Daviscup: Risse im Teamgefüge - DER SPIEGEL
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Daviscup Risse im Teamgefüge

Während die deutsche Daviscup-Mannschaft am ersten Tag des Viertelfinals in Holland mit 0:2 ihr oranges Wunder erlebt, werden erste Risse im wiederhergestellten Teamgefüge sichtbar.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

's-Hertogenbosch - Tjerk Bogtstra erklomm, kaum dass das Match zwischen seinem Schützling Jan Siemerink und Nicolas Kiefer begonnen hatte, die ersten Stufen des Schiedsrichterstuhls, um sich von dort eindringlich über Linienrichterentscheidungen zu beschweren.

Immer wieder sprang der 34-jährige Kapitän des niederländischen Daviscup-Teams in der Folgezeit von seinem Stuhl auf, reklamierte, monierte und feuerte an. Gleiches hätte sich Kiefer auch von seinem Kapitän gewünscht. "Charly Steeb ist ein eher ruhiger Vertreter. Es wäre angenehmer, wenn er mal Reaktionen zeigen würde", gab der 23-jährige Niedersachse dem früheren Daviscup-Gewinner eine Teilschuld für seine 3:6, 6:7 (5:7), 6:3, 3:6-Pleite vor 9500 Zuschauern in der ausverkauften Brabanthalle.

1999 hatte Kiefer während des World Team Cups in Düsseldorf, nachdem ein Kabinenkrach zwischen ihm und dem damaligen Teamchef Boris Becker öffentlich geworden war, Steeb als Lügner bezeichnet und sich drei Monate später aus der Daviscup-Mannschaft zurückgezogen. Bei Kiefers Comeback gegen Rumänien vor zwei Monaten in Braunschweig beschworen die Protagonisten dann auffallend häufig einen neuen Teamgeist.


Ausfall von Haas stört Kiefer nicht


Dass es damit nicht sehr weit her zu sein scheint, wurde gegen Holland aber schon nach der Auslosung im Rathaus von 's-Hertogenbosch deutlich. Während Steeb ("Es ist ärgerlich, wenn die Nummer eins nicht antreten kann") und David Prinosil ("Schade, dass Tommy nicht spielt") den verletzungsbedingten Ausfall von Tommy Haas für die Freitageinzel bedauerten, grinste Kiefer vor seiner erster Daviscup-Auswärtspartie: "Mich stört's nicht."

Tatsächlich hatte das Fehlen von Kiefers Erzrivalen Haas, der von zwölf Daviscup-Einzeln elf gewann, für das deutsche Team schmerzhafte Konsequenzen. Nach der blamablen Vorstellung von Kiefer unterlag Prinosil dem Weltranglisten-101. Raemon Sluiter mit 1:6, 3:6, 6:7 (3:7). "Das war kein guter Tag fürs deutsche Tennis", fasste der 28-jährige Wahl-Münchner den 0:2-Zwischenstand niedergeschlagen zusammen, während die Brabanthalle in einem orangen Meer aus Fahnen, Perücken und Federboas zu versinken drohte.


"Man kann sich den Kapitän nicht aussuchen"


"Das hier ist Daviscup, kein normales Turnier", sagte der fast 31-jährige Siemerink, als klassischer Serve-and-Volley-Spieler ein Auslaufmodell auf der Tour, der zuvor noch nie gegen Kiefer gewinnen konnte. Die deutsche Nummer zwei befand nach seiner sechsten Niederlage im achten Daviscup-Einzel, er habe "gar nicht so schlecht gespielt, mir fehlte nur das Glück". Und die Unterstützung von Steeb, der meist zurückgelehnt und regungslos auf seinem Stuhl saß und erst auf eine gestenreiche Aufforderung von Kiefer beim Stuhlschiedsrichter intervenierte.

"Es ist Charlys Aufgabe, sich um sowas zu kümmern, nicht meine. Ich muss mich auf mein Spiel konzentrieren", kritisierte der 23-Jährige. Dass er den introvertierten Steeb nicht für die Idealbesetzung auf dem Kapitänsstuhl hält, ist jetzt öffentlich: "Man kann sich im Daviscup nicht aussuchen, wer da sitzt." Prinosil wollte sich der Ansicht seines Teamkollegen nicht unbedingt anschließen: "Wenn ich im ersten Satz 1:6 verliere, kann Charly noch so viel rumhampeln. Das hilft auch nichts."