Der Etappenhase: Technische Schwierigkeiten - DER SPIEGEL
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Der Etappenhase Technische Schwierigkeiten

Die tägliche Kolumne von Marcel Wüst zur Deutschlandtour. Heute: ... war einfach nicht mein Tag.
Von Marcel Wüst
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jetzt tippe ich diese Kolumne schon wieder. Diesmal allerdings auf der spanischen Tastatur des High-End-Laptops meines Festina-Kollegen Angel Luis Casero. Sie wollen wissen, was passiert ist?

Mein Computer wurde kurz vor Beginn der Deutschland-Tour von einem Virus zur Strecke gebracht. Der mir kurzfristig zur Verfügung gestellte Laptop versuchte sich über eine Nummer einzuwählen, die in unserem Hotel gesperrt war. Und letzten Endes saß ich dann vor dem von meinem Kollegen Sven Teutenberg geliehenen "Dinosaurier" (Windows 95!) und tippte drauf los. Doch auch das sollte sich als reine Fingerübung herausstellen.

Das Teutenbergsche Softwareproblem

Denn nach etwa zwei Stunden, fand ich heraus, dass Sven auf seinem Computer ein Softwareproblem hat. Alle mir bekannten Tricks, um vielleicht doch noch online zu kommen, nutzten nichts. Also sitze ich jetzt vor Caseros Computer, habe Schwierigkeiten mit der spanischen Tastatur, aber irgendwie funktioniert es dann doch.

Also. Die Deutschland-Tour ist auf dem Weg von Hamburg nach Stuttgart, und die erste Etappe ist gelaufen. Es gab einen Sieger, nämlich Tom Steels aus Belgien, der bei Mapei unter Vertrag ist; es gab auch viele Stürze und zum Glück - aus Sicht der Fahrer - regnete es nicht. Es ist eben viel schöner, seinen Job auf der Sonnenseite des Lebens zu machen.

Wie ich Tom Steels im Fahrstuhl traf

Unsere Festina-Mannschaft ist zufrieden. Zwei unserer deutschen Fahrer sind unter den ersten Zehn, wobei es viel wichtiger war, dass keiner in dem Sturz 150 Meter vor dem Ziel zu schaden kam.

Nach der ersten Etappe traf ich Sieger Tom Steels im Aufzug, und er war einfach total happy. Es lief in diesem Jahr noch nicht so gut für ihn, und da kam der Erfolg über seinen Rivalen Erik Zabel auf dem Zielstrich in Hannover gerade recht - bei uns Sprintern ist ein gutes Rennen oft eine Sache der Moral und des Selbstvertrauens.

Küsse auf dem Siegertreppchen

Da der erste Sieg meistens der schwerste ist, kann man es danach oft gar nicht mehr lassen zu gewinnen. Nicht unbedingt nur der Küsse wegen, die man auch hier bei der Deutschland-Tour von beeindruckend schönen Hostessen auf dem Siegertreppchen bekommt ...

Heute führt die Rundfahrt durch den Harz, wo einige schon alle Hoffnungen auf eine vordere Platzierung begraben können. Und auch ich werde wieder die nicht allzu einfache Aufgabe haben, das "Loch" zwischen dem Start der Fahrer und dem Ende der Live-Sendung des Norddeutschen Rundfunks zu schließen.

Mein Medienerfahrungsschatz

Eine halbe Stunde vor laufender Kamera einen fundierten Kommentar abzugeben, fällt manchmal sogar mir als Rheinländer schwer. Aber das genau wie die Arbeit für SPIEGEL ONLINE werde ich in meinen Medienerfahrungsschatz aufnehmen, kann mir später alles ja noch einmal nützlich sein.

So, und da ich so viel Zeit damit verbracht habe, das hier Getippte online zu bringen, ist es jetzt an der Zeit, mit Alejandro unserem Mechaniker und Masseur Jordi (schafft den Marathon unter drei Stunden!) eine Runde laufen zu gehen.

Bis morgen,
Marcel Wüst