Der Etappenhase Erst Champs Elysées, dann Champagner
Alle sehnen sich Paris und die Champs Elysées herbei-sollte man meinen. Einige der Fahrer haben jedoch größten Respekt vor dieser letzten Etappe. Die freuen sich höchstens auf die Ehrenrunde nach der Zieldurchfahrt, denn besonders die Bergflöhe finden wenig Gefallen am Hochgeschwindigkeitsrennen auf der Pariser Prachtstraße.
Die Runde um den Louvre, über den Place de la Concorde und hinauf zum Arc de Triomphe hat es in sich. Zunächst gibt es auf den Champs Elysées das kleine Kopfsteinpflaster, das den Anstieg zum Triumphbogen so schwer macht. Danach sind die Kurven bei der Ein- und Ausfahrt des Tunnels, der unter dem Louvre herführt, sowie die Schikane am Place de la Concorde ziemlich glatt wenn es regnet - und der Wetterbericht hat für den Tourabschluss eben diese Witterung vorausgesagt.
Normalerweise warten gerade die Sprinter ganz besonders auf den "sprint royal" - aber die größte Nervosität wird heute einer aus dieser Gruppe mit auf die Etappe nehmen: der Norweger Thor Hushovd. Zwar hat er einen relativ großen Vorsprung in der Wertung um das Grüne Trikot, aber die Tatsache, dass in den letzten drei Jahren zweimal derjenige, der es am Tag der Etappe trug, nach dem Zieleinlauf nicht auf dem Podium stand, wird ihm zu denken geben. Ob ihn diese Anspannung am Ende zu besonderer Leistung antreibt oder eher blockiert, wird sich erst auf den allerletzten Metern zeigen.
Jalabert lobt Ullrich
Dass Jan Ullrich es wieder aufs Podium geschafft hat, ist nicht nur gut für die Radsportbegeisterung in Deutschland. Die Art und Weise, wie er im letzten Zeitfahren die gesamte Konkurrenz (außer Armstrong) abhängte, entfachte wieder Lust auf mehr. Laurent Jalabert sagte nach der gestrigen Etappe, dass der Sieger auch Ullrich heißen könne, ginge die Tour noch eine Woche länger.
Da die Tour aber heute zu Ende geht, bleibt uns allen nur die Vorfreude auf das kommende Jahr. Kein Lance "Tourminator" Armstrong mehr. Stattdessen eine viel offenere Favoritensituation mit Basso bei CSC, "Wino" in einem anderen Team als T-Mobile, Mancebo, Valverde und einem Ullrich in Topform und ohne Sturzpech sowie ein formstarker Andreas Klöden an seiner Seite - da fällt das Warten auf den 2006 schon schwer!
Die Tour 2005 ist fast vorbei, und trotzdem sehnt jeder das Finale in Paris herbei. Schon abends im Hotel wartet oft die Familie auf die Fahrer, viele Teams chartern komplette Restaurants und es wird ausgelassen gefeiert. Da gibt es dann nicht mehr Pasta, Hühnchen und Salat, sondern dann kommen endlich Mal andere Sachen auf den Teller. Und ins Glas: Neben dem Champagner, der zu diesen Partys gehört, gibt es meist auch ein paar gute Flaschen Rot- oder Weißwein und einige Glas Bier - oftmals einige zuviel.
Die Journalisten, die die Tour begleiten sind genauso froh, nach fast vier Wochen "on the road" bald endlich wieder im eigenen Bett zu schlafen. Am Morgen danach beginnt für viele dann trotzdem wieder ein Arbeitstag. Bei diversen Rundstreckenrennen geht es für die Fahrer sofort weiter. Eine Übersicht dieser Events werde ich Ihnen am Montag zum Abschluss meiner Kolumne präsentieren.
Bis morgen, Ihr Marcel Wüst