"Der Etappenhase" Riders on the Storm
Wer die Bilder der Etappe von Colmar nach Pontarlier gesehen hat, wird mir verzeihen, dass ich heute ein wenig übers Wetter plaudern werde.
Es schüttet aus Eimern, dicke Tropfen klatschen auf den Helm, die Brille ist verschmiert, das Spritzwasser ist schon längst durch Regenjacke, Handschuhe und Überschuhe gedrungen. Das waren die ersten Bilder, die man direkt von der Etappe nach Hause in die warme und vor allen Dingen trockene Wohnung geliefert bekam.
Jetzt ist es ja im Radsport so, dass es nicht unbedingt schön ist, sechs oder gar sieben Stunden durch eine graue, verregnete französische Landschaft zu fahren, aber es gehört eben dazu. Dabei ist es ein Unterschied, ob es schon am Start regnet oder man erst im Laufe der Etappe nass wird. Schifft es vom Himmelhoch, wenn man aus dem Bus steigt und ist bereits pitschnass, nachdem man beim Einschreiben war, sinkt die Stimmung natürlich auf den Tiefpunkt.
Wärmeöl statt Sonnenschutzcreme
Eigentlich assoziiert man mit Juli und Tour de France eher Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor und Wasserträger, die mit dem Nachbringen von Trinkflaschen nicht nachkommen. Aber ab und zu müssen es auch mal Wärmeöl und Neopren-Handschuhe sein.
Beim Wetter gibt es nur einen Trost: Es ist für alle gleich schlecht, wobei es natürlich immer Fahrer gibt, die bei schlechten Bedingungen besser zurecht kommen. Das geht über ein weniger eingeschränktes Leistungsvermögen bei Regen und Kälte, bis hin zur besseren Beherrschung des Rennrades mit den im Regen noch schmaler anmutenden Reifen.
Eine nasse Straße ist immer glatt
Es gibt zwar schon spezielle Regenreifen, die in der Entwicklung sind, aber die haben sich noch nicht durchgesetzt, und eine nasse Strasse mit zwei 23 Millimeter breiten Reifen befahren, ist immer sehr glatt.
Das andere wirklich große Problem stellt sich dann, wenn es im Hochgebirge nass ist. Bei den Aufstiegen zu den Pässen ist der Körper unter Belastung, der Puls hoch, und so bleibt man warm. Auf den langen Abfahrten, die dann auch noch sehr glatt sind, kann man den Puls aber nicht oben halten, und so wird es einem spätesten nach zwei Kilometern eiskalt. Für mehr oder gar neue trockene Kleidung bleibt da eigentlich nie Zeit und wenn doch, dann stellt sich beim nächsten Anstieg das Problem das man womöglich ganz schnell den Motor überhitzt. Wohin dann mit nasser und drei Kilo schwerer Goretex-Jacke? Was macht man mit den dicken Handschuhen?
Sehnsucht nach der Badewanne
Wegschmeißen mag der eine oder andere Denken. Aber spätestens wenn es nach der Bergwertung wieder auf eine lange kalte Abfahrt geht würde man diese Tat bereuen. Außerdem weiß man ja nicht wie das Wetter in den nächsten Tagen wird.
Da bleibt, während man sich auf der Etappe den Arsch abfriert, nur die Hoffnung auf ein Hotelzimmer mit großer Badewanne. Um den CD-Player dann abends den Umständen entsprechend zu betreiben, habe ich für solche Fälle immer "Riders on the Storm" von "The Doors" im Gepäck: Hard riding, but easy listening.