Stadions von Adelaide gegen den 27-maligen Champion Australien ein Debakel. Da wird es auch wenig helfen, dass Boris Becker - "allein seine Anwesenheit macht viel aus", so Steeb - voraussichtlich auf der Tribüne Platz nehmen wird.
Der Bad Homburger Rainer Schüttler erwies sich zuletzt stets als Nervenbündel und konnte die in ihn gesetzten Erwartungen im Daviscup bisher noch nicht erfüllen. David Prinosil, der mit Marc Goellner auch das Doppel bestreiten soll, gilt als solide, ist bislang aber auch kein Mann für Sensationen.
Das Team des Deutschen Tennis Bundes (DTB) braucht jetzt schon ein kleines Wunder, um die Gastgeber mit Senkrechtstarter Lleyton Hewitt ins Straucheln zu bringen. Der 19 Jahre alte "Local Hero" aus Adelaide gewann in dieser Saison bereits drei Turniere und stellte dabei den ATP-Matchrekord von Andre Agassi (25:2 Siege) ein. Erst Pete Sampras (USA) stoppte Hewitt im Halbfinale von Key Biscayne. "Ich habe im Moment dieses Siegergefühl. Und Daviscup ist immer etwas Besonderes", betonte Hewitt.
Da schlägt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass der Einsatz von Mark Philippoussis wegen einer Wadenverletzung gefährdet ist. Der zweimalige US-Open-Sieger Patrick Rafter, der eigentlich nur für einen Doppeleinsatz vorgesehen war, hat nach sechsmonatiger Pause den Anschluss wieder gefunden.