Der Etappenhase: Wespenangriff im Gewittersturm - DER SPIEGEL
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Der Etappenhase Wespenangriff im Gewittersturm

Die tägliche Kolumne von Marcel Wüst zur Deutschlandtour. Heute: Sprinterpech und Insektenplagen.
Von Marcel Wüst
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Verlauf der heutigen Etappe von Bad Neustadt an der Saale nach Mannheim wird so ähnlich sein wie bei den vorherigen Abschnitten - trotz der enormen Länge von fast 240 Kilometern. Vom Streckenprofil her kann man davon aus gehen, dass auch die längste Etappe der diesjährigen Deutschlandtour im Sprint entschieden werden wird.

Hoffentlich gibt es mal einen anderen Sieger, sonst bekommen die Leute schnell den Eindruck, alle anderen Fahrer bei der Deutschlandtour wären unfitte Schlaffis. Am liebsten würde ich natürlich mit meinem Festina Team morgen endlich einmal Schampus trinken.

Gestern, auf der dritten Etappe von Erfurt nach Bad Neustadt, hätten wir es ja fast geschafft. Sven Teutenberg ist jedoch wenige Meter vor dem Ziel noch von Telekom-Ass Erik Zabel abgefangen worden. Schade und bitter zugleich: Im Profisport ist man als Zweiter nichts Anderes als der erste Verlierer. Daran haben wir uns alle schon gewöhnt. Aber: "Manana es un otro dia" - morgen ist ja auch noch ein Tag.

David Plaza kann Titelverteidigung abschreiben

Noch schlechter lief es allerdings für Vorjahressieger David Plaza, der ja auch bei uns im Team fährt. David war schon gesundheitlich angeschlagen, als er nach Deutschland kam, und sein Zustand hat sich nicht verbessert, im Gegenteil.

Er hatte bereits gestern morgen etwas Fieber. Seine Kopfschmerzen wurden während der Etappe so unerträglich, dass er Schwindel bekam und nach rund 120 Kilometern vom Rad stieg. Grippaler Infekt diagnostizierte unser Mannschaftsarzt Eduardo - Titelverteidigung ade.

Noch zwei heiße Eisen im Feuer

Anstatt, dass er die heutige Mammut-Etappe auf dem Rad hinter sich bringt, fahre ich ihn im Auto nach Frankfurt zum Flughafen. Von dort fliegt er zurück nach Madrid. Glücklicherweise haben wir nicht alles verloren, sondern mit dem Vuelta-Zweiten Angel Luis Casero und Felix Garcia Casas noch zwei Fahrer im Team, die auf das Podium fahren können.

Das Besondere für mich an der gestrigen Etappe war, dass ich das erste Mal in meinem Leben ein Radrennen vom Start bis ins Ziel aus dem Mannschaftsfahrzeug meines Teams verfolgt habe. Irgendwie war das schon was Neues, aber eigentlich nicht viel anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Steffen Radochla war Glückspilz und Pechvogel zugleich

Ganz unerwartet kam jedoch das, was Steffen Radochla passierte. Der war bei Festina der Pechvogel und Glückspilz in einem. Erst sticht ihn eine Wespe in den Arm. Okay, shit happens. Er zieht den Stachel raus und bekommt vom Tourarzt etwas Eisspray drauf.

Dann hält Steffen kurz an, um sich, nun ja, etwas zu erleichtern. Plötzlich bricht ein Gewittersturm los. Steffen steht da nichts ahnend rum, da kracht einen Meter neben ihm ein Ast runter. Ein Mordsteil, so dick wie sein geschwollener Arm. Besser die Wespe trifft und der Ast nicht als umgekehrt.

Bis morgen

Marcel Wüst