Der Etappenhase: Wenn gelbe Trikots rosa werden - DER SPIEGEL
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Der Etappenhase Wenn gelbe Trikots rosa werden

"Der Etappenhase" - die tägliche Tour-Kolumne von Marcel Wüst bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Beim größten Radrennen der Welt haben die einzelnen Teams nicht viel zu melden. Der Veranstalter bestimmt sogar, wie ihre Trinkflaschen aussehen.
Von Marcel Wüst
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Startschuss zur Tour de France ist gefallen, und die Begeisterung ist riesig - trotz des Regens und der unerfreulichen Nachrichten über Jan Ullrich. Die Tour ist so groß, dass sie so etwas verkraften kann. Größer als jedes andere Radrennen und auch ganz anders.

Das fängt bei den Trikots an. Die Mannschaft ONCE beispielsweise hat immer gelbe Trikots - außer bei der Tour, denn da darf es nur ein Gelbes Trikot geben, nämlich das des Führenden in der Gesamtwertung. Also fahren die Spanier schon seit Jahren mit rosa Trikots zur Tour. Dass alle Fahrer jetzt vom Brillensponsor Oakley mit farblich zu den Hemden passenden Brillen ausgestattet worden sind, gibt es auch bei keinem anderen Rennen.

Bei vielen Teams sind im Gepäck auch einige Sätze gelber, grüner oder weißrot gepunkteten Rennhosen vorgesehen, dazu gibt es dann sogar noch die farblich genau passenden Fahrräder, Handschuhe und Helme. Einheitlich sind auch die Fahrzeuge. Normalerweise hat jedes Team einen Vertrag mit einem Fahrzeughersteller und ist mit diesen Autos übers Jahr bei rund 200 Renntagen unterwegs. Nur bei der Tour ist es anders.

Jedes Team bekommt von der Société du Tour fünf Fahrzeuge gestellt, die im Rennbetrieb eingesetzt werden müssen. Die eigenen Autos der Vertragspartner dürfen nicht zum Einsatz kommen. So gibt es für die keine einzige Sendeminute, eine Tatsache die viele Teams verärgert. Das gleiche gilt selbst für Verpflegungsbeutel und Trinkflaschen. Die Rechte verkauft die Société du Tour, und Teilnahmebedingung für die Teams ist es, diese in der Radsportwelt einzigartigen Regeln zu respektieren.

Ich hoffe, Jan Ullrich hat gelernt


Wo ich gerade bei Regeln bin, muss ich natürlich zur Pressekonferenz, die Jan Ullrich am Samstag gegeben hat, noch ein paar Zeilen verlieren.

Jan hat die Wahrheit gesagt und wird sich jetzt besser fühlen. Fehler machen liegt in der Natur des Menschen und auch dass man aus ihnen lernt. Ich hoffe, Jan hat daraus gelernt, denn als Sportler im allgemeinen und als Superstar im besonderen hat man natürlich Verantwortung zu tragen: Als Sportler seinem Körper gegenüber, das heißt, dass man nicht "irgendwelche Pillen" schluckt, ohne zu wissen, was denn wirklich drin ist. Dann ist Jan als Superstar natürlich Vorbild für viele. Gerade für die jungen Fahrer in den Schüler-, Jugend-, und Juniorenklassen ist es schwer nachzuvollziehen, dass ein Aushängeschild des Radsports Drogen nimmt. Oder zumindest so "große Dummheiten" macht, seinem Körper irgendwas zuzuführen, ohne genau zu wissen, was es ist.

Jetzt wird er eine Sperre bekommen, wird diese absitzen und dann hoffentlich allen, wie angekündigt, zeigen, dass Jan Ullrich noch nicht am Ende ist.

Alles Gute dabei von mir. Denn ein rehabilitierter Jan Ullrich spricht und fährt dann auch für einen rehabilitierten Radsport.

Ihr Marcel Wüst