Der Etappenhase: Große Schleife, kleines Geld - DER SPIEGEL
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Der Etappenhase Große Schleife, kleines Geld

Bei der Tour de France mitzufahren, bedeutet für viele Radprofis keineswegs finanziellen Reichtum. Das große Geld räumen lediglich die Stars ab - allerdings weniger durch Prämien. Die Kasse klingelt nur bei denjenigen, die große Werbeverträge abgeschlossen haben.
Von Marcel Wüst
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei der Tour de France geht es natürlich auch um die Ehre und die Erfüllung von Kinderträumen. Aber als Profi muss man ans Geldverdienen denken. Der Veranstalter schüttet in diesem Jahr knapp drei Millionen Euro an Preisgeldern und Prämien aus, aber nur die wenigsten Fahrer werden mit einem üppig gefüllten Portemonnaie nach Hause fahren.

Die Mannschaft des Toursiegers räumt richtig ab, aber wenn ein Team keine Etappensiege vorweisen kann und niemand unter den ersten Zehn der Gesamtwertung fährt, kann es schon mal düster aussehen nach drei Wochen Schinderei auf Frankreichs Landstraßen.

Selbst nach einem Etappensieg, der mit 8000 Euro dotiert ist, bleibt für jeden Einzelnen nicht viel übrig. Die Preisgelder wandern zunächst in den Topf der Mannschaft. Von diesem Geld werden dann zwischen 10 und 20 Prozent für die Mechaniker und Masseure abgezogen. Die restliche Summe teilt die Crew unter sich auf. Für die Fahrer bleiben gerade einmal etwas mehr als 700 Euro, ziemlich bescheiden für einen Etappensieg beim größten Radrennen der Welt.

Auch die Summen, die die Fahrer erhalten, die Paris erreichen, sind im Gegensatz zu den 400.000 Euro für den Toursieger, eher lächerlich. Ab dem 26. Platz gibt es beispielsweise 600 Euro, ab Platz 91. für jeden dann nur noch 400. So wenig nach drei Wochen Strapazen?

Jeder Fahrer bestreitet sein Haupteinkommen durch den Vertrag mit seinem Team. Das Grundgehalt für einen Radprofi lag bis vor zwei Jahren noch bei rund 18.000 Euro im Jahr. Bei großen Erfolgen winkt dann der Aufstieg zum Mittel- bis Großverdiener.

Die Nebeneinnahmen der weniger bekannten Rennfahrer sind minimal. Nach der Tour bekommen die Helfer gerade einmal einen dreistelligen Betrag, sind aber auch lange nicht bei allen Rennen dabei. Stars wie beispielsweise Lance Armstrong, dessen Tour-Siegprämie komplett an die Mannschaft geht, verdient bei vergleichbaren Events das 20- bis 100-fache wie die Helfer und hat neben dem Teamvertrag oftmals noch lukrative Werbeverträge. Armstrongs Jahreseinkommen wird auf 14 Millionen Euro geschätzt.

Davon träumt natürlich jeder Fahrer: Einmal einen großen Wurf landen, dann bei einem Topteam einen guten Vertrag abschließen und im folgenden Jahr diese Leistung bestätigen - schon hat man die Basis für eine finanziell einträgliche Karriere. Aber das gelingt nur wenigen, die meisten schaffen es nie, vom Helfer zum Kapitän aufzusteigen.

Bis morgen, Ihr Marcel Wüst