Dennis Schröder in der NBA: Durchbruch geschafft - DER SPIEGEL
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Deutscher NBA-Profi Schröder entdeckt die Langsamkeit

Im Schatten von Dirk Nowitzki macht der zweite deutsche NBA-Profi Karriere: Dennis Schröder spielt im bislang zweitbesten Team der US-Liga eine starke Saison. Auch weil er mittlerweile weiß, wann er sich bremsen muss.
Schröder: Leistungssteigerung im zweiten NBA-Jahr
Schröder: Leistungssteigerung im zweiten NBA-Jahr

Schröder: Leistungssteigerung im zweiten NBA-Jahr

Foto: Erik S. Lesser / dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am Freitag betritt Dennis Schröder die ganz große Bühne. In Brooklyn wird der 21-Jährige am Spiel der besten Nachwuchsprofis der NBA im Rahmen des All-Star-Wochenendes teilnehmen. Doch das soll nur eine Etappe sein. In einigen Jahren will der Deutsche zur Elite der besten Basketballliga der Welt gehören und beim All-Star-Game spielen.

Schröders Ziele sind groß - die Zahl der Skeptiker in Deutschland war es auch, als er 2013 den Sprung zu den Atlanta Hawks wagte. Reicht sein Talent, um sich in der NBA durchzusetzen? Ist der Aufbauspieler mit 1,85 Metern und 76 Kilogramm nicht zu klein und zu schmächtig?

In seiner ersten Saison tat er sich schwer. Schröder spielte kaum, erzielte gerade mal 3,7 Punkte pro Spiel und wurde vom Trainer zum Farmteam der Hawks geschickt. Die Skeptiker fühlten sich bestätigt, die Häme war groß. "Da haben ihn Leute kritisiert, die in ihrem Leben noch kein NBA-Spiel gesehen haben und ihn nicht kennen", erzählt sein Berater Ademola Okulaja. "Dabei kam da unheimlich viel zusammen: Als 19-Jähriger von Braunschweig in die Metropole Atlanta zu ziehen, alle zwei bis drei Tage ein Spiel gegen die besten Basketballer der Welt." Auch Bundestrainer Chris Fleming sagt, in Deutschland werde unterschätzt, wie groß der Sprung in die NBA wirklich sei: "Es war leicht, Dennis runterzumachen."

Schon in seiner Zeit als Braunschweiger Bundesliga-Spieler hatte es Zweifel an Schröder gegeben - obwohl er mit seiner Schnelligkeit auch von erfahrenen US-Profis kaum zu stoppen war. Doch in der beschaulichen Bundesliga-Welt galt Schröder als arrogant: Er habe keinen Respekt, beleidige Gegenspieler und Coaches, trage schon als Jugendlicher glitzernde Ohrringe und laufe herum, als habe er es bereits in die NBA geschafft. Sein ehemaliger Trainer Sebastian Machowski sagte Anfang 2013, er hoffe, Schröder schaffe es, "seine Persönlichkeit in Einklang mit seinem Potenzial zu bringen".

"Rausgehen und spielen" reicht nicht

In der NBA hatte Schröder zunächst das Problem, dass seine Schnelligkeit allein nicht mehr reichte, um Erfolg zu haben. Er konnte seinen Gegenspieler im Eins-gegen-Eins zwar immer noch hinter sich lassen; aber um gegen die athletischen NBA-Center am Korb zu punkten, reichten seine Fähigkeiten nicht.

In dieser Saison sieht das anders aus. Schröder spielt eine starke Saison. In rund 18 Minuten Spielzeit erzielt er 8,4 Punkte im Schnitt, verteilt 3,5 Assists und vor allem: Er macht deutlich weniger Fehler als im Vorjahr. "Ich verstehe mittlerweile, was der Coach will", sagte Schröder dem Onlineportal "Grantland". "Im vergangenen Jahr habe ich oft nach dem Motto agiert: Einfach rausgehen und spielen."

Für einen Aufbauspieler in der NBA ist das zu wenig. Schröder hat den schwierigsten und fehleranfälligsten Job im Basketball: Er muss den Ball sicher nach vorne bringen, Spielzüge einleiten und improvisieren, damit seine Mannschaft zu Punkten kommt. Hinzu kommt, dass die Position derzeit die am stärksten besetzte in der Liga ist - in jedem Spiel wird eine Top-Leistung benötigt.

Schröder weiß seine Schnelligkeit besser einzusetzen

Das Hawks-Trainerteam um Chefcoach Mike Budenholzer arbeitete deshalb intensiv mit ihm: Video-Analysen, Wurftraining und vor allem der Zug zum Korb standen auf dem Programm. Die dringend benötigte Spielpraxis sammelte er in der Summer League mit Atlanta und danach mit der Nationalmannschaft, mit der er sich für die Heim-EM im kommenden September qualifizierte.

Schröders Spiel ist reifer geworden und er weiß seine große Stärke, die Schnelligkeit, nun besser einzusetzen. "Er muss nicht immer mit vollem Tempo spielen", sagt Okulaja, "sondern er kann mittlerweile von Tempo 100 auf 160 beschleunigen und dann wieder auf 50 abbremsen." Auch Bundestrainer Fleming lobt Schröders Entwicklung: "Er hat eine große Ruhe im Spiel gewonnen und ist inzwischen auch häufiger in der Lage, sich am Korb durchzusetzen."

Womöglich war das schwierige erste Jahr für Schröders Entwicklung aber am wichtigsten. Teamkollege und All-Star Kyle Korver glaubt, dass Schröder Demut gelernt habe. Er sagt: "Dennis ist sehr gewachsen - physisch und mental."

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