Daviscup Spaniens historischer Triumph
Barcelona - Im Hexenkessel von Barcelona gewann der 20-jährige Ferrero am Sonntag auch sein zweites Einzel und holte gegen Lleyton Hewitt den entscheidenden Punkt zum 3:1-Sieg. Mit der lautstarken Unterstützung der 14.000 Fans und seines Königs Juan Carlos behielt Ferrero beim 6:2, 7:6 (7:5), 4:6, 6:4 am Ende die besseren Nerven. Ein abschließendes Einzel wurde nicht mehr gespielt.
Damit triumphierte die Spanier im dritten Finale gegen den 27-maligen Titelträger, das erstmals in Spanien auf Sand stattfand. Bei den Endspielen 1965 und 1967 hatten sich die Gastgeber auf dem fünften Kontinent für Gras entschieden.
Den Grundstein für den Siegeszug im Palau St. Jordi legte am Samstag das spanische Doppel Alex Corretja/Joan Balcells. Überraschend holten die Iberer mit einem ungefährdeten 6:4, 6:4, 6:4 über Mark Woodforde/Sandon Stolle den zweiten Punkt. Am Freitag hatte Hewitt die Gäste mit einem Sieg über Albert Costa in Führung gebracht, Ferrero glich mit einem Erfolg über den verletzt aufgebenden Patrick Rafter aus.
Ferrero entscheidet Duell der Jungstars für sich
Der einzige Nicht-Katalane im Team, Ferrero, könnte nun zum Volkshelden gemacht werden. Der 20-Jährige spielte in diesem Jahr erstmals im Daviscup und gab noch kein Match ab. Gegen Hewitt hatte er in diesem Jahr bereits in Scottsdale deutlich in zwei Sätzen verloren, doch im Daviscup wuchs der neue spanische Hoffnungsträger gegen die Nummer eins der Australier über sich hinaus.
Nach einem Traumstart im ersten Satz war das Kräftemessen der beiden Jungstars im zweiten Durchgang entscheidend. Hewitt holte ein Break auf und hatte sogar zwei Satzbälle, doch im entscheidenden Moment schlug er die Bälle fast immer ins Aus. Im Tiebreak hatte der Spanier nur knapp mit 7:5 die Nase vorn. Immer wieder musste der Schiedsrichter die lärmenden Zuschauer ermahnen, denn neben den Anfeuerungen pfiffen sie Hewitt bei guten Aktionen gnadenlos aus.
"Das war unfair"
Die genervten Australier beschwerten sich massiv über die Unterstützung der Gastgeber. "Das hat mit dem Geist des Daviscups nichts zu tun, das war nur unfair", empörte sich der Teamkapitän John Newcombe. Er beschwerte sich beim Internationalen Tennisverband auch über den spanischen Kapitän Javier Duarte.
Fast unbemerkt zu Ende ging die Karriere von Mark Woodforde. Der rothaarige Linkshänder geht als die eine Hälfte der "Woodies" in die Tennis-Geschichte ein: Gemeinsam mit Todd Woodbridge, der wegen der Schwangerschaft seiner Frau eine "Babypause" einlegt, gewann er 61 Turniere, davon 11 Grand-Slam-Titel.
Von Anna Blanco, dpa