Deutsche Bank/SAP-Open Tiger Woods' Wunderschlag
St. Leon-Rot - Tiger Woods hat die Deutsche Bank/SAP-Open gewonnen. Mit insgesamt 22 Schlägen unter Par bei einer Gesamtschlagzahl von 266 (69+68+63+66) besiegte er den Neuseeländer Michael Campbell (270-62+65+73+70) in einer spannenden Schlussrunde.
Den dritten Rang teilten sich der Däne Soren Kjeldsen (271-70+67+69+65), der damit bester Europäer wurde, und der Australier Peter O'Malley (27.-71+68+63+69). Bester Deutscher war Bernhard Langer mit 283 Schlägen (72+71+70+70) auf dem 47. Rang. Mit seinem Sieg hat Woods nicht nur ein Preisgeld von 450.000 Euro gewinnen, sondern auch seinen Ruf untermauern können, dass er derzeit der größte Sportler der Welt ist.
Entscheidung am 13. Loch
So souverän sich der Sieg für den Weltranglistenersten aus den USA am Ende vom Ergebnis her darstellte, die Entscheidung fiel erst am 13. Loch auf der letzten Runde des Par-72-Kurses von St. Leon-Rot, als Woods ein sensationelles Eagle spielte. Bis dato hatte der Amerikaner sich mit dem Neuseeländer Michael Campbell einen verbissenen Kampf um die Führungsposition geliefert. 19 Schläge unter Par lagen beide zu diesem Zeitpunkt und Campbell schien im Vergleich zum Vortag mental wesentlich stärker zu sein. Am Samstag hatte er bei seiner 73er-Runde Nerven gezeigt.
Auf dem Par-4-Loch über 362 Meter war Woods zunächst unschlüssig, welchen Schläger er für seine Annäherung zum Grün nehmen sollte. Lange beriet er sich mit seinem Caddy, hatte schon ein Eisen 6 in der Hand, ehe er sich schließlich doch für das Eisen 7 entschied. Es war die richtige Wahl, denn Woods gelang ein absoluter Wunderschlag, mit dem wirklich nicht zu rechnen war. 160 Meter segelte der Ball durch die Luft, ehe er mit einem hörbaren "Plopp!" direkt im Loch verschwand - Eagle. Campbell war schockiert, und die meisten der rund 17.000 Zuschauer staunten über dieses Ausrufezeichen des Weltranglistenersten.
Wunderschlag mit Eisen 7
Weil der Wind unmittelbar vor dem Schlag nachgelassen habe, erklärte Woods hinterher, habe er nach dem Eisen 7 gegriffen. Dass der Ball dann direkt ins Loch geflogen sei, erklärte der "Tiger" grinsend, "war natürlich unwahrscheinliches Glück". Mit zwei tollen Birdie-Putts an den Löchern zuvor hatte der 25-Jährige angedeutet, dass das Turnier in die entscheidende Phase ging, doch beide Male konnte Campbell gleichziehen. Erst nach seinem Wunderschlag auf der 13. Spielbahn wusste Woods, dass er den Platz als Sieger verlassen würde.
Die Ruhe, mit der der Amerikaner am Sonntag auf die letzte Runde ging, verblüffte, weil es am Abend zuvor noch etwas Dramatik im Woods-Lager gegeben hatte. Beim Training auf der Driving Range hatte der Driver irreparablen Schaden genommen und die Nummer eins der Welt höflich um Ersatz bei Tourkollege Adam Scott anfragen müssen. Der Australier spielt fast genau denselben Schläger und stand in der Schuld des Amerikaners: "Ich habe Adam im Januar meine Eisen geliehen, als er in Südafrika gewonnen hat - jetzt sind wir quitt."
"Zuerst dachte ich, der Ball ist über das Grün geflogen"
Der am Ende unterlegene Campbell trug seine Niederlage mit Fassung: "Zunächst dachte ich, der Ball wäre über das Grün geflogen, aber dann hörte ich den Jubel der Zuschauer und wusste, was geschehen war." Sein Respekt galt dem Champion. "Er kann immer noch zulegen, das zeichnet einen wirklich großen Spieler aus", sagte Campbell, der auf den letzten fünf Löcher noch einmal alles versuchte, aber Pech mit seinen Putts hatte. "Im Golf kann man nicht kontrollieren, was andere tun, und dieser Schlag von Woods hat das Turnier entschieden."
Die schwächste Vorstellung des Führungstrios gab Eduardo "die Katze" Romero, der am Vortag noch geführt hatte und Tiger Woods einen harten Kampf liefern wollte. Mit einer indiskutablen Abschlussrunde fiel der Argentinier bis auf den 14. Rang zurück. Schon am ersten Loch der Schlussrunde, als Woods mit einem Eagle seine Offensive startete und Campbell mit einem Birdie antwortete, spielte der 46-Jährige Romero ein Bogey. Von da an wusste die "Katze", wohin die Reise ging. Mit 77 Schlägen kehrte er ins Clubhaus und war enttäuscht: "Ich habe miserabel gespielt. Mein linker Fuß hat weh getan, und ich konnte mein Gleichgewicht nicht richtig halten."
Cejka im Bayern-Trikot unterwegs
Als enttäuschend muss das Gesamtresultat aus deutscher Sicht bewertet werden. Von zwölf gestarteten Profis konnten sich gerade einmal drei für die beiden Schlussrunden qualifizieren. Bernhard Langer, der erst vorletzte Woche seine Saison in Europa eröffnete, hat sich offensichtlich noch nicht auf die anders gewachsenen Grüns umstellen können. Mit einem Endergebnis von -5 ließ er in St. Leon-Rot zumindest eine kleine Steigerung erkennen.
Alex Cejka, der das Turnier auf Rang 70. mit "Even Par" beendete, konnte zumindest am Schlusstag noch ein wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Im Trikot des neuen deutschen Fußballmeisters Bayern München absolvierte er seine Runde. Tobias Dier, der 57. wurde, erfüllte mit einem Ergebnis von drei unter Par die Erwartungen und schlug sich tapfer in diesem Weltklassefeld.