DTB-Frauen bei US Open Niederlagen gegen die Nerven
Tennisprofi Lisicki: Vom Regen aus dem Konzept gebracht
Foto: Eduardo Munoz / REUTERSHamburg - Es schüttete, wie man es sonst nur aus dem englischen Wimbledon kennt. Doch in Flushing Meadows, dem Austragungsort der seit Montag laufenden US Open, gibt es kein Dach. Dort vertraut man auf den "New York Blue Sky", den so typischen blauen Himmel über New York. Sabine Lisickis Vertrauen in das gute Wetter wird spätestens seit ihrer Auftaktpleite gegen die Rumänin Sorana Cirstea getrübt sein.
Ihren ersten Satz gewann Lisicki 6:4, den zweiten gab sie 2:6 her. Zu Beginn des dritten Durchgang begann es sintflutartig zu regnen - und nach einer zweieinhalbstündigen Unterbrechung ging der Satz 6:2 an Cristea. Sie hatte sich von der Pause nicht aus dem Konzept bringen lassen. Lisicki aber konnte die Unterbrechung nicht nutzen, um zur Konzentration aus dem ersten Durchgang zurückzufinden. Sie machte 42 unbedrängte Fehler, acht davon waren Doppelfehler.
Ähnlich schwach präsentierte sich Julia Görges. Gegen die Tschechin Kristyna Pliskova, Weltranglisten-125., ließ sie acht Break-Chancen ungenutzt und unterlag in zwei Sätzen 6:7, 1:6.
Petkovic fehlt Geduld
Sie habe mit "viel Pech" verloren, sagte Görges nach dem Match - doch es scheint, als sei auch sie mehr an den eigenen Nerven als an ihrer Gegnerin gescheitert. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Tennisfrauen spitze: Ihre fünf besten Spielerinnen - Angelique Kerber (6.), Görges (21.), Lisicki (23.), Barthel (35.) und Petkovic (37.) - rangieren allesamt in den Top 40. Das kann sonst derzeit nur Russland vorweisen. Und doch scheitern die Spielerinnen immer wieder gegen tiefer platzierte Gegnerinnen. Weil sie dem eigenen Druck nicht standhalten, eine Partie offenbar nicht mit der nötigen inneren Ruhe angehen können.
Bestes Beispiel dafür ist Petkovic. Nach ihrer langen Verletzungspause wollte sie bei den US Open ihr Gland-Slam-Comeback geben. Viel hatte sie sich nicht vorgenommen. "Es wäre für mich schon ein Erfolg, ein Spiel zu gewinnen", hatte die frühere deutsche Nummer eins gesagt. Doch nicht einmal damit klappte es. Sie verlor 2:6, 5:7 gegen die Schweizerin Romina Oprandi und verpasste den Einzug in die zweite Runde deutlich.
Hoffnungen ruhen auf Barthel und Kerber
"Ich habe noch nicht die Konstanz in meinen Schlägen, ich muss meinen Rhythmus wiederfinden. Ich muss ruhiger werden", analysierte sie. Geduld sei nie ihre Stärke gewesen. Und damit traf sie es auf den Punkt: "Es ist schwierig für mich zu akzeptieren, dass ich jetzt auch mal gegen Spielerinnen verliere, gegen die ich im letzten Jahr niemals verloren hätte."
Mit der Niederlage kam auch eine weitere Selbsterkenntnis: "Ich war egozentrisch und selbstsüchtig. Mein Leben hat sich im letzten Jahr nur noch um Tennis gedreht", sagte die 24-Jährige. Sie habe Freunde und Familie vernachlässigt, "und als ich verletzt war, waren genau sie für mich da". Das vergangene Jahr habe Petkovic viel gelehrt: "Aus schlechten Dingen können gute werden. Ich bin als Mensch gewachsen."
Petkovic war die einzige Deutsche, die für das Turnier nicht gesetzt war. Ihr Ausscheiden überraschte insofern nicht wirklich, gerade mit Blick auf ihre bisherige Saison. Die Niederlagen der drei Gesetzten beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres waren hingegen so unnötig wie unerwartet. Sie hatten sich allesamt mehr vorgenommen.
Trost für den deprimierenden Auftakt kam von Bundestrainerin Barbara Rittner: "Man durfte von allen Dreien nicht viel erwarten heute. Von Petko sowieso nicht nach der langen Zeit. Und auch Jule und Bine hatten nach Olympia Verletzungssorgen. Kopf hoch Mädels!!!", twitterte sie. Auch sie wirkte angesichts der Niederlagen ratlos. Doch es gibt noch Hoffnung: Mit Mona Barthel und und vor allem Angelique Kerber treten noch zwei aussichtsreiche Spielerinnen in Flushing Meadows an.