Deutsche Handball-Torhüter Ab ins Ausland
Handball-Torwart Müller: Von Magdeburg nach Ystad
Foto: Jens Wolf/ picture-alliance/ dpaEr spielt als Nummer eins in der ersten Liga. Und er kämpft um die Meisterschaft im Handball. Sein Name: Jürgen Müller. Seine Position: Torwart. An dieser Stelle beginnt das Grübeln, denn der HSV Hamburg und der THW Kiel haben gar keinen Müller zwischen die Pfosten. Der 24-jährige Deutsche hat sein Heimatland verlassen und in Südschweden bei Ystad IF sein Glück gefunden.
Die Kurzversion von Müllers Geschichte: Hilf dir selbst, geh fort, werde besser.
"Viele Deutsche sind bequem geworden, weil sie entweder gute Vereine haben oder gute Angebote von Spitzenclubs bekommen", sagt Müller und mahnt: "Man soll sich als junger Spieler nicht zu viel Honig ums Maul schmieren lassen." Der gebürtige Nürnberger hat eine Vita, die ihm ein solch klares Urteil erlaubt.
Schon mit 16 Jahren trainierte er bei Frisch Auf Göppingen. Sein damaliger Trainer Christian Fitzek verlor ihn nicht aus den Augen und lockte ihn mit 20 aus Balingen zum HSV Hamburg, als dritten Mann hinter Johannes Bitter und Per Sandström. "Damals", sagt Müller, "war das für mich sehr reizvoll. Als junger Spieler bist du total fasziniert, wenn du so ein Angebot bekommst."
Müller: Von Hamburg über Magdeburg nach Ystad
Im Training lernte der Junioren-Europameister von 2006 in Hamburg dazu. Aber die Chance, sich im Wettkampf zu entwickeln, blieb ihm versagt. "Der entscheidende Schritt kam eben nicht", sagt Müller und zog 2008 weiter zum SC Magdeburg. Doch auch dort konnte er sich im Schatten der Konkurrenten Silvio Heinevetter und Gerrie Eijlers nicht durchsetzen. Also entdeckte er Schweden und ging nach Ystad.
"Für junge Spieler ist das Ausland auch eine Chance, sich nicht nur handballerisch, sondern auch persönlich weiterzuentwickeln", sagt Müller. Als junger Pionier kann er viel darüber erzählen: Binnen sechs Monaten eignete er sich solide Kenntnisse der Landessprache an, lernte die schwedische Torwarttechnik und steht ständig im Wettkampf.
Baur: Von den Löwen nach Winterthur in die Schweiz
Etwas früher mit der Emigration war Matthias Baur dran. Der U21-Weltmeister unterschrieb bereits 2009 einen Drei-Jahres-Vertrag beim Schweizer Nationalligisten Pfadi Winterthur. "Ich bin Torwart, da schaffen es nur wenige relativ früh", sagt Baur. "In der ersten Liga bekommst du als junger deutscher Spieler keine Chance." Er gehörte zum Kader der Rhein-Neckar Löwen, trainierte mit Henning Fritz und Slawomir Szmal und kam zum Ende der Saison 2008/2009 gegen Essen und Dormagen auf zwei Kurzeinsätze. Seinen spielerischen Alltag verbrachte er bei der HG Oftersheim/Schwetzingen.
Inzwischen ist Baur 23 Jahre alt und hätte sich in Baden gemütlich einrichten können, doch er erinnerte sich der Nationalmannschaft: "Da war es immer ein Thema, auch mal die Komfortzone zu verlassen und den unbequemen Weg zu gehen." Der vorerst auf drei Jahre befristete, mit einer kaufmännischen Ausbildung verbundene Umzug in die Schweiz lag für ihn nicht so fern wie Müllers Wechsel nach Schweden: Baur wuchs grenznah in Weil am Rhein auf.
Die Vorteile liegen jedoch ähnlich: Bei Winterthur kann er spielen. Zwar wegen der Konkurrenz durch den slowakischen Nationaltorwart Martin Pramuk nur durchschnittlich 15 Minuten, aber immerhin erstklassig.
Jürgen Müller tourt derweil als hoch geschätzter Torwart durch Schweden. "Für mich", sagt er, "könnte es nicht besser laufen." Er träumt davon, mit Ystad im Frühjahr im Göteborger Scandinavium um Schwedens Meisterschaft zu spielen. Aber selbst das Finale wäre nur ein Vorspiel.
"Mein Ziel ist ganz klar: Ich möchte in der Bundesliga angreifen", sagt Müller. Da will er spielen und Nummer eins sein. In Schweden steht er noch bis 2012 unter Vertrag.