Der Etappenhase: Es wird ein heißer Tag - DER SPIEGEL
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Der Etappenhase Es wird ein heißer Tag

Das ist die Härte. Fünf schwere Gipfel auf einer Etappe – kein Profil dieser Tour ist anspruchsvoller als das der 15. Etappe. Erneut wird die Sonne sengen, wieder wird mit hohem Tempo gefahren. Und weil es über spanisches Gebiet geht, wird sich ein Team besonders ins Zeug legen.
Von Marcel Wüst
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die heutige Etappe von Lézat sur Lèze nach Saint-Lary-Soulan (Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist die schwerste dieser Tour. Sechs Bergwertungen, eine der zweiten Kategorie, vier der ersten Kategorie, zum Finale hinauf nach Saint-Lary-Soulan. Dieser 10,3 Kilometer lange Anstieg zählt zur "Hors Catégorie", der außergewöhnlichen Kategorie, wie dieser Begriff übersetzt heißt. Schwerer geht es nicht.Die Kategorie-Einteilungen der Bergwertungen kommen durch einen Quotienten zusammen, der Länge und Steigungsprozente berücksichtigt. Gipfel wie Tourmalet und Galibier sind nach dieser Rechnung die schwersten (und bekanntesten) Berge - und deshalb bekommen diese Anstiege das Etikett "Hors Catégorie".Die heutigen Anstiege sind für Radprofis nicht wirklich lang; "nur" 13 Kilometer dauert die Anfahrt zum Col de Peyresourde, dem längsten Anstieg des Tages. Die Härte dieser Etappe macht aber die dichte Abfolge der Steigungen aus. Nie mehr als 20, manchmal nur 10 Kilometer erholsame Abfahrt werden den Fahrern nach den jeweiligen Gipfeln gegönnt, bevor sie wieder antreten müssen.Solche schwierigen Profile können Rennen entscheiden, so wie gestern, bei der ersten Pyrenäen-Etappe. Denn der Gerolsteiner Georg Totschnig konnte vor allem deshalb gewinnen, weil zwischen der letzten Abfahrt und dem folgenden Schlussanstieg kein Flachstück lag, auf dem die Verfolger aufschließen konnten. Gut möglich, dass es heute wieder so läuft, denn nach der Abfahrt vom vorletzten Berg (dem Col de Val-Louron-Azet) geht es ebenfalls ohne flache Kilometer sofort in den Anstieg zum Ziel. Ohne Flachstück, auf dem sich Fahrer erholen und zu anderen aufschließen können, haben es auch die Sprinter im Grupetto schwer. Kurze Anstiege, hohes Tempo Gerade weil die Anstiege heute nicht übermäßig lang sind, werden sie viel schneller angegangen, und es wird häufig attackiert. Die Anfahrt zum Galibier in den Alpen, dauert, streng gerechnet, 30 Kilometer. Jeder zu früh gefahrene Angriff rächt sich hier, zumal es in den Alpen auch noch bis auf über 2000 Meter hinauf geht, wo die Höhenluft das Atmen schwer macht.Solche extremen Anforderungen gibt es in den Pyrenäen nicht. Der höchste Punkt im Ziel in Saint-Lary-Soulan liegt auf 1680 Meter, hier kann jeder gut Luft holen. Aber: Wer einmal über diese Berge musste, weiß, warum die Pyrenäen so unbeliebt sind: wegen der Hitze. Schon gestern wurden 31 Grad im Schatten gemessen, aber irgendwann gab es keinen Schatten mehr. Trinken, trinken, trinken, lautete daher der Tagesbefehl - für den Magen bedeuten diese Flüssigkeitsmengen Schwerstarbeit. Der Organismus hat Dauerstress. 205 Kilometer stehen auf dem Programm, das ist nicht extrem lang. Aber weil gestern ein Ausreißer den Sieg davontrug und die Mannschaft von Lance Armstrong nicht so überragend gefahren war wie in den Alpen, werden heute sicherlich verschiedene Rennfahrer dazu animiert werden, frühe Fluchtgruppen zu arrangieren und das Rennen schnell zu machen. Bestimmt werden wir heute wieder die organfarbenen Trikots der spanischen, pardon, baskischen Mannschaft Euskatel-Euskadi an der Spitze sehen. So ist es nämlich jedes Jahr, wenn eine Pyrenäen-Etappe auch Spanien durchquert. Dieser Teil Spaniens ist baskisch, und Euskatel ist eine rein baskische Mannschaft. Folglich unternehmen diese Fahrer an so einem Tag alles, um zu gewinnen - frenetisch angefeuert von ihren Landsleuten an den Straßenrändern.Es wird also ein heißer Tag. So oder so. Bis morgen, Ihr Marcel Wüst P.S.: Auch bei der 92. Tour de France können Sie mir wieder Fragen mailen. Bitte schicken Sie Ihre Anfragen direkt an den Etappenhasen.  Meine Antworten werden am zweiten und letzten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt veröffentlicht - am Montag, dem 18. Juli.