Deutsche Basketballer Hoffen auf den Nowitzki-Effekt
Starspieler Nowitzki: Fixpunkt des deutschen Spiels
Foto: REUTERSDie Nationalmannschaft soll jünger werden. Das hatte Bundestrainer Dirk Bauermann bereits früh verkündet. Eigentlich schon nach dem Erfolg in Serbien, wo das deutsche Team eines der ältesten war. Aber damals war nicht absehbar, dass die Integration von jungen Spielern im Sommer 2006 keine Option, sondern eine Notwendigkeit werden würde. Eine kurze Bestandsaufnahme: Wie erwartet traten mit Marko Pesic (97 Länderspiele) und Stephen Arigbabu (157) zwei verdiente Recken zurück.
Nino Garris ist nach seiner Seuchensaison verständlicherweise eher damit beschäftigt, seinen Körper für die Frankfurt Skyliners wieder in Topform zu bringen, als über eine WM in Japan (19. August bis 3. September) nachzudenken. Und Misan Nikagbatse hat nach einem schwierigen Jahr in Italien, in dem er in die zweite Liga verschifft wurde, um eine Auszeit vom Nationalteam gebeten. Sowohl Garris als auch Nikagbatse könne er verstehen, sagt Bauermann. "Für Nino macht es derzeit keinen Sinn, und Misan fühlt sich mental nicht in der Lage, um einen Platz im Team zu kämpfen."
Das bringt uns zu Guard Johannes Herber, den Forwards Jan Jagla und Guido Grünheid sowie Christopher McNaughton und Björn Schoo. Während die ersten drei aus der Bundesliga bekannt sind oder zumindest schon mal im Nationaltrikot aufliefen, sind die Center McNaughton (23 Jahre, 2,10 Meter) und Schoo (2,13) No-Names. Beide wuchsen in Deutschland auf, spielten zuletzt aber in der amerikanischen Collegeliga NCAA. Es werde zwar keinen Welpenschutz geben, so Bauermann, "aber diese Jungs können sich einen Platz im Zwölfer-Kader für Japan verdienen". Anders noch als bei Alex King im vergangenen Sommer ist die Nominierung also nicht als reiner Ansporn für die Zukunft gedacht.
Eine Überraschung gelang dem DBB mit der Einbürgerung von Julian Sensley. Der 24 Jahre alte Power Forward, 2,07 Meter groß, ist auf Hawaii aufgewachsen und absolvierte dort auch seine Collegezeit. Im letzten Jahr legte er im Schnitt 17,6 Punkte und 5,8 Rebounds auf für das dortige Uniteam der Hawaii Warriors. Sensley ist das Kind einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters und verfügt daher von Geburt an über eine doppelte Staatsbürgerschaft. Nach einem Tipp aus den USA schaute sich mit Chris Welp der Assistenztrainer der DBB-Auswahl ein Spiel des Allrounders an. Mittlerweile ist Sensley im Besitz eines deutschen Reisepasses und seit Beginn der Vorbereitung bei der Mannschaft.
"Deutschland ist von Geburt an ein Teil von mir, auch wenn ich in den USA gelebt habe. Ich freue mich auf die Herausforderung", sagt er. Es wird aber nicht einfach, in die feste Rotation zu rutschen, denn neben den neun Spielern aus dem EM-Silberteam (Pascal Roller, Mithat Demirel, Robert Garrett, Denis Wucherer, Demond Greene, Sven Schultze, Dirk Nowitzki, Patrick Femerling und Robert Maras) sind auch Steffen Hamann und Ademola Okulaja wieder fit.
Die Rückkehr des Warriors ist wichtig, "da Ademola in der Lage ist, neben Dirk die Akzente in der Offense zu setzen", sagt Bauermann. Ähnliches wird auch von Demond Greene erwartet. Nach einer tollen EM warf er sich bei Alba Berlin schnell in die Erste Fünf und muss in Japan zeigen, dass er bereit ist für den nächsten Schritt. Der Bundestrainer erwartet neben der gewohnt guten Defense, dass der Guard mehr zum Korb geht, anstatt sich nur auf seinen Jumper zu verlassen.
Der Fixpunkt des deutschen Spiels wird natürlich wieder Nowitzki sein. Dass dessen Saison durch die NBA-Finals (2:4 gegen Miami) noch länger als gewohnt war, sieht Bauermann nicht als großen Nachteil. Schließlich hätte der All Star der Dallas Mavericks sich ansonsten ja auch von Holger Geschwindner in Rattelsdorf durch die Halle treiben lassen, um endlich die siebte Stufe des Programms seines Mentors zu erreichen. Es ist eine Frage des Blickwinkels. Natürlich gilt das Argument, dass die Beine nach 104 NBA-Partien müder sind als sonst.
Andererseits ist das Argument, dass er in den Playoffs seinen Status als einer der drei besten Basketballer der Welt zementiert hat und ihm das in Japan mehr Respekt bei Schiedsrichtern und Gegnern einbringen wird, ebenfalls stichhaltig. Und was das von den amerikanischen Medien gelobte neue Inside-Game des "Dirksters" angehe, so habe der im Nationalteam schon vergangenen Sommer vermehrt aus dem Eins-gegen-eins den Weg in die Zone gesucht, sagt Bauermann. Deshalb sei eine große Umstellung in der DBB-Taktik nicht nötig.
Respekt vor dem deutschen Team
Nach dem bewährten Trainingslager auf Mallorca (bis zum 23. Juli) wird die DBB-Auswahl in Deutschland zwei Vorbereitungsspiele gegen Kanada austragen (am 28. Juli in Hamburg und am 30. Juli in Nürnberg). Dazu kommt am 4./5. August in Berlin der Super-Cup, bei dem gegen die Türkei und den Sieger der Partie Frankreich gegen Italien gespielt wird. Am 9. August fliegt die DBB-Delegation nach Asien, um sich bei einem Turnier in China den letzten Schliff zu holen. Australien, Brasilien, China, Frankreich und Griechenland sind die weiteren Teilnehmer.
Der große Traum sei eine WM-Medaille, sagt Bauermann. "Aber wenn wir unter die besten acht Teams kommen, wäre das als Erfolg zu werten." Auch wenn alle von einer leichten Gruppe sprechen, könnte das Auftaktspiel gegen Japan wegen der Euphorie rund um den Ausrichter schwierig werden. Und auch Neuseeland ist nicht zu unterschätzen. Über Panama weiß der Trainerstab noch gar nichts, außer wo es liege, sagt Bauermann. Mit dem schwierigsten Gruppengegner Spanien sieht er sein Team indes auf Augenhöhe.
In dem Spiel wäre ein Erfolg besonders wichtig, da man als Gruppensieger im Achtelfinale wahrscheinlich Argentinien, Frankreich und Serbien aus dem Weg gehen könnte und eher auf den Libanon, Nigeria oder Venezuela treffen würde. Aber wenn selbst der argentinische Olympiasieger Fabricio Oberto sagt, dass "wir nur ungern auf Deutschland treffen wollen, weil sie mit Nowitzki einen Spieler haben, der nicht zu stoppen ist", sollte der deutschen Nationalmannschaft kein Gegner Angst einjagen.