DBB-Trainer Bauermann "Wir sind zerbröselt"
Frage: Das Viertelfinale gege Spanien war nach dem Slowenien-Spiel die zweite sehr deutliche Niederlage in drei Tagen. Können Sie sich das erklären?
Bauermann: Nein, ich weiß beim besten Willen nicht, woran das liegt. Als die Spanier aufgedreht haben, ist bei uns die Schlachtordnung komplett verloren gegangen. Wir sind geradezu zerbröselt. Das hätte ich so nicht gedacht. In meiner Amtszeit ist das zuvor auch noch nie so vorgekommen.
Frage: Dirk Nowitzki hat gestern beklagt, dass sich alle anderen Teams weiterentwickelt hätten, während die deutsche Mannschaft stehen geblieben sei. Sehen Sie das auch so?
Bauermann: Nein. Die Italiener haben sich nicht weiterentwickelt. Die Türken haben wir deutlich geschlagen. Auch bei den Griechen ist eine Entwicklung noch nicht absehbar. Einen Sprung nach vorne haben natürlich die Spanier gemacht. Auch die Litauer sind athletischer geworden, auch wenn sie in erster Linie davon leben, dass Sarunas Jasikevicius wieder dabei ist, der sie auf eine neue Stufe hebt.
Frage: Hat die deutsche Mannschaft ihren Zenit überschritten?
Bauermann: Das glaube ich nicht. Wir werden sicherlich analysieren müssen, wenn wir wieder zu Hause sind. Wo aber genau das Problem liegt? Ich weiß es einfach nicht. Sicherlich müssen wir festhalten, dass unsere kleinen Spieler, die, die das Spiel gestalten und organisieren, es bislang nicht konstant geschafft haben, der Mannschaft ihren Stempel aufzudrücken und das Spiel im Griff zu haben. Es war insgesamt nicht so gut, wie es auf diesem Niveau eben notwendig ist.
Frage: und wie es die großen Teams vormachen.
Bauermann: Ja, die kleinen Spieler sind bei diesem Turnier bislang dominierend. Sicherlich machen Dirk Nowitzki und Pau Gasol die meisten Punkte, aber Aufbauspieler wie Litauens Jasikevicius, Tony Parker (Frankreich), José Calderón und Rudy Fernandez (Spanien) geben dieser EM ein Gesicht.
Frage: Steffen Hamann, der deutsche Aufbauspieler, blieb bislang hingegen blass.
Bauermann: Steffen kann das eigentlich. Er hat das bei der WM im vergangenen Jahr und in Bamberg im Verein gezeigt. Er ist zweimal Deutscher Meister als Stammspieler geworden. Es ist ja also nicht das erste Mal, dass er unter Druck steht. Warum er es jetzt in diesem Sommer nicht so schafft, das kann ich auch nicht wirklich sagen.
Frage: Angenehm aufgefallen sind hingegen die beiden Jüngsten, Jan-Hendrik Jagla und Johannes Herber.
Bauermann: Absolut, auch wenn Jan nach wie vor viel zu lernen hat. Was er aber an Bereitschaft mitbringt, wie er sich auch kämpferisch in den Vordergrund spielt und seinen guten Wurf von außen solide und stabil platziert, ist sehr erfreulich. Und für Joe Herber gilt das Gleiche. Ich glaube, die beiden sind unsere wirklich positiven Erscheinungen in diesem Turnier.
Frage: Der Gegner für das morgige Spiel (16.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) steht erst heute Nacht fest. Findet eine gezielte Vorbereitung auf die Partie überhaupt statt?
Bauermann: Nein, gar nicht. Wir müssen uns erst noch einmal mit uns selbst auseinandersetzen. Wir müssen schauen, was wir gut machen und was eben gar nicht akzeptabel ist. Es gilt jetzt, die richtigen Konsequenzen zu ziehen, das alles zu verarbeiten und dann nach vorne zu marschieren. Es wäre ja töricht, wenn wir nun irgendwelche Straftrainings veranstalten würden. Im Grunde geht es bei diesem immensen Programm nur darum, die Wunden zu lecken und sich auszuruhen. Die Tatsache, dass unser Gegner von morgen erst heute Abend spielt, ist in dieser Hinsicht sicherlich nicht schlecht.
Aufgezeichnet von Frieder Pfeiffer