Daviscup Mit Boris Becker kam die Wende
Braunschweig - Strahlende Sieger sehen anders aus. In den Gesichtern von Teamchef Carl-Uwe Steeb, Tommy Haas, Nicolas Kiefer, David Prinosil und Marc-Kevin Goellner spiegelte sich nach dem 3:2 gegen Rumänien allenfalls Erleichterung wider. Erleichterung darüber, dass die deutsche Tennis-Nationalmannschaft in der ersten Daviscup-Runde gerade noch eine böse Blamage vermeiden konnte. 1:2 lag das DTB-Team zurück, ehe Haas und Kiefer am Schlusstag ihre Einzel gewannen und für den Viertelfinaleinzug sorgten.
Großartige Leistung von Haas
"Wir standen mit dem Rücken zur Wand", konstatierte Steeb nach der Zitterpartie, bei der im deutschen Team allein Haas restlos überzeugte. Der 6:3, 6:4, 7:6 (8:6)-Sieg gegen Andreij Pavel im ersten Match am Sonntag war der Schlüssel zum Erfolg. Rumäniens Spitzenspieler lobte den Wahl-Amerikaner nach einer hochklassigen Partie: "Tommy war großartig."
Der 22-Jährige schraubte in der Braunschweiger Volkswagen-Halle seine Daviscup-Bilanz auf 11:1-Siege. Selbst nachdem er im dritten Satz eine 4:0-Führung verspielt hatte, ließ sich Haas nicht hängen. Im Tiebreak wehrte er vier Satzbälle in Folge ab und machte aus einem 2:6 noch ein 8:6, um danach Steeb überglücklich in die Arme zu fallen. "Vorher hatte ich mich mit Charly auf der Bank noch gestritten. Er meinte, ich hätte falsche Returns gespielt", erklärte Haas seinen emotionalen Ausbruch.
Pfiffe gegen Becker
Für besondere Gefühlsregungen sorgte aber auch einer, der derzeit mit Tennis kaum etwas zu tun hat. Pünktlich zum ersten Aufschlag am Schlusstag hatte Boris Becker die Arena betreten und in der deutschen Spielerloge Platz genommen. Die knapp 6000 Zuschauer empfingen den "Roten Baron", dessen Familienleben zuletzt reichlich Gesprächsstoff lieferte, mit Applaus, aber auch mit nicht zu überhörenden Pfiffen.
Für Haas aber bedeutete das Erscheinen seines großen Idols, das er am liebsten als neuen Trainer verpflichten würde, eine "Extra-Motivation". Die deutsche Nummer eins sagte: "Ich habe eine Gänsehaut bekommen, als er vom Hallensprecher angekündigt wurde. Ich finde stark, dass er hergekommen ist. Im Match hatten wir häufig Blickkontakt."
Kiefer beendete schwarze Serie
Kiefer, der seine schwarze Daviscup-Serie von fünf Niederlagen beenden konnte, hingegen schaute demonstrativ zur Seite, als ihm sein Erzfeind zum 6:3, 6:1, 6:4-Sieg gegen den rumänischen Ersatz-Ersatzmann Gabriel Trifu, Nummer 483 der Weltrangliste, gratulierte. Für den in den Daviscup-Tagen von Braunschweig permanent zitierten Teamgeist wäre es wohl besser, wenn Boris Becker ein seltener Besucher bleibt, auch wenn mit ihm gegen Rumänien die Wende kam.